Test: Studio Devil Virtual Guitar Amp II

Amp Modelling vom Doktor – das kam mir als erstes in den Sinn, als ich mich über die Company Studio Devil schlau machte. Denn Firmengründer und Studio Devil-Entwickler Marc Gallo hält einen Doktortitel in E-Technik. Aber keine Angst, der Virtual Guitar Amp II bleibt schön unakademisch.

Der Virtual Guitar Amp II geht einen, im Gegensatz zu den Mitbewerbern, gänzlich anderen Weg um sich dem Thema Ampmodelling zu nähren. Während andere Plug-ins versuchen, die „richtigen“ Amps in allen Belangen, sowohl optisch wie auch von der Bedienung her, nachzubilden, hat man sich bei Studio Devil dazu entschieden, dem VGA II modellübergreifend einen einheitlichen Look zu geben.wpid-StudioDevilAbb1-2011-07-10-22-31.jpg

Installation
Das passende File findet man sehr schnell auf der Webseite des Herstellers, hier hat man zweckmäßig zwischen Windows- und OS X-Dateien geteilt. Der VGA II läuft plattformübergreifend unter den bekannten Formaten Audio Units, RTAS und VST.
Autorisation
Ich bekam von Studio Devil eine Seriennummer, die sich auf der Webseite des Herstellers in einen Aktivierungscode transferieren lies, dazu muss man sich einen Account anlegen. Die Aktivierung an sich verläuft schnell und ohne Probleme.
Interface
Die GUI des VGA II hat mit Sicherheit den Begriff stromlinienförmig verdient, in die reale Welt transferiert würde das Plug-in wohl nicht mehr als 2 HE im Rack beanspruchen.
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Die Preamp-Sektion bietet 18 Grundmodelle, welche sich über Modern, British und Classic vorwählen – und sich ferner in Clean, Crunch, Lead und Typ I und Typ II einstellen lassen.
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Auch wenn man bei Studio Devil hier explizit keine Namen nennt, dem erfahrenen Gitarristen ist natürlich sehr schnell klar, welche Soundcharakteristik sich hinter den möglichen Kombinationen verbirgt. Und im Grunde ist es ja auch eher zweitrangig, ob man nun einen Soldano oder Peavey 5150 nachbildet, mit Modern und Lead wird man sich sehr schnell dem gewünschten Sound nähern können. Neben den beschriebenen Wahlmöglichkeiten bietet diese Sektion des VGA noch Gain und Volume, wobei ersterer Poti die Gaineinstellung der Vorstufe regelt und letzterer den Pegel der virtuellen Endstufe.
Die EQ-Abteilung umfasst Bass, Mids, Treble und Presence die jeweils abhängig von der gewählten Ampeinstellung miteinander interagieren und ineinander greifen.
Ein Noise Gate bietet der VGA II ebenfalls, welches sich mit einem Poti einstellen lässt, was überraschend gut funktioniert, da das Gate des VGA II hier intelligent auf das eingehende Signal reagiert und sehr musikalisch arbeitet.
An Lautsprechern bietet der VGA II insgesamt 18 Optionen, wobei es dem Benutzer obliegt, ob jeweils ein gematchtes Cabinet zum selektierten Amptyp eingestellt wird, oder ob man die Lautsprecher frei auswählt. Hier sind die üblichen Verdächtigen aus der 1×12“, 2×12“ und 4×12“-Abteilung am Start, und auch ein 1×15“-Cabinet findet sich in der Liste. Ich vermisse lediglich eine 4×10“-Option.
Neben der Cabinetabteilung liegt das chromatische Stimmgerät, dessen Anzeige zwar recht klein ausfällt, das aber zum schnellen Überprüfung des Tunings trotzdem gut zu gebrauchen ist. Lässt man mal das Noise Gate außen vor, so kommen wir nun zu den beiden Effektblöcken, die der VGA II beinhaltet.
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Da hätten wir zunächst die Abteilung für Modulationseffekte, gefolgt von der Engine für zeitverzögernde Effekte. Beim ersten Block lässt sich zwischen Tremolo und Chorus wählen, als Regelmöglichkeiten haben wir hier sehr überschaubar Level und Speed. Im zweiten FX-Block kann man zwischen Delay und Reverb wählen, diese Effekte sind mit Level und Time zu regeln.
Fazit
Das man sich in der FX-Abteilung zwischen entweder/oder entscheiden muss, finde ich nicht so hübsch. Bei den Modulationseffekten kann ich das noch nachvollziehen, schließlich würde die Kombination aus Tremolo und Chorus wohl ziemlichen Soundmatsch provozieren, aber Delay und Reverb würde ich gerne zusammen einsetzen können. Wobei mir das Delay nicht so ganz gefallen hat. Trotzdem fände ich eine Tapfunktion für das Delay sehr schick. Mir ist zwar klar, dass noch Luft zum großen Amp Modeler Pro bleiben muss, trotzdem währe zumindest die Möglichkeit auf Delay und Reverb sehr praxistauglich.
So schmal das Konzept des VGA II ist, so groß ist der Sound. Wer auf fotorealistische Amp-Darstellungen verzichten kann und überschaubare Regelmöglichkeiten bevorzugt, ist beim VGA II richtig. Die wenigen Regler lassen sich intuitiv einstellen und wer etwas Wissen darüber mitbringt, welcher Soundcharakter sich hinter British oder Modern verbirgt, kommt schnell an das gewünschte Ziel. Den Blick ins Manual kann man sich getrost sparen, denn das Plug-in ist selbsterklärend.
Mit einem Preis von $79 ist der VGA II sehr günstig in der Anschaffung und sowohl für Gitarristen die erste Wahl, die auf ausgefeilte Pedalboard-Simulationen verzichten können – oder eben für Musiker und Produzenten, die nicht in der ersten Linie an den Saiten arbeiten, aber für alle Fälle gerüstet sein möchten, falls mal ein Gitarrenmann im Studio aufläuft.
Heiko Wallauer
Plattformen und Betriebssysteme

  • VST, AudioUnits, RTAS auf Mac OS X und Windows.

Preis

  • 79 US Dollar

Hersteller

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