Test: Steinberg Wavelab 7 unter MacOS X

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Es war wohl eine der spektakulärsten News des letzten Jahres: Steinberg portiert WaveLab endlich auf den Mac. Was lange Zeit als nicht möglich und realisierbar galt, sollte nun also doch Wirklichkeit werden. Kein Wunder also, dass meine Erwartungshaltung entsprechend hoch war.

Für den Test hatte ich mich wegen eines längeren USA-Aufenthalts „disqualifiziert“, aber ich machte unserem Cheffe den Vorschlag, mal die WaveLab 7-Realität nach einigen Monaten Praxis zu beleuchten, was zum Glück Anklang fand. Insofern konnte ich erst mal die Kollegen mit den Widrigkeiten einer neuen Softwareversion kämpfen lassen, und mich entspannt unter kalifornischer Sonne zurücklehnen.
WaveLab dürfte mit ein Grund gewesen sein, weshalb sich eingefleischte Apple-User doch noch mit Windows auseinander gesetzt haben, denn nicht selten fand man in Apple-basierten Studios noch irgendwo einen Windowsrechner, auf dem WaveLab betrieben wurde, bzw. später eine Windows-Partition auf den Intel-Macs.
Nun stellt sich natürlich zuerst die Frage: Braucht man heute überhaupt noch eine Software wie Wavelab? Oder hat das gute, alte Zweispurschnittprogramm (wobei das ja auf WaveLab 7 nicht mehr so ganz zutrifft) nicht längst den Zenit überschritten? Kann man mit einer gängigen DAW nicht eben auch alle Schnitt- und Edit-Aufgaben und alle Stufen der Endbearbeitung realisieren?
Nun, für den größten Teil der Mitbewerber könnte man dies wohl mit gutem Gewissen unterschreiben, und wenn man sich die Durchdringung ähnlich gelagerter Software anschaut muss man feststellen, dass der Markt hier sehr rückläufig ist. Hat man unter Windows zumindest noch etwas Auswahl, so wird unter OS X die Luft ziemlich dünne, sieht man mal von Sound Studio 3 oder TwistedWave ab.
Etwas muss also dran sein an WaveLab, dass immer noch viele Ton-Leute bevorzugt auf dieses Programm zurückgreifen.
Die Installation und Autorisation von WaveLab 7 sind zum Glück schnell erledigt. Das gibt mir Gelegenheit, über den eLicenser meine Steinberg-Lizenzen neu zu ordnen und auf einem Key zusammenzufassen.
Zugegebenermaßen war der Start etwas hakelig, denn nicht alle Plug-ins wollten gleich in WaveLab 7 auf dem Mac mitspielen. Hätte ich mir aber auch nicht anders gedacht, denn ich sah WaveLab 7 auf dem Mac eher als Version 1.0. Im Moment arbeite ich mit dem aktuellen Update WaveLab 7.0.1 und hier laufen meine Plug-ins von Drittherstellern sehr stabil.
Der Einstieg in die Arbeit mit WaveLab 7 war dann auch sehr einfach. Öffnen, Audiofile laden und schon kommt Sound aus den Boxen. Zwar haben einige Mac-User zu Anfang die nicht ganz Mac-konforme Optik angemeckert, mich hat das aber nicht weiter gestört, schließlich sieht WaveLab 7 doch irgendwie vertraut aus, auch wenn man die Oberfläche upgedatet hat.
Die in WaveLab 7 definierten Arbeitsbereiche Audiodatei-Bereich, Audiomontage, Stapelbearbeitung und Podcast finde ich sehr gut definiert und praxistauglich gewählt. Nervig nur, dass der Viererbutton, mit dem sich die Arbeitsbereiche umschalten lassen, immer im Vordergrund klebt und sich nicht verbergen lässt.
Für mich spielt sich die Musik zum großen Teil im Audiodatei-Arbeitsbereich ab, da meine Hauptanwendungen im Schneiden, Editieren und der Endbearbeitung von Audiodateien zu finden sind, also Tätigkeiten die man gemeinhin unter Mastering zusammenfasst.
Der Vorteil von WaveLab im Gegensatz zu anderen Anwendungen liegt für mich auf der Fokussierung auf dass Endergebnis – unabhängig davon, ob man nun einfach seine alten Analogtapes digitalisieren und restaurieren will oder ob man einer amtlichen Produktion das Showroomfinish verpasst.
Ich habe mich über die letzten Monate vermehrt damit auseinandergesetzt, altes Audiomaterial zu restaurieren und zu archivieren, hatte ich doch aus zurückliegenden Bandtätigkeiten eine Menge Demos und Mitschnitte ganz unterschiedlicher Qualität. Hier erwiesen sich die in WaveLab enthaltenen Filter, Dynamiktools sowie die drei Sonnox Plug-ins als wahrer Segen.
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Die Aufnahmen stammten aus ganz unterschiedlichen Schaffensphasen, teilweise Mehrspuraufnahmen, teilweise einfache Stereomitschnitte, teils analog, teils digital.
Zunächst machte ich mich daran, die Audiofiles individuell mit Sonnox De-Buzzer, De-Noiser und De-Clicker von Nebengeräuschen zu säubern. Die drei Plug-ins haben es wirklich in sich und wären fast schon einen großen Teil des Preises wert, mit dem WaveLab 7 zu Buche schlägt.
Gerade bei der Audio-Aufbereitung hat Wavlab mit dem Spektrum-Editor und der Sonogramm-Ansicht ein sehr gutes Werkzeuge mit an Bord, um eben nicht nur über der Zeitachse zu arbeiten, sondern auch in der vertikalen. So ist es hier möglich, gezielt störenden Frequenzen die Energie zu entziehen oder bestimmte Effekte nur auf einzelne Frequenzbereiche anzuwenden.
Habe ich alle Unebenheiten beseitigt, oder verfüge bereits über einen sauberen Mix, gehe ich zum Kern des Masterings über, das heißt die Bearbeitung der Mischung mit Filtern/EQs und Dynamikeffekten.
Hier hat WaveLab 7 auch eine reichhaltige Auswahl an Effekten mit an Bord, stellt aber auch eine Schnittstelle bereit, um Plug- ins von Drittanbietern einzubinden. Auf meine SPL- oder Brainworx-Plug-ins möchte ich in der Regel nur ungern verzichten und so bin ich froh, dass ich diese ohne Umwege in WaveLab nutzen kann.
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Ganz besonders schätze ich an WaveLab 7 die Möglichkeiten, das akustische Geschehen unterschiedlich zu visualisieren, denn die Metering-Werkzeuge in WaveLab 7 sind sehr aussagekräftig und ermöglichen die eindeutige Interpretation der bereitgestellten Informationen. Klar, man sollte immer mit den Ohren mischen und mastern, trotzdem ist es mitunter hilfreich, wenn man sich unter verschiedenen Aspekten einen visuellen Eindruck von dem machen kann, was gerade aus den Lautsprechern tönt.
Bei WaveLab haben wir da zuerst natürlich mal die gängige Wellenformdarstellung.
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Die Spektrumanalyse ist immer dann hilfreich, wenn man Störfrequenzen auf der Spur ist. Man sieht im Prinzip, wie die akustische Energie über den Frequenzverlauf und über die Zeit verteilt ist.
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Somit lassen sich Störungen sehr schnell eingrenzen, und Probleme erkennen. Über eine Auswahlfunktion lassen sich so mittels eines akustischen Fingerabdrucks Fehler ausbessern, indem man sich einen Part sucht, der in Ordnung ist und einen Fehlerhaften dadurch ersetzt. Für Ambience-Anteile im Signal ist das mitunter sehr hilfreich, lassen sich so doch wunderbar nebensächliche Ereignisse eliminieren.
Der Laustärkeverlauf ist vor allem für die Bearbeitung der Pegel informativ, weil man so sehr gut den dynamischen Verlauf über die Zeitachse im Blick behält.
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Sehr gut gefällt mir außerdem die 3D-Frequenzanalyse, welche sich nun um 360 Grad rotieren lässt. Auch hier bekommt man einen aussagekräftigen Eindruck, von dem, was sich im Frequenzspektrum tut. Die statische Abbildung lässt ruhige Analysen zu, man dann das Diagramm drehen und wenden und von allen Seiten begutachten. Sehr schön und fast schon Kunst.
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Klassischer ist da schon die Darstellung der Lautstärkeverteilung, welche sich auf eine zweidimensionale Darstellung beschränkt.
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Neben den etwas spezielleren Anzeigen hat WaveLab 7 aber auch alle Standardanzeigen wie Phasenkorrelationsmeter, VU-Meter, ein Oszilloskop oder ein Spektrometer mit an Bord. Gut finde ich hier die Bit-Anzeige, welche Auskunft darüber gibt, wie man die zur Verfügung stehende Wortbreite ausnutzt.
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Jetzt habe ich so viel über Anzeigen geschrieben, dass ich doch mal loswerden muss, dass WaveLab 7 unter allen Umständen ein Display mit hoher Auflösung benötigt. Mit der 1280 x 800er-Auflösung meines kleinen MacBooks Pro wird die Arbeit mitunter schnell sehr anstrengend.
Auch wenn man nicht unbedingt eine HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixel braucht, im 16:10-Format sollten es dann doch 1440 x 900 Pixel sein oder im 4:3-Format 1280 x 1024 Pixel, sonst wird es arg eng.
Schauen wir weiter bei den Bearbeitungsmöglichkeiten, stellen wir fest, dass wir selbstredend natürlich auch alle üblichen Standards wie Fade in, Fade Out, Pegelhüllkurven, Phase umkehren, DC-Offset entfernen so wie Umkehren mit an Bord haben – und natürlich alle relevanten Schnittfunktionen.
Auch wenn ich beim Mastern dafür eigentlich keinen rechte Anwendung sehe, aber für die Bearbeitung von Samples sind die Timestretch- und Pitchshift-Algorithmen wirklich sehr gut gelungen und vor allem bei im Pitchshifting weitaus besser als das, was z. B. Logic von Haus aus mitliefert.
Was braucht man noch für einen ausgeglichenen Sound? Dither-Algorithmen wären nicht schlecht. Auch diese bietet WaveLab an, zwei an der Zahl – einen, der schlicht mit intern bezeichnet ist und Noise Type 1, Noise Type 2 und drei Noiseshapingalgorithmen bietet und den UV22HR-Algorithmus, der mir persönlich am besten gefällt und den ich mit Abstand am meisten nutze.
Ach ja, am Ende möchten wir ja eine fertige Datei haben, die wir entweder ins Web hochladen, oder auf CD/DVD brennen. Bei WaveLab 7 finden wir dies unter „Berechnen“, dessen Fenster aber mit „Rendern“ überschrieben ist. Neben den Standards AIFF und WAV kann WaveLab 7 MP3, Ogg Vorbis, Sound Designer II und einige andere Exoten exportieren. Samplerates werden bis 384 kHz. unterstützt, und auch bei der Wortbreite ist bei 24 Bit nicht Schluss, hier schafft es WaveLab 7 auf 32 Bit, 32 Bit Float und 64 Bit Float.
Bei der MP3-Codierung können wir zwischen Lame-Codec und Fraunhofer-Codec wählen, ebenso zwischen konstanter und variabler Bitrate. Setzt man die Bitrate konstant liegt die höchste Auflösung bei 320 kbps. Doch hier ist bei WaveLab noch lange nicht Schluss, bietet das Programm doch noch drei weitere Arbeitsbereiche.
Auch wenn die CD-Veröffentlichungen in den letzten Jahren schwer nachgelassen haben (das meiste produziere ich mittlerweile zum Online-Release), den Audiomontage-Bereich sollte man trotzdem nicht vernachlässigen.
Hier lassen sich Playlists zusammenstellen, Titel arrangieren, Fades und Crossfades setzen und Effekte auf Tracks und Clips anwenden. Und wenn es dann doch uns Presswerk geht, lassen sich auch hier alle relevanten Codes und Informationen einfügen, um ein konformes Medium oder Image zu erstellen.
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Ich möcht’s ja kaum sagen, aber vor einigen Jahren habe ich den Audiomontagebereich auch immer mal wieder dazu verwendet, Remixe zu erstellen. Auch wenn das heute um einiges komfortabler geht, ich werde es doch spaßeshalber mal wieder angehen, denn diese WaveLab-Remixe hatten immer ein spezielles Flair.
Die Stapelbearbeitung ist immer dann ein wahrer Segen, wenn man sehr viele Audiofiles konvertieren muss. Ich hatte zum Beispiel mal ein Projekt bei dem einige hundert Sprachansagen zu konvertieren waren. Hier kommt einem dann eine Stapelverarbeitung wie in WaveLab gerade recht.
Der Podcastbereich hat im Moment den geringsten praktischen Nutzen für mich, trotzdem finde ich die Möglichkeiten klasse, Metadaten einzupflegen und Podcasts via FTP-Protokoll auf den üblichen Seiten hochzuladen, noch dazu wenn die passenden RSS-Feeds automatisch generiert werden können.
Abschließend
Das Warten auf WaveLab 7 für die OS X Plattform hat sich meiner Ansicht nach gelohnt. Auch wenn der Anfang etwas holprig war, mittlerweile läuft die Software bei mir rund und ohne Schluckauf.
Natürlich mag man immer argumentieren, dass es hier das ein oder andere Tool gäbe, welches günstiger ist. Aber WaveLab 7 klingt umwerfend gut und macht nicht zuletzt deshalb mehr als deutlich, weshalb Steinberg mit dieser Software einen Industriestandard gesetzt hat.
Dass man in Zeiten von MP3 und Onlinevertrieb trotzdem alle professionellen Formate bereitstellen kann, spricht weiterhin für WaveLab 7. Auch wenn das Thema Mehrkanalton in den Hintergrund getreten ist, ist es nur konsequent, dass Steinberg auch hier am Ball bleibt, wie unser WaveLab 7-Tutorial zeigt.
Für mich hat sich das Warten auf WaveLab unter Mac OS X auf jeden Fall gelohnt und ich begrüße es sehr, dass Steinberg hier auf die Wünsche unzähliger Apple-User eingegangen ist.
Heiko Wallauer

Systemvorrausetzungen Mac OS X

  • Mac OS X 10.6
  • Intel CPU
  • 1 GB RAM
  • CoreAudio kompatible Audio-Karte
  • 200 MB freie Festplattenkapazität

Systemvoraussetzungen Windows-PC

  • Windows 7
  • 2 GHz. CPU
  • 1 GB RAM

Preise

  • WaveLab 7: 599 Euro
  • WaveLab 7 Upgrade von Version 6: 99 Euro
  • WaveLab 7 EDU (Schüler): 279 Euro

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