Test: Steinberg Cubase 7 – Teil 3

Steinberg Cubase 7 – Chord Track
Cubase komponiert nun selbst – so mag man erst mal denken, wenn man zuerst von Cubase 7 Chord Track hört.
Doch ganz so „schlimm“ ist es nun auch nicht, denn Chord Track ist ein durchaus nützliches wie praxistaugliches Feature für Komponisten und Musikproduzenten.

Doch was macht Chord Track in der Praxis?

Zunächst muss man sich klarmachen, dass es sich Chord Track eine dem Arrangement übergeordnete Spur handelt, die Akkordverbindungen erzeugen und verwalten kann. Die Klangerzeugung übernimmt dann eine andere Spur, in der man sich ein entsprechendes VST-Instrument geladen hat.

Chord Track sucht passende Akkord-Verbindungen für bereits vorhandene Akkorde. Dazu legt man sich im Chord Track ein leeres Akkord-Event an, welches anschließend befüllt werden kann. Als Akkordfrickler kann man nun noch entscheiden ob man nur den Akkord vor dem Event oder auch der nach dem Event mit in die Analyse einbeziehen möchte.


(Bildquelle: www.steinberg.net)

Welcher Akkord am Ende vorgeschlagen wird, hängt von einigen weiteren Einstellungen wie Komplexität (Dreiklang/Akkorderweiterung), Modus oder Typ ab. Verschiedene Stilrichtungen lassen sich vorgeben, in welcher komponiert werden soll.
Im Inspector der Akkord-Spur kann man weitere Variablen einstellen. So kann das Voicing auf Piano, Basic oder Gitarre sowie verschiedene Stilrichtungen (Rock, Pop, Jazz, etc.) abgestimmt werden.

Man bekommt vom Assistenten im Chord Track also sinnvolle Vorschläge, wie sich Akkorde im musikalischen Sinne verbinden lassen.


(Bildquelle: www.steinberg.net)

Dabei geht es aber noch weiter: der Assistent kann ebenfalls Lösungen erarbeiten, welche Chords einen Ausgangs- mit einem Endakkord sinnvoll ergänzen, um eine schlüssige Kadenz bilden. So lassen sich z.B. Anfangs- und Endakkord definieren -etwa C7-X-X-G, und der Assistent schlägt dann sinnige Verbindungen vor, die von C7 nach G laufen.

Im Gegensatz zum weit verbreiteten Loop-Schubsen, dass man aus anderen Applikationen kennt, basiert Chord Track und Chord Assistant komplett auf mathematischen Algorithmen, welche die Musiktheorie in Bits und Bytes erfasst haben. Diese Herangehensweise ist nun nicht so abwegig, basiert doch die ganze Musiktheorie auf mathematischen Intervallen und Teilungsverhältnissen, und was man gemeinhin als „Wohlklang“ empfindet lässt sich durchaus pragmatisch in Verhältnisse packen.

Die Vorschläge, die der Chord Assistant von Cubase 7 erarbeitet, basieren dabei auf zwei Algorithmen, Cadence und Common Notes.

Common Notes basiert auf einem sehr einfachen Modell: Akkordfolgen klingen meistens gut, wenn sie gemeinsame Töne enthalten. Die Folge z.B. von „G-Dur“ nach „E-Moll“ hat zwei Töne gemeinsam. Zwei von Drei ist also mal nicht so schlecht, und deshalb dürfte es nicht verwundern, weshalb wir diese Akkord-Verbindung als „wohlkingend“ empfinden.

Im Cadence-Modus bietet Cubase 7 dann zu den vorgegebenen Akkorden passende Akkordfortschreitungen an, und auch hier gibt es eben mathematische Grundsätze und Verhältnisse, in denen Akkorde gut zusammenklingen.

Bewegt man sich also nicht im Bereich der Zwölftonmusik oder verfolgt einen freien improvisatorischen Ansatz, so ist der Chord Track mit dem Chord Assistant ein sinvolles Tool zum Komponieren und Arrangieren, ebenso für den musiktheoretisch „Nichtwissenden“, wie auch für in der Harmonielehre Bewanderte.

Cubase 7 versteht sich in der Folge ebenfalls auf Voicings. Cubase 7 findet also nicht nur Möglichkeiten „was“ gespielt werden soll, sondern bietet auch das „wie“ an.

So beschreibt ein G-Dur-Akkord zunächst mal nur die drei Töne G, H und D, nicht jedoch in welcher Lage oder in welcher Reihenfolge diese zusammen erklingen sollen.
Auf der Gitarre verteilen sich diese Töne dann auch anders wie z.B. auf dem Klavier oder anderen polyphonen Instrumenten.


(Bildquelle: www.steinberg.net)

Deshalb kennt Cubase 7 auch Voicings, die in drei Klassen -Basic, Piano, Gitarre- organisiert sind. Jede Klasse besteht wiederum aus Unterklassen, die unterschiedliche Stilistiken beschreiben.

Die Piano-Klasse besteht aus einer umfangreichen Sammlung von Voicings, wie man sie auf dem Keyboad spielen kann, wobei bestimmte Variationen per Algorithmus berechnet werden.

Die Gitarren-Klasse hingegen beinhaltet Voicings, die ein Gitarrist auch tatsächlich auf der Gitarre greifen würde.

Der Basic-Klasse liegen ausschließlich mathematische Algorithmen zu Grunde, ohne Bezug zu musikalisch Spielbarem.

Die Akkordspur bietet also einen schnell zu erfassenden Überblick, weiterhin lassen sich aber auch schnell einfach mal Akkorde ändern und alle Midi- und monophonen Audiospuren folgen dieser (Master-)Akkordspur vorausgesetzt man hat im Inspector der jeweiligen Spur die Option “Akkordspur folgen” angehackt.


(Bildquelle: www.steinberg.net)

Mein Fazit zu Chord Track und Chord Assistant ist ein sehr positives. Nicht, weil einem Chord Track den Kreativen Schaffensprozess abnimmt. Vielmehr komme ich aus einer Generation, die noch im Studio mit Lead-Sheets und MIDI-Arrangements gearbeitet hat. Das heisst, schon immer bekam ich zum Einspielen eine Akkordübersicht und ein Playback, welches die Akkordfortschreitungen grob umrissen hat. Und genau das kriegt man nun auch schnell mit Chord Track hin.
Das man darüber hinaus auch mal das ein oder andere kreative Tief geschickt umschiffen kann, kommt bei mir ebenfalls gut an. Denn im Grunde ist Musik eben auch Mathematik, und wieso soll man sich diese Verhältnisse nicht in Algorithmen zu Nutze machen? Für mich wirkt dieser Ansatz schlüssiger und kreativer als das belanglose Zusammenschubsen von vorgefertigeten Audio-Loops.

Insofern beide Daumen bei mir nach oben! Gut gemacht, Steinberg – Chord Track rockt richtig!

Heiko Wallauer

Schreibe einen Kommentar