Test: Steinberg Cubase 7 – Teil 1

Steinberg Cubase 7 – MixConsole

23 Jahre ist Cubase nun schon der Mittelpunkt in vielen Studios der Welt. Was als reiner MIDI Sequenzer Pro-16 auf dem C64 begann und als Cubase auf dem Atari ST einen ersten Standard in Sachen computerbasierter Musikproduktion setzte, trägt heute den Namen Cubase 7 und ist ohne Übertriebung aktuell einer der Industriestandards in Sachen digitaler Audioworkstation.

Seit 1989 hat Cubase einige Erweiterungen erfahren.
Anfang der Neunziger konnte man mit Cubase endlich Audiodateien aufzeichnen und im Jahr 1996 wurde die VST-Schnittstelle eingeführt, ohne die die Studiowelt heute wohl ganz anders aussehen würde.


Die aktuelle Inkarnation von Cubase hört auf die Versionsnummer 7. Während die Mitbewerber ihre Roadmap meistens nebulös zu verschleiern versuchen, kann man auf Steinbergs Entwicklungsabteilung solide Wetten abschließen, man ist anscheinend um größtmögliche Transparenz für die User bemüht.

War es früher zeitweise so, dass Steinberg mit Cubase der Konkurrenz in einigen Bereichen davonrannte, während man gleichzeitig in anderen Feldern in Rückstand geriet, so verhält sich die Entwicklung spätestens seit Cubase 5 ausgesprochen evolutionär, Verbesserungen und Verfeinerungen kommen mit der bereits erwähnten gewissen Regelmäßigkeit, wenn nicht sogar mit Vorhersagbarkeit.

Trotzdem oder vielleicht deshalb ist Steinberg Cubase 7 nun mehr als nur ein Facelift der bekannten DAW und bestens dafür gerüstet, Steinbergs Ruf als Branchenführer und DAW-Schwergewichtler zu untermauern.

Obwohl das gesamte Programm randvoll mit Erweiterungen und Verbesserungen ist hat Steinberg mit der MixConsole den Ansatz „Mischen in der DAW“ wirklich tiefgreifend überarbeitet. Der neue Mischer hat wenig Ähnlichkeit mit dem altbekannten aus Cubase 6. Klar, die üblichen Konventionen gelten immer noch – so werden die Kanalzügesenkrecht mit einem Fader an der Unterseite angeordnet – trotzdem hält das neue Cubase-Paradigma genügend Neuerungen und Überraschungen bereit.

Eine Neuerung fällt aber sofort nach Installation und dem ersten Start auf:
Der Steinberg Hub. Hier erhält man, Internetverbindung vorrausgesetzt, auf der linken Seite aktuelle Infos und Hinweise aus der Steinberg-Welt (zum Beispiel über bereitgestellte Cubase-Updates). Rechts kann man aus einer Vielzahl von Projektvorlagen auswählen oder zuletzt bearbeitete Projekte öffnen.

In Steinberg Cubase 7 ist der Mischer dunkel gehalten, was dem ganzen eine edle Anmutung verleiht. Über eine handliche Übersichts-Spalte an der linken Seite, lässt sich auswählen, welche Kanäle angezeigt werden und wo sie angezeigt werden sollen. Der weitaus größte Teil der Anzeige aber zeigt die Kanäle selbst.

Im Detail hält der neue Mixer folgende Features bereit:

  • vollständige Skalierbarkeit einzelner Fensterbereiche und der Kanalbreite
  • Symbole für Racks (Send, Insert, EQ, etc.) und Kanalarten (Instrumenten-, Midi-, Gruppenkanäle, etc.) sind nun in Klarschrift dargestellt
  • Kanaleinstellungen als auch VST-Instrumente lassen sich direkt aus dem Mixer aufrufen
  • Layout von Channels und Racks lässt sich in 4 Userbänken speichern
  • Man kann Kanäle 3 verschiedenen Zonen zuordnen.
  • Kanäle lassen sich über die Suchfunktion suchen, ebenso Inserteffekte.
  • Ohne erst einen Effektkanal zu konfigurieren lassen sich Sendeffekte nun direkt aus dem Kanal heraus anlegen.
  • Audio-Effekte A/B Vergleich
  • Globaler Bypass für end, Inserts, EQs oder komplettte Chanel Strips im Mixer-Kanal, sowie globale Mute-, Solo-, und Listenfunktion im Channel.
  • volle Drag & Drop Unterstützung zwischen den Channels der MixConsole.
  • Über Quick Link lassen sich Kanäle koppeln, so dass man Werte übergreifend ändern kann.
  • Neuer, pro-audio-kompatibler Channel Strip
  • Alles gewohnte ist natürlich in der MixConsole vorhanden – man braucht also nicht das Manual zur Hand zu nehmen, oder sich großartig neu einarbeiten. Dafür ist alles hübscher konfiguriert und auf die eigenen Bedürfnisse anpasspar.

    So lassen sich Objekte wie Kanal-Racks, EQ-Kurven, Instrumentenicons, das Notepad oder der Control Room ein-oder ausblenden.

    Oder man kann auch zu einer hübsch langen Meterbridge förmlich visuell baden. Diese ist groß genug, um im gesamten Regieraum gesehen werden zu können.
    Neben den Pegeln visualisiert die überarbeitete Meterbridge nun ebefanlls die Arbeitspunkte des Compressors.

    Auf einem großern Monitor mit mindestens 24″ sieht das natürlich alles wunderbar aus und richtig spektakulär wird es über 30 und mehr Zoll. Ich habe meinen Testrechener mal spaßeshalber an einen 70″ LCD gehängt, da geht richtig die Sonne auf. Zwei davon hätte ich gerne für Cubase 7 🙂

    Aber wie sieht es denn auf dem Laptop aus?

    Auch hier hat Steinberg an die User gedacht, denn die die Ansicht lassst sich stufenlos ein- und auszommen und anpassen, so dass sich auch auf dem Laptop schnell eine passende Ansicht zusammen stellen lässt.

    Jeder MixConsole-Kanal verfügt über ein eingebautes Channel Strip mit zahlreichen EQ- und Dynamikeffekten, darunter Hoch- und Tiefpassfilter, Noise-Gate, 4-Band-Studio-EQ, drei Kompressoren, Spektralanalyse, Brickwall Limiter und Maximizer.

    Der EQ hält weitere Neuerungen bereit: zunächst lässt er sich per Drag&Drop an die gewünschte Stelle der FX-Kette des Strips befördern und weiterhin hat Steinberg ihn nun mit einer Spektralanzeige versehen, So däss Veränderungen direkt in Echtzeit angezeigt werden können. Darüber hinaus bietet er nun unter “Pre” einen Low- und High-Cut Filter und zwar zusätzlich zu den bekannten 4 vollparametrischen Bändern.

    Zudem gibt es ein überarbeitetes Channel-Settings-Fenster sowie eine neue Suchfunktion für Plugins und Channels. Darüber hinaus enthält Steinberg Cubase 7 eine Vollversion von Voxengos 64-Band Spline CurveEQ, eine integrierte Lautheitsmessung nach (neuer) EBU R128-Definition und ein neue Version von MixConvert für Down-Mixe von Mehrkanal- und Surroundproduktionen.
    Der Voxengo Curve EQ kostet nomalerweise schon an die $90 und ist bei Cubase sozusagen als kostenlose Zugabe mit dabei.
    EQ-Matching made easy, sozusagen. Darüber hinaus kann der Voxengo Curve EQ aber mehr als nur EQ-Matching mit seinen 64 Bändern. Im Freeform Mode kann man mit der Maus den gewünschten Frequenzverlauf direkt über der Spektralanalyse einzeichnen. EQ-malen nach Zahlen sozusagen.

    Steinberg hat die Metering Sektion von Cubase 7 komplett überarbeitet und ein Loudness Meter nach dem EBU R 128 Standard implemetiert. Weiterhin kann man im Masterbereich aus 8 verschiedenen Skalen (unter anderem den Bob Katz “K” Skalen K-20, K-14 und K-12) wählen sowie AES17 aktivieren. Auch hier kann man das Meter wieder frei skalieren und auf Wunsch in der Spur verbreitern.

    Der neue Channelstrip sieht sehr nach „richtigem“ Mischpult und sehr „Neve-ig“ aus.

    Oben finden wir ein Noise Gate, gefolgt von der Compressor-Einheit, dem EQ und einem Transienten Shaper.

    Darüber hinaus bekommen wir in dem neuen Channel Strip noch eine Simultaion einer Röhren-Bandsättigung und eine Limiter/Maximizer-Sektion mitgeliefert.

    Darüber hinaus bieten die Kanaleinstellungen nun auch eine Eingangspegel-Anzeige und Routing-Zuweisungen im Schnellzugriff.

    Diese Effekte sind austauschbar. Man kann sie neu anordnen, so wie man möchte, einfach per Drag&Drop. Alle Effekte im Channel klingen sehr gut, auch wenn man die Tape Saturation mit Bedacht einsetzen sollte. Der Effekt reicht weit über das hinaus, was man normalerweise von Bandättigung erwartet und kann durchaus potente Verzerrungen generieren.. Dennoch, er klingt wirklich ziemlich gut und dezent eingesetzt kann man ihn so ziemlich mit jedem musikalischen Ausgangsmaterial verwenden, auch wenn es sich vornehmlich auf Drums oder Bässen gut macht.

    Aber weshalb ist der neue Channel-Strip in Steinberg Cubase 7 nun so eine tolle Sache:
    ganz einfach – weil er funktioniert wie in einem „richtigen“ Mischpult.

    Alles sitzt so, wie man es aus großen Konsolen kennt und folgt einer über Jahrzehnte erprobten tontechnischen Logik. Die MixConsole in Cubase 7 ist nunmehr kein lauer Kompromiss mehr, mit der man irgendwie so tun kann, als ob man auf einem großen Pult mischt, sondern eine ausgewachsene Mischoberfläche mit allen Nettigkeiten, die man gerne mal so im Produktionsprozess gebrauchen kann.

    Hier hat Steinbergs Entwicklungsteam wirklich ganze Arbeit geleistet und genau bestimmt nicht nur meinen Nerv getroffen.

    Zusammenfassend stellt die neue MixConsole ein Arbeitsumfeld für die digitale Musikproduktion dar, dass seinen Vorgängern aus älteren Cubaseversionen wie auch den Mitbewerbern am Markt weit überlegen und um Lichtjahre voraus ist.

    Allein die MixConsole allein würde schon das Update von Cubase 6.5 auf Cubase 7 rechtfertigen.

    Doch damit nicht genug, in der nächsten Folge unserer Testreihe schauen wir uns MixConsole und den Channel Strip in der Praxis an.

    Heiko Wallauer

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