Test: Steinberg Cubase 7 – Fazit

In den vergangenen Wochen habe ich Euch die Neuerungen in Cubase 7 vorgestellt. Wie immer bei solch großen Updates wird sich der wahre Wert erst im Laufe der Zeit zeigen, trotzdem soll nun Zeit für ein Fazit sein.


Steinberg hat mit Cubase 7 einen mutigen Schritt unternommen und mit einigen alten Konventionen gebrochen.
An vorderster Stelle fällt natürlich die MixConsole auf, die es in dieser Detailiertheit bisher noch in keiner anderen DAW gibt. Ein „richtiges“ Mischpult im Rechner – das habe ich mit schon immer gewünscht. Nicht, weil das optische irgendwas am Klang macht, sondern weil ich der Meinung bin, das klassische Mischpulte wie von Neve oder SSL gewissen misch-ergonomischen Grundsätzen folgen, die sich einfach in der Praxis bewährt haben.

Genau dies greift Steinberg in Cubase 7 auf und führt dieses Konzept fort. Bei einem analogen Mischpult weiß ich immer, wo ich hinlangen muss und ich hege die Hoffnung, dass die Erfahrungen, die man aus dem Yamaha Nuage System gewinnt, vielleicht auch Einzug in eine für Heim- und Projektstudios kompatible Variante finden.

Aber nicht nur das Bedienkonzept gefällt mir bei der MixConsole, auch der neue Channel Strip macht mit seinen Modulen einen schlanken Fuß und einen außergewöhnlich guten Sound.
So kann man mit den Bordmitteln in Cubase 7 bereits sehr gut und fein arbeiten, ohne dass man erst mal noch hunderte von Euros in zusätzliche Plugins investieren muss. Für die Aufgaben des täglichen mischens ist man qualititativ mit den Plugin-Spezialisten immer auf Augenhöhe.

Ich habe dies gleich an einem Schlagzeugmix ausprobiert, bei dem ausschließlich die Cubase-Bordmittel benutzt wurden.

Chord Track gefällt mir auch außerordentlich gut. Nicht weil man dadurch kreatives Potential ersetzt, oder weil der Rechner auf ein Mal selbst kompononiert, sondern weil es eine gutes Sammelalbum für Akkordverbindungen ist.
Früher hatte ich für so was Notenblätter und Leitzordner, heute Cuabse 7.
So war es ja auch durchaus nicht verwerflich, sich bei Realbook-Changes zu bedienen -man denke nur mal daran, wieviele Songs auf den Akkordverbindugen von Autumn Leaves basieren. Was also kann schlecht daran sein, den Chord Track als musikalische Gedankenstütze zu nutzen?

In Verbindung mit VariAudio 2 hat man hier ein gutes Kreativtool an der Hand, dass sich für eigene Arrangements bestens nutzen lässt.
Die Arbeit an mehreren Gesangsspuren in einem Plugin-Fenster ist ein richtiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, die VariAudio 2 von den Mitbewerbern absetzt, und auch qualalitativ können sich die Ergebnisse hören lassen.

Zum Abschluss unserer Testreihe bleibt festzuhalten:
Wer mit Cubase 7 neu in Steinbergs DAW investiert, wird auch selbst bei gestiegenen Ansprüchen nicht so schnell das Bedürfnis haben, sich mit Plugins von Drittanbietern versorgen zu müssen. Das war nicht immer so, aber hier hat Steinberg spätestens seit Cubase 5 massiv zugelegt.

Die Updater werden ich natürlich die Frage stellen, ob dies sich lohnt, oder ob man mit Cubase 6 nicht auch noch über die Runden kommt – doch möchte ich hier bemerken, das speziell die beiden neuen Kompressoren mit zu den besten ihres Fachs gehören und sich auch nicht vor den Dynamikspezialisten verstecken müssen.Sie stellen einen wirklichen Mehrwert dar, so dass sich die Updatekosten schon fast wieder relativieren, wenn man hier den Anschaffungspreis ähnlicher Effekte zu Grunde legt.

Das mich der Channel Strip und die MixConsole beeindruckt haben, brauch ich, glaube ich, nicht noch mal zu betonen.

Bei Cubase 7 hat man den Eindruck, dass an markanten Stellen eine gehaltvolle und sinnvolle Weiterentwicklung stattgefunden hat.

Vergleicht man Cubase 7 mit den Marktbegleitern muss man festhalten, dass Steinberg aktuell das beste Komplettpaket bietet, dass sich zwar nicht über Preisverfall in den Markt dumpt, sondern auf konstante Weiterentwicklung und sinnvolle Features setzt.

Vor fünf Jahren war hier noch Logic Studio der Klassenprimus, aber seitdem ist sehr viel Entwicklung in Steinbergs DAW geflossen, während anderswo immer wieder alter Wein in neue Schläuche gefüllt wird.

Allen Umsteigewilligen sei deshalb vielleicht noch gesagt, dass der Zeitpunkt, auf Cubase zu wechseln noch nie so gut war wie jetzt. Cubase 7 hält auch für etablierte Cubase-User genug neues Futter und Möglichkeiten zur Umorientierung parat, so dass man sich als langjähriger Nutzer anderer DAWs nicht ganz so verloren vorkommen muss. Deshalb – let’s go Cubase!

Für mich ist Cubase 7 deshalb eine klare Empfehlung wert!

Heiko Wallauer

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