Test: Soundstudio 3

Eigentlich könnte man denken, das gute alte Zweispurschnittprogramm hätte in Zeiten überbordender DAWs einen schweren Stand, kann man doch mit den großen Programmen wie Logic oder Pro Tools so ziemlich alles erledigen, was in Sachen Audiobearbeitung anfällt. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen vermisst man unter OS X bedarfsgerechte Programme, die schnell und ohne Hürden und Ballast die Bearbeitung von Audio-Files erledigen. Kein Wunder, dass sich Sound Studio 3 von Freeverse zu einem Geheimtipp entwickelt hat.
Sound Studio 3 ist immer dann angesagt, wenn es an die Bearbeitung von Audio-Files geht, wenn Podcasts oder Wortbeiträge zu erstellen sind, oder wenn man einfach seine alten analogen Vinylplatten oder Mixtapes vor dem Verfall retten möchte. Doch Soundstudio kann auch mehr, wie wir noch sehen werden.
Während man auf der Windowsplattform eine geradezu überbordende Auswahl an Schnittprogrammen findet, hier ist man teils mit Freeware bestens bedacht, ist das Angebot unter OS X schon sehr übersichtlich.
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Insstallation & Autorisation Die Software installiere ich mir von einem optischen Medium runter, und ohne zu murren landet dass Programm auf meiner Festplatte. Die Autorisation erfolgt mit einer Seriennummer, die Freischaltung der Software erledigt sich über die Webseite von Application Systems Heidelberg, die den Vertrieb der Software organisieren. Hier gibt es keinen Grund zur Klage und schnell hat man sein Sound Studio startklar.
Interface Geradezu klassisch mutet die Oberfläche von Sound Studio 3 an, man fühlt sich an die Zeiten erinnert, als der Wave-Editor noch zum guten Ton eines jeden Studios gehörte, um z.B. Samples vor dem Mappen aufzubereiten und in Form zu bringen.
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Neben den grundlegenden Bearbeitungsfunktionen wie wie schneiden und kopieren verfügt Sound Studio 3 noch über weitere Editmöglichkeiten wie das Setzen von Fade in und Fade Out, das anpassen der Lautstärke oder die Definition eigener Hüllkurven. Selbstverständlich versteht die Software sich auch auf’s normalisieren von Samples oder Eingriffe in den dynamischen Verlauf des Audiomaterials.
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Darüber hinaus stehen noch einige ausgewachsene Reparaturfunktionen zur Verfügung, die sehr interessant sind. So lässt sich der Gleichstromversatz korrigieren, genauso kann man auch Phasenprobleme wieder zurechtbügeln. Natürlich lassen sich auch rechter und linker Kanal vertauschen, was immer dann von Interessse sein dürfte, wenn beim Mix der rechte Daumen mal nicht links war….oder war das doch anders herum?
Vor allem diejenigen, die ihre Vinyl- oder Tapesammlung archivieren möchten dürfen aufhorchen, Sound Studio 3 kann auch Rauschen, Knackgeräusche und Klicks eliminieren. Gerade diese unschönen Nebengeräusche möchte man in der Regel ja ganz schnell loswerden, wenn man seine alten Mixtapes oder Casttenmitschnitte von Livekonzerten auf Festplatte rettet. Die Reverse-Funktion, also Audiomaterial umzudrehen, ist zwar mittlerweile etwas in die Jahre gekommen und nicht mehr so spektakulär wie zu Anfang der digitalen Audiobearbeitung, trotzdem nutze ich diese Funktion heute immer noch gerne, wenn ich z.B. einzelne Cymbal-Samples effektvoll gestalten möchte.
Selbstverständlich gehört auch eine Auswahl an Equalizern zu einer guten Audiosoftware und auch hier bietet Soundstudio 3 durchaus nützliches. Für einfache Anpassungen gibt es einen dreibandigen EQ, für dezidiertere Eingriffmöglichkeiten sorgt der 10-bandige Kollege. Darüberhinaus stehen noch Hoch- und Tiefpass-Filter in den Startlöchern, die immer dann angesagt sind, wenn man Frequenzen oberhalb oder unterhalb einer bestimmten Grenzfrequenz ausfiltern möchte.
Wie es heute fast schon zum guten Ton gehört kann auch Sound Studio 3 Pitch und Time beeinflussen, also die Tonhöhe oder die Geschwindigkeit anpassen. Modulations- und Verzögerungseffekte dürften für reine Archivierungsfunktionen vielleicht weniger ins Gewicht fallen (so könnte ich es mir nicht vorstellen, meine alten Doors-Vinyls zu digitalisieren um dann im Nachgang noch Flanger, Delay und Reverb drüberzukleistern), wer aber die Software für Samplebearebitung und Sound Design einsetzen möchte, wird hier bestimmt einige kreative Möglichkeiten finden.
A propos Sound Design: Sound Studio 3 kann ebenfalls, quasi aus dem nichts, FM-Modulationen oder Rauschen generieren, auf deren Basis durch Einsatz von Effekten interessante Sounds selbst gestalten lassen.
Alle Besitzer von Audio Unit Plug-ins dürfen sich darüber hinaus freuen, denn diese können über eine entsprechende Schnittstelle in die Software eingebunden werden. Wer also hochwertiges von SPL, Brainworx, Softube oder Flux sein eigen nennt, darf hier aus dem Vollen schöpfen.
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Neben Effektvollem bietet Sound Studio 3 aber auch einige Erleichterungen an, die den Workflow mit der Software richtig rund machen. Da wäre zunächst, dass sich Aufnahmen automatisch starten und stoppen lassen. In Praxis funktioniert dies in Abhängigkeit zum Eingangspegel. Praktisch ist dies immer, wenn man zum Beispiel Sprachaufnahmen macht und sein eigener Sprecher, Produzent und Engineer ist. Wenn man nicht ins Blaue redet, hat man meist den Blick auf dem Script, dazu muss man dann noch mindestens ein halbes Auge auf den Pegel haben. Schön, dass die Software uns den Tape-Operator zumindest für Start und Stop abnimmt.
Wie es sich für ein gutes Edit-Programm gehört, ist auch die Zoomfunktionalität sehr ausgefeilt, so lässt sich bis auf’s einzelne Sample in die Wellenform hineinzoomen, um Edits genau auf den Punkt vornehmen zu können.
Und genauso schnell ist man auch wieder draussen, wenn man den größeren Überblick braucht.
Praxistauglich finde ich, dass sich als Maßeinheiten auch Frames verwenden lassen, was immer dann gut kommt, wenn man Audio-Files und Samples für Film oder TV anpassen muss. Bei Sound Studio 3 lassen sich 24, 25, 30 oder Feet Frames auswählen.
Wer seine Podcasts gerne mit Kaptitelmarken versieht, der wird sich darüber freuen, dass dies auch von Sound Studio 3 unterstützt wird, sofern man sich im AAC-Format bewegt.
Formatseitig gibt sich Sound Studio 3 recht offen und kann neben gängigen Standards wie .wav, .aiff oder .mp3 auch exotisches wie NeXT- und Sun Audio einlesen.
Im Detail bieten lassen sich folgende Formate verarbeiten:
AIFF
WAV
MP3 (hier benötigt man noch den LAME Encoder)
Sound Designer II (das dürfte alle Sample-Enthusiasten freuen)
AAC (einschließlich Kapitelmarken)
ADTS AAC
Apple Lossless
Core Audio Format
AIFF-C Audio
Ogg Vorbis
NeXT- und Sun Audio
Importiert werden ebenfalls Files im Quicktime-Format und System 7 Sound.
Weiterhin wird die Verarbeitung von Meta-Daten unterstützt.
Was aber das absolute Killer-Feature in meinen Augen ist: Sound Studio 3 versteht sich auf die Batch-Verarbeitung von Dateien. Angenommen, man möchte eine Bearbeitung über mehrere Files laufen lassen, so unterstützt Sound Studio 3 vorgefertigte “Monbot”-Arbeitsabläufe, die man auf der Herstellerseite findet genauso wie eigene Apple-Scripts oder Automator-Funktionen.
Fazit: Sound Studio 3 ist ein schnelles, rundes Programm, dass genau das macht, was man erwartet: die Be- und Verarbeitung von Audiomaterial. Durch die Beschränkung aufs Wesentliche und die Konzentration auf relevante Arbeitsabläufe bleibt Sound Studio 3 ein außergewöhnliches Tool, dass sowohl dem ambitionierten Podcaster wie dem Audio-Profi genügend Möglichkeiten an die Hand gibt, Schnitt- und Editieraufgaben schnell und sicher zu erledigen. Gemessen an dem recht günsigen Preis erhält man hier eine Software, die rundherum zufrieden macht und sich unseren Redaktionstipp verdient hat.
Heiko
Preis: 79,99 Euro
Systemanforderungen:
Mac OS X 10.4.11
500MHz G3
500MB HD
512MB RAM
16MB VRAM
Hersteller: Freeverse
Vertrieb: Application Systems Heidelber

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