Test: Sonuus G2M

Test: Sonuus G2M

Als gitarrespielender, produzierender Musiker (die Reihenfolge darf auch gerne vertauscht werden), befindet man sich ja durchaus in einer paradoxen Situation: zum einen hantiert man mit den archaischen Brettern mit sechs Saiten drauf und alter Röhrentechnik, auf der anderen Seite kann und muss man sich die heutige Sampletechnik zu Nutze machen. Test: Sonuus G2M
In meinem Fall sieht das so aus: mein Lieblingsgitarrenmodell ist die Telecaster, eine Gitarre deren Ursprünge irgendwo in den 40er Jahren des letztens Jahrtausends vergraben sind und die seit 1950 mit einigen Varianten, aber immer nach dem bewährten Originalrezept gebaut wird. Auf der anderen Saite gehört Native Instruments Kontakt-Sampler, Reason und Ableton Live mehr oder weniger zu meinem Standardproduktionsbesteck.

Schön, wenn man beides zusammenbringen könnte.

Was bisher eher Traum vieler schlafloser Nächte war verspricht nun der Sonuus G2M, den wir im Test haben.
Nun mag einer sagen „Alles kalter Kaffee“, denn so neu ist die Idee warhlich nicht. Schön ziemlich bald nach der „Erfindung“ des digitalen Synthesizers muss sich auch der Wunsch manifestiert haben, diesen über etwas anderes als die bekannte Klaviatur zu spielen. Roland war hier in den 80ern z.B. bei den Gitarren federführend, auch von Casio gab es hier Ansätze (JJ Cale sah man in der Vergangenheit häufig mit einer Casio 360). Test: Sonuus G2M
Der Nachteil: entweder musste man diese Art Gitarren fertig kaufen, oder vorhandene Instrumente modifizieren. Rolands GK-Lösung verlangt z.B. die Installation eines zusätzichen Pickups und man hat diesen ganzen unschönen Eletronikklotz an der Klampfe hängen.

Der G2M hat den Vorteil, dass er ganz ohne Modifikationen am Instrument auskommt.

Der größte Vorteil ist aber auch die größte Einschränkung des Sonuus Guitar-to-Midi-Converters, denn der funktioniert nur monophon, also für Single Notes und nicht für Akkorde und Mehrklänge.

Das Gerät selbst kommt ein einem Kunststoffgehäuse, dem man zwar den harten Bühnenalltag nicht zumuten möchte, für’s heimische Studio reicht es aber an Substanz.
Auf der Vorderseite finden sich die Eingangsbuchse, hinten haben wir einen fünfpolige Midibuchse und einen Durschliff des Gitarrensignals anliegen, den man z.B. an ein Audio-Interface oder einen Amp schicken kann.
Angebtrieben wird das ganze über eine 9-Volt-Batterie.

Auf der Vordersaite findet sich ein Chromatic-Schalter, mit dem sich die Arbeitsweise des G2M beeinflussen lässt. Normalerweise versucht das G2M Töne korrekt wiederzugeben und macht in der aktuellsten Version auch Pitchbends und Vibratoeinsatz in einem brauchbaren Rahmen mit. Im Chramatic-Mode werden erzeugte Töne aber, ähnlich einer Pitchkorrektur, auf den nächstliegenden Halbton gebracht.

Überhaupt sollte man schauen, das man die V2-Version erwischt, den diese verspricht bis zu 3 mal schenlleres Tracking von Noten. Auch hat nach Internetberichten die erste Version noch Probleme mit Pitchbends und Slides.

In der Praxis eignet sich das G2M natürlich erst mal zum antriggern und spielen von allerlei von Natur aus monophonen Instrumenten, wie der virtuellen Trompete, Saxofon oder Streicher wie Violine oder Celli.
Aber auch der gute alte E-Bass in Samplegestallt lässt sich so spielen.

Interessante Variante: Sample Tank XL enthält ein Soundset eines Chapman-Sticks, ein Instrument, welches getappt gespielt wird. Das funktioniert mit der entsrechenden Spielweise auf der Gitarre sehr gut.

Dann kommen natürlich auch alle Arten von Synthies ins Spiel, sowohl Leads, wie auch flächige Sounds.

In Ableton Live lassen sich so auch Clips abfeuern, in dem man die einfach die per Gitarre generierten Midi-Noten abfeuert.
Gleiches auch in Reason mit Rex-Slices.

Aber natürlich spricht auch nichts dagegen, mit der Gitarre so ein Piano- oder Orgelsolo einzuspielen.

Hier können wir mal Dave Weiner (u.a. Rhythmusgitarrist bei Steve Vai) zuschauen, der die grundlegende Funktionsweise des G2M erklärt.

In der praktischen Anwendung kann man sich über das G2M eigentlich nicht beschweren: mit der Einschränkung, nur einzelne Noten verarbeiten zu können macht es einen ausgezeichnten Job, vorausgesetzt, man ist bereit, sich mitunter spieltechnisch an das Gerät anzupassen.
So macht es teilweise einen Unterschied im Tracking, wie sauber man intoniert oder wo man die Saiten anschlägt. Manchmal kann es auch nützlich sein, die Höhenblende an der Gitarre zu zudrehen.

Schön ist es z.B. auch das Tonabnehmersystem einer Akustikgitarre zu „missbrauchen“ um so z.B. bei Soli, Streichersounds unterzulegen.

Der kreativen Anwendung sind somit eigentlich fast keine Grenzen gesetzt.

Fazit:

Mit einem Verkaufspreis von ca 100 Euro ist das Sonuus G2M vielleicht kein Sonderangebot, auf der anderen Seite gibt man als Gitarrist aber auch gerne mal mehr Geld für noch ein Boutique-Pedal aus, dessen Sound noch ein My näher am echten Stevie Ray Vaughan-Tubescreamer dran sein soll.
Für das einspielen von virtuellen Bläsern und Streichern nehme ich das G2M sehr gerne zur Hand, den in der zweiten Version lassen sich so ausdrucksstark charakteristische Spielweisen z.B. von Saxofon oder Cello interpretieren.
Ich hab eben doch mehr Gefühl auf den Saiten als auf der Pianotastatur.
Über Ansprechzeiten und Latenzen kann ich mich nicht beklagen, und wer gewillt ist, mit dem G2M zu arbeiten, wird bestimmt nicht enttäuscht.

Heiko Wallauer

Hier geht es zur Webseite von Sonuus.

Beim folgenden Video wurde zwar das Sonuus i2M benutzt (dieses arbeitet als Midi- und Audiointerface via USB) ich finde den praktischen Anschauungswert aber sehr hoch, den ähnliches lässt sich auch mit dem G2M relisieren.