Test: Softube Tube-Tech Classic Channel

Softube überzeugt schon seit jeher durch großartige Emulationen der Tube-Tech Gerätschaften und wusste schon mit dem Compressor CL1B und dem EQ PE 1C zu überzeugen. Beide Plugins gehören schon fast zum Standard im virtuellen Channel Strip, und eigentlich vermisste man nur noch eine effiziente Möglichkeit zur Bearbeitung des Mittenbereichs, welche Softube nun mit dem ME 1B nachliefert und somit den Classic Channel komplettiert.

Installation
Wie bei allen Produkten von Softube ist auch beim PE 1C alles ganz einfach: das File kommt von der Softube-Webseite, ist schnell runter geladen und noch schneller installiert.

Autorisation
Wie alle anderen Softube Plugins verwendet der PE 1C-EQ zur Autorisation den iLok als Hardwaredongle, der natürlich nicht zum Lieferumfang gehört. Entsprechenden Key und iLok-Acount vorausgesetzt ist die Lizenz innerhalb weniger Minuten bei Softube beantragt und auf dem iLok-Account gebucht. Jetzt nur noch die Lizenz runter laden und schon steht der ungetrübten Nutzung nichts mehr im Wege.

Interface
Beim Interface des PE 1C hält man sich im Hause Softube ziemlich genau an das Layout des Tube-Techs, alle Regler sind dort, wo man sie bei der Hardware auch findet.
Im Prinzip arbeitet der EQ für den Bass- und Höhenbereich, dazu kommt noch eine regelbare Outputstufe. Das hört sich zunächst mal sehr übersichtlich an, aber die Tücke liegt ja bekanntlich im Detail und auch bei der Funktionsweise des Tube-Tech gibt es einiges zu beachten, was den ganz individuellen Sound des PE 1C ausmacht.

Das Geheimnis des Pultec Designs liegt nämlich darin, dass sich die tiefen Frequenzen sowohl gegeneinander boosten und cutten lassen – und im zweifach regelbaren Höhenbereich.
Die tieffrequente Sektion beinhaltet eine Regelmöglichkeit für den Frequenzbereich, bei dem sich die Grenzfrequenz mit 20 Hz, 30 Hz, 60 Hz und 100 Hz selektieren lässt.

Dazu gibt es in diesem Bereich dann den Boost-Regler der bis zu +14dB boostet und den Atten-Regler, der mit einem Lowshelf-Filter um bis zu -18 dB absenkt.

Beide Filter greifen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Da die beiden Filter aber über unterschiedliche Kennlinien verfügen, ist die resultierende EQ-Kurve nicht einfach die mathematische Summe der Boost- und Atten-Regler, sondern das, was klanglich als der Low End Trick des Pultec Eingang in die Tongeschichte gefunden hat.
Im Höhenspektrum arbeitet der Softube Tube-Tech anders als in den Tiefen. Auffällig ist zunächst in der Boost-Abteilung der Bandwith-Regler, der die Güte des Boost Peak Filters bestimmt, regelbar zwischen Sharp und Broad.

Der Boost-Regler regelt zwischen 0 und +18 dB für Sharp und von 0 bis +10 dB für Broad. Als Frequenzen sind 1 kHz, 1.5 kHz., 2 kHz., 3 kHz., 4 kHz., 5 kHz., 8 kHz, 10 kHz., 12 kHz. und 16 kHz. wählbar.
High Frequency Attentuation bietet “nur” drei wählbare Frequenzen, 5kHz., 10kHz. und 20 kHz., die sich mittels High Shelf Filter um bis zu -18 dB absenken lassen. Um Pegelveränderungen abzufangen bietet der PE 1C eine Outputstufe, die zwischen -10 dB und +10 dB regelt.

Der Sound des Softube Tube-Tech PE 1C ist über die Maßen herausragend, wenn man einen vintage-style EQ benötigt, der dem akustischen Bild sanft die richtigen Farben gibt. Auf Grund seiner Ausrichtung ist der PE 1C natürlich kein EQ, der dramatische Eingriffe vornimmt oder der steile Frequenzüberhöhungen wieder ausbügelt, so wie man das von Notchfiltern kennt. Dafür ist die Flankensteilheit der Filter nicht ausgelegt, und die Eingriffsmöglichkeiten zu beschränkt. Was der PE 1C aber macht, ist ein sanfter, warmer Sound mit herrlich perlender Transparenz. Auch wenn der Name Programm Equalizer erst mal nahelegt, dass der PE 1C für die Anwendung auf der Summensignalen prädestiniert ist, auch auf Bass Drums, Bässen, oder akustisch sensiblem wie Vocals oder Streichern weiß der Softube Tube-Tech PE 1C zu gefallen.

Der ME 1B schließt die Frequenlücke des PE 1C praktisch aus der Mitte heraus. Ganz vitnage-stale arbeitet er mit Peak- und Dip-Filtern, erstere verstärken die Frequenzbereich 200 Hz, 300 Hz, 500 Hz, 700 Hz 1,5 kHz 2 kHz, 3 kHz, 4 kHz, 5 kHz während der Mid Dipp Frequenzen zwischen 200 Hz und 7 KHz absenkt. Schlussendlich haben wir noch die Möglichkeit, den Ausgangspegl zwischen -10 dB und + 10 dB anzupassen.

Beim Compressor gilt wieder:

Wie immer bei Softube versucht man, beim Plugin-Interface dem Original möglichst nahe zu kommen. Schon die Hardware zeichnet sich durch großzügiges Design mit massiven Reglern und VU-Meter aus, und das hat man auch in der Plug-in GUI nachgebaut.

Die Bedienelemente sind in zwei Reihen organisiert, oben finden sich Gain, Ratio, Treshold und ein Regler, der die Anzeige des VU-Meters umschaltet.

Unten finden sich die Regler für Attack und Release sowie die Wahlschalter für Attack/Release und den Sidechain Bus Select.

Der Gain-Regler gleicht den Pegelverlust aus, der durch die Kompression entsteht und arbeitet zwischen “off” und +30dB. Wichtig zu wissen, dass dieser hinter der Gain Reduction liegt und somit keinen Einfluss auf den Treshold-Regler hat, der zwischen +20dB und -40dB arbeitet. Die Ratiowerte des CL 1B lassen sich zwischen 2:1 und 10:1 wählen, was für mich praxistaugliche Werte für das Einsatzgebiet des Compressors darstellen. Das virtuelle VU-Meter ist schaltbar zwischen Input, Output und Compression. Als Referenzpunkt für 0 VU wählt man -18dBfS. Das heißt: Lege ich einen Pegel von -18dBfs am Plugin an, sehe ich einen Eingangspegel von 0VU. Gleiches gilt für den Ausgang: 0VU resultieren in einem Ausgangspegel von -18dBfs.
Der Attackparameter arbeitet zwischen 0,5ms und 300ms, während sich Releasezeiten zwischen 0.05 und 10 Sekunden einstellen lassen. Zusätzlich zu manuell einstellbarem Attack und Release kann man auch einen Fixed Mode wählen, bei dem der Attack auf eine Millisekunde und der Release auf 50 Millisekunden gesetzt wird. Darüber hinaus bietet der Tube-Tech CL 1B auch einen fixed/manual Mode, bei dem die Attackzeit auf kurze 0.5 ms gesetzt wird, die Releasezeit aber in Abhängigkeit zum Inputsignal steht. Dieser Modus eignet sich bestens für Programmmaterial, wenn man das Plugin also auf kompletten Mixen anwenden möchte.
Der Sidechain Bus lässt sich hier zwischen intern und extern umschalten, das externe Signal lässt sich, zum Beispiel bei Logic 9, in der Plugin GUI oben auswählen.
Wie auch schon beim Dyna-mite unterstützt das Tube-Tech Plugin Mouse Wheel Control. Das heißt: Es genügt mit der Maus über den jeweiligen Parameter zu fahren, den man einstellen möchte, das Feintuning nimmt man dann mit dem Mausrad vor.

In dem folgenden Video seht Ihr, wie sich einzelne Drumtracks mit dem Classic Channel bearbeiten lassen. Außer dem Softube-Plugin kamen keine weiteren Signalprozessoren zum Einsatz.

Fazit
Alle drei Plug-ins liefern einen warmen Grundsound, der sich sehr an der Vintagerichtung orientiert. Die Kombination aus den beiden EQS und dem Conpressor kann man nur als gelungen bezeichnen, alle drei Plug-ins können auf ganzer Linie überzeugen, wobei es hier eher um einen runden Gesamtsound geht als um drastische Klangverformung, denn auch in Extremeinstellungen klingen die Softube Plugins noch extrem rund und natürlich.

Heiko

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