Test: Resolume Avenue 3

Mit Resolume 3 Avenue kommen nun auch Mac-User in den Genuss einer Software für Live-Visuals und VJing, die ihre Wurzeln zunächst in der Windowswelt hatte. Dabei ist die Portierung auf den Mac so einzigartig gut gelungen, dass ich mir die Software in einem ausführlichen Test anschauen möchte.
Vorher exklusiv unter Windows erhältlich haben die Entwickler es nun möglich gemacht, Resolume in der 3er-Version nun auch unter Mac OS X zu nutzen. Der große Unterschied zu ähnlich gelagerter Software ist, das Resolume 3 Avenue dem Audio aus dem Begriff Audio Visual ein sehr großes Gewicht einräumt.
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Die Installation der Software erledigt sich fast im Alleingang, einfach und unauffällig. Dazu lädt man einfach das entsprechende Image auf der Webseite des Herstellers runter und lässt den Installer laufen. Dann einfach beim ersten Start die Seriennummer eingeben, und schon ist man startklar.
Wer zunächst schauen möchte, ob Resolume 3 Avenue die richtige Software für die geneigten Ansprüche ist, kann ganz normal das Programm laden und als Demoversion mit vollem Funktionsumfang nutzen. Bis zur Eingabe einer Seriennummer erscheint nur ab und an das Resolume-Logo im Videosignal, und eine synthetische Stimme mischt sich mit in den Audio-Ausgang, die den User daran erinnert welche Software er gerade benutzt.
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Resolume 3 Avenue arbeitet layerbasiert und bietet im Default-Setup zunächst 3 Layer mit 10 Columns, in denen sich Clips ablegen lassen.
Eine Composition in Resolume 3 bezeichnet ein komplettes Setup bestehend aus Layern, Clips und den zugeordneten Effekten, wobei Effekte sich sowohl auf Composition, Layer oder einzelne Clips beziehen können.
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Klickt man auf einen Clip in einem Column, so fängt dieser an zu spielen. Wie sich die Clips bei der Wiedergabe verhalten, lässt sich vom VJ weitestgehend festlegen. Man kann die Clips entweder im Loop abspielen oder nur einen Durchgang zulassen. Interessant ist auf jeden Fall auch der Bounce-Modus, bei dem der Clip vorwärts und dann rückwärts wiedergegeben wird, wodurch sich teils interessante Effekte generieren lassen. Im Auge sollte man dabei behalten, dass auch den Clips zugehörige Audio-Files rückwärts wiedergegeben werden.Auch der Random-Modus führt teils zu erstaunlichen Ergebnissen.
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Ebenfalls ins Auge stechen die 3 Slider, die sich links neben den Columns in jedem Layer finden, und die mit A, AV und V bezeichnet sind. Hier liegt im Grunde der Schlüssel zum mischen in Resolume 3, denn man kann es sich denken, A steht für Audio, AV für Audio & Video und V für für Video. Im Live-Einsatz bedeutet dies, das sich für jeden Clip Audio- und Videoinhalt getrennt voneinander mischen lassen, so dass man nicht nur die Videosignale zueinander ins Verhältnis setzen kann, sondern auch den Audio-Inhalt der Clips. Spätestens hier wird dann auch schon deutlich, dass Resolume 3 Avenue die Grenzen zwischen VJing und DJing gekonnt verwischt. Natürlich ist es auch möglich, Audio und Video getrennt voneinander zu verwalten, so dass man durchaus ein Audio-File einfach per drag & drop in einem Column ablegen kann, ohne die Inhalte rendern zu müssen. Dabei ist Resolume 3 so intelligent, dass es die Geschwindigkeit von Videofiles auf die Audiogeschwindigkeit anpassen kann. Das ganze läuft recht flexibel und erinnert in der Anwendung zum Beispiel an das Warp-Feature in Ableton Live oder Flex Time in Logic 9.
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Welches Raster man zu Grunde legt, lässt sich bestimmen, zu Auswahl stehen zunächst Timeline, hier lkann man den Pitchwert definieren, oder BPM Sync, hier kann man BPM oder das Beatraster einstellen. Die Pitch Shifting-Algorithmen aus Resolume 3 Avenue können durchaus auch mit Audiospezialisten mithalten und sind qualitativ sehr hochwertig, natürlich in Abhängigkeit von der Qualität des Ausgangsmaterials.
Ebenfalls eine Spezialität in Resolume 3 ist der BeatLoopr, der es im BPM-Modus erlaubt, bestimmte Taktteile zu loopen, was zu teils erstaunlichen Effekten führt. Das ganze passiert quasi on the fly und lässt sich während der Performance zu- und wieder abschalten.
Für jeden Clip werden detaillierte Informationen angezeigt, angefangen bei Länge, Auflösung und Framerate. Über vier Buttons lassen sich Farb- und Alphakanal weg- und zuschalten. Audiomäßig sieht man Länge und Samplerate.
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Für jedes Layer lassen sich in den Layer Properties weitreichende Einstellungen vornehmen: Volume und Pan regeln dabei den Audiobereich, Mask, Blend Mode und Opacity regeln das Verhalten, während Position, Rotate und Anchor in der X-, Y- und Z-Dimension arbeitet und die Position definiert. Den Layern lässt sich jeweils ein A- oder B-Kanal zuordnen, zwischen denen sich dann via Crossfader überblenden lässt.
Wie man es von einer richtigen Visuals-Software erwartet, lassen sich Clips und Funktionen auch in Resolume 3 per Mapping-Feature Tasten oder Midikommandos zuordnen. Egal also ob man Resolume 3 über Tastatur oder Midikeyboard steuern möchte, die Software zeigt sich empfangsfreudig. Denkbar ist z.B. auch Resolume 3 aus einem Drumcomputer oder Sequenzer über Midi Clock zu steuern. Um das Bild abzurunden unterstützt die Software ebenfalls Open Sound Control, kurz OSC genannt, ein Protokoll, welches zunehmend bei MAX/MSP- und NI Reaktor-Usern populärer wird.
Clips lassen sich entweder per drag & drop in Resolume 3 importieren, komfortabler lässt sich aber mit dem eigenen Resolume-Browser arbeiten.
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Der Resolume Browser kann zwei Pfade verwalten, zwischen denen sich mit A und B hin- und herschalten lässt, ebenfalls kann der Browser Thumbnails zur Vorschau anzeigen.
Resolume 3 setzt bevorzugt auf den DXV Codec, mit dem die Software GPU-basiert am schnellsten klarkommt.
Das Triggern der Clips kann in verschiedenen Richtungen erfolgen: Beat Snap bietet sich immer dann an, wenn man beatbasiert mit Musik arbeitet, man kann dann festlegen, wieviel Pre-Roll der Clip bekommt, bevor er loslegt. Auf Wunsch lässt sich Beat Snap aber auch abschalten.
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Ebenfalls sehr intelligent gelöst ist das Feature, das sich über die QWERTY-Tasten Cue-Punkte setzen lassen, die sich dann durch Druck der entsprechenden Tasten wieder aufrufen lassen. Dies funktioniert sowohl online wie offline. Ich kann also während einer Performance einfach Cue-Punkte einhämmern, möchte ich es aber ganz genau haben, dann fahre ich im Vorfeld mit den Transport Controls zu der richtigen Stelle, setze den Cue-Punkt und kann diesen dann während der Live-Darbietung gezielt wieder aufrufen.
Jede Composition, Clip oder Layer lässt sich sowohl auf Video- wie auch auf Audioebene mit Effekten bearbeiten, aufhübschen oder aber auch bis zur Unkenntlichkeit verfremden.
Im Audiobereich bedient man sich dem VST-Standard, standardmäßig liefert die Software hier schon mal Bitcrusher, Distortion, EQ, Flanger sowie High-Pass- und Low-Pass-Filter.
Videoseitig bedient Resolume 3 den Freeframe 1.5 Standard und die Auswahl an Videoeffekten ist sehr reichhaltig, so dass die pure Aufzählung der einzelnen Plug-ins hier schon den Rahmen sprengen würde.
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Mit Resolume 3 kann man Videocontent in fast jeder jeder gewohnten und gewünschten Form verfremden und manipulieren. Die Videoeffekte sind parameterseitig sehr differenziert einzustellen, so dass hier schon sehr viele Wünsche erfüllt werden. Einige Videoeffekte lassen sich auch automatisieren oder sogar zum Audiosignal syncen. Über die klassische Frequenzstaffelung Low, Mid und High kann man so recht gezielt z.B. eine Kickdrum als FX-Trigger verwenden.
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Über das Dashboard lassen sich Effektparameter auf Controller routen, ähnliches kennt man z.B. aus Ableton Live oder den dem Yellow Tools Independence Sampler.
Über das Sources-Feature lässt sich neuer Content schnell und on the fly generieren, im Grunde verhält es sich wie ein Effekt, der geladen wird. Hier ist man auch richtig, wenn man zum Beispiel Feeds von angeschlossenen Videokameras mit einbinden möchte.
Natürlich möchte man mit einer VJ-Software nicht nur die Arbeitsoberfläche sehen, der Output muss auch auf einen irgendwie gearteten Projektor oder Screen. Mittlerweile gibt es ja einige Optionen, die auch am Mac ganz unterschiedliche Output-Konfigurationen zulassen, weshalb sich Resolume 3 in dieser Richtung sehr offen gibt.
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Die Output-Zuweisungen lassen sich unter dem entsprechenden Menü-Eintrag weitestgehend benutzerdefiniert vornehmen, so dass man hier immer ein optimales Ergebnis erzielen kann.
Der generierte Output lässt sich natürlich auch aufzeichnen, so dass man auch im Nachgang auf seine gerenderten Compositions zugreifen kann. Der Einfachheit halber legt Resolume 3 per default einen Ordner im Dokumente-Ordner an, in dem die gerenderten Files gespeichert werden.
Fazit:
Resolume 3 Avenue weiß auf ganzer Linie zu überzeugen, es strotzt nur so vor Features‘n Functions. Dabei bleibt die Bedienung aber übersichtlich, transparent und intuitiv, so dass man nicht stundenlang mit der Einarbeitung in die Software verbringen muss. Dabei verwischt Resolume 3 Avenue gekonnt die Grenzen zwischen VJ, Audio und Visuals, die Software ist weitaus mehr als lediglich eine Clip-Schubse. Allein die Effekte, die man mit dem Programm generieren kann sind einzigartig und hochwertig, so dass sich Resolume 3 Avenue auch weithin als Kreativtool einsetzen lässt. Die Software ist so aufgebaut, dass man entweder schon mit den Grundeinstellungen arbeiten kann, gleichsam lässt sich die Bedienung und das Verhalten des Programms sehr stark an die eigenen Anforderungen anpassen. Resolume 3 Avenue lief im Test stabil und ohne Aussetzer, auch extreme Settings, z.B. beim hoch- und runterpitchen von Clips schaffte die Software sauber und ohne Stottern und ohne drehenden SAT1-Ball. Damit beweist Resolume 3 Avenue ausgezeichnete Live-Qualitäten und erfüllt alle Erwartungen, die man an eine Visual-Software haben kann. Dafür gibt es dann auch von mir den Apfelwahn Redaktionstipp!
Heiko Wallauer
Systemanforderungen (Herstellerangaben):
Mac mit Intel Processor
Quartz Extreme Grafikkarte
(Resolume Avenue ist nicht kompatibel mit integrierten Intel-Grafikprozessoren)
1GB RAM
Preis: 299€
http://www.resolume.co

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