Test: Native Instruments Vari Comp

Native Instruments präsentiert mit der Premium Tube Series eine neue Effektreihe, die den Compressor Vari Como und die beiden Equalizer Passive EQ und Enhanced EQ enthält, die sich alle in die Reihe der KOMPLETE-Effekte gesellen. Die drei Effekte sind entweder einzeln oder im Bundle erhältlich. Beginnen wollen wir unsere kleine Testreihe mit dem Native Instruments Vari Comp, dem Dynamik-Tool des Bundles. Wie sich der Compressor in der Praxis schlägt, soll der folgende Test zeigen.


Entwickelt wurde der Vari Comp, wie auch der Passive EQ und der Enhanced EQ in Zusammenarbeit mit den Spezialisten von Softube, die in der Vergangenheit bereits mit einer Reihe von eigenen Plug-ins punkten konnten, aber z.b auch schon mit Ableton zusammen an dem Verstärkersimulationsplugin Amp gearbeitet haben.

Installation und Authorisation
Der Download ist mit wenigen MB ziemlich kompakt und schnell erledigt, das Plugin läuft plattformübergreifend unter OS X und Windows als Audio Unit, VST, RTAS und AAX unter jedem zur Verfügung stehenden Plugin-Host.
Autorisiert wird wieder über das NI Service Center, dazu startet man das Plugin in der DAW und klickt dann den Activate Button. Automatisch öffnet sich (Internetzugang vorausgesetzt) das NI Service Center und nach Eingabe der Seriennummer ist man schon fürs schon bereit.

Interface
Das Interface des Vari Comps zeigt sich sehr aufgeräumt, übersichtlich und klar strukturiert.

Ganz links regelt man den Eingagspegel, danach folgt die Ausgangsstufe sowie der Regler für den Treshold. Mit dem Dry-Regler hat man die Möglichkeit, dem komprimierten Signal einen Anteil an unbearbeitetem Signal beizumischen.

Detector HP aktiviert einen Hochpassfilter in der Detektorstufe. Dies macht den Kompressor weniger empfindlich gegenüber niedrigen Frequenzen, wodurch sich ungewünschtes Pumpen verhindern lässt. Das Filter arbeitet mit einer Grenzfrequenz von etwa 100 Hz, Frequenzen unterhalb dieses Wertes werden ca. -6 dB pro Oktave abgeschwächt. Wichtig zu wissen: der Hochpassfilter wirkt nicht auf das Signal, das durch den Kompressor bearbeitet wird sondern lediglich auf die zu analysierenden Signale.

Attack steuert die Zeit in welcher die Gain Reduction des Compressors die volle Wirkung zu erreicht, nachdem das Signal den Treshold überschreitet.

Recovery arbeitet analog zur Releasefunktion herkömmlicher Compressoren und regelt die Zeit, die benötigt wird um den Native Instruments Vari Comp zurückzuregeln, sobald der Pegel unter den Treshold fällt.

Für Attack und Recovery fehlen Zeitangaben, der Compressor ist bei beiden Parametern lediglich mit Fast und Slow beschriftet. Denkt man zunächst. Richtig ist, wie auch für alle anderen Paramter des Native Instruments Vari Comp: Sobald man den Mauszeiger über ein Poti bewegt, wechselt die Beschriftung von der Bezeichnung auf den eingestellten Wert.
Sehr schön und geschmackvoll, bleibt doch so die GUI übersichtlich.

Als weiterem Edelfeature ist der Native Instruments Vari Comp mit einem Side Chain Input ausgestattet, der sich nicht nur zu- und abschalten lässt, sondern dessen Pegel ebenfalls über SC Gain regelbar ist.

Rechts sehen wir ein ausgezeichnetes VU-Meter, das die Pegelverhältnisse visualisiert, wie auch einen kleinen Schalter der zwischen Compressor und Limiter schaltet. Der Native Instruments Vari Comp ist also doppelt einsetzbar, sowohl als Compressor wie auch als Limiter.

Praxis
Eigentlich hat der Native Instruments Vari Comp alle relevanten Features an Bord, jedoch fehlt eine Regelung für die Ratiowerte. Dies macht der Native Instruments Vari Comp nämlich abhängig vom Treshold und dem Eingangspegel.
Die Ratio-Werte liegen bei ca. 1,5:1 mit einer weichen Compressor-Kennlinie. Erhöht man den Eingangspegel, kommen wir in Ratiobereiche von 8:1, wobei der Zerranteile merklich zunehmen.

Im Limiter-Mode liegen die Ratiowerte bei 12:1 und höher, ebenfalls sieht die Kennlinie um einiges steiler aus, schon kurz nach überschreiten des Tresholdpegels arbeitet der Native Instruments Vari Comp mit voller Leistung.

Soundbeispiele
Starten wir mit einer unebarbeiten Bass Drum.
[audio:https://www.cityguidefordogs.de/wp-content/uploads/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-1-Bass-Drum-unbearbeitet1.mp3|titles=Native Instruments Vari Comp Bsp 1 Bass Drum unbearbeitet]

Hier erhöhen wir den Eingangspegel um +6 dB, der Threshold liegt Bereich von -8,3, Attack und Recovery arbeiten mit Werten im Brereich „Fast“.
[audio:http://straycatstrat.alpendeich.de/files/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-2-Bass-Drum-+6-dB-Input-TH-23-dB-Fast-Fast.mp3|titles=Native Instruments Vari Comp Bsp 2 Bass Drum +6 dB Input TH -23 dB Fast Fast]

Wir erhöhen den Eingangspegel weiter auf ca + 10dB, der Treshold nähert sich 0dB und Attack und Recovery arbeiten weiterhin „fast“.
[audio:http://straycatstrat.alpendeich.de/files/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-3-Bass-Drum-+10-dB-Input-TH-4dB-dB-Fast-Fast.mp3|titles=Native Instruments Vari Comp Bsp 3 Bass Drum +10 dB Input TH -4dB dB Fast Fast]

Hier mal die Bass-Drum „mit allem was geht“. Um drastischere Sounds zu bekommen, lasse ich den Vari Comp im Limiter Modus arbeiten.
[audio:http://straycatstrat.alpendeich.de/files/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-4-Bass-Drum-+17-dB-Input-TH-03dB-dB-Fast-Fast.mp3]

Als nächstes hören wir uns den Vari Comp als Compressor für den Drum-Buss an. Zunächst das noch unbearbeitete Drumset.
[audio:https://www.cityguidefordogs.de/wp-content/uploads/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-5-Drums-unebarbeitet.mp3]

In dem wir den Eingangspegel anheben, den Treshold so setzten, er nichtn zu früh greift und mit mittleren Werten für Attack und Recovery arbeiten, erreichen wir ein leichtes ankompriemieren des Sets.
[audio:http://straycatstrat.alpendeich.de/files/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-6-Drumbus-+17dB-TH-0dB-Medium-fast2.mp3]

Mit höheren Werten und der Limiter-Stellung erreichen wir eine leichte Übersteuerung.
[audio:https://www.straycatstrat.de/wp-content/uploads/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-7-Drumbus-driven.mp3|titles=Native Instruments Vari Comp Bsp 7 Drumbus driven]

Mit extremeren Settings nimmt der Drive-Faktor zu.
[audio:https://www.straycatstrat.de/wp-content/uploads/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-7-Drumbus-driven.mp3]

Hier kommt nun das Dry/Wet-Feature des Vari Comp gelegen, kann man mit diesem doch einen Anteil unbearbeitetes Signal zumischen und erhält so das Beste aus beiden Soundwelten.
[audio:https://www.cityguidefordogs.de/wp-content/uploads/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-8-Drumbus-driven-Dry_Wet.mp3|titles=Native Instruments Vari Comp Bsp 8 Drumbus driven Dry_Wet]

Hören wir un s nun einen noch unbearbeiteten, geslappten Bass an.
[audio:https://www.cityguidefordogs.de/wp-content/uploads/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-9Slap-BAss-unbearbeitet.mp3]

Mit mittleren Werten arbeitet man die Klangphase hinter dem Auftreffen des Daumens auf die Saiten heraus. So lassen sich z.B. schön Offbeat-Elemente eines Slapgrooves nach vorne stellen.
[audio:https://www.straycatstrat.de/wp-content/uploads/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-10Slap-Bass-Medium.mp3]

Der Native Instruments Vari Comp arbeitet aber auch so schnell, dass er ohne Probleme den fixen Daumen mitnehmen kann.[audio:https://www.straycatstrat.de/wp-content/uploads/2012/09/Native-Instruments-Vari-Comp-Bsp-11Slap-Bass-Fast-1.mp3|titles=Native Instruments Vari Comp Bsp 11Slap Bass Fast]

Fazit
Mit dem Native Instruments Vari Comp haben Ni in Zusammenarbeit mit Softube ein kleines, feines Dynamiktool geschaffen, welches sich multifunktional einsetzten lässt und edel klingt, auch wenn man den Compressor in extremere Bereiche fährt. Die Bedienung ist einsichtig und leicht zu druchschauen, wenn man sich an einige Konventionen gewöhnt hat und die grundlegende Arbeitsweise des Native Instruments Vari Comp verinnerlicht und begriffen hat. Egal ob man den Native Instruments Vari Comp auf Einzelspuren, Bussen (z.B. Schlagzeug), für Vocals oder als Masteringveredler einsetzt, mit Sicherheit kann der Compressor punkten. Mit seiner Compressor/Limiter-Schaltung kann er verschiedenste Anwendungsbereiche bedienen und wird somit zu einer heißen Empfehlung für die kommende herbstlich/winterliche Recordind-Saison. Bei einem Verkaufspreis von 99 Euro einzeln oder 199 Euro im Bundle brauch man eigentlich auch nicht weiter über den Erwerb nachzudenken.

Heiko Wallauer

Systemanforderungen:
KOMPLETE Effekt
Jeder Host / DAW als Plug-In in den Formaten AU, VST, RTAS, AAX.
Mac OS X 10.6 or 10.7 (neuestes Update), Intel Core Duo, 2 GB RAM
Windows 7 (neuestes Service Pack, 32/64 Bit), Intel Core Duo oder AMD Athlon 64 X2, 2 GB RAM

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