Test: Native Instruments The Mouth

Native Instruments Kore- und Kontakt-Player haben sich schon länger am Markt etabliert und Standards gesetzt. Denn das Konzept beider Plattformen ist so einfach wie genial: Statt dem User immer gleich Sounds in inflationärem Umfang anzubieten, liefert  man kleinere, auf spezielle Wünsche zugeschnittene Pakete zu einem relativ günstigen Kurs aus. Basierend auf diesem Erfolg schickt man mit dem Reaktor Player nun die nächste Plattform ins Rennen. Als Reaktor Instrument wollen wir uns heute das ungewöhnliche The Mouth näher anschauen.

Denn auch wenn man es manchmal zu vergessen scheint, aber bevor alle Softwaresampler – und synthesizer der Welt programmiert wurden, war die menschliche Stimme eine der ursprünglichsten musikalischen Ausdrucksformen.  Und genau hier setzt The Mouth an, bietet es doch eindrucksvolle Effekte, die speziell auf die Stimme zugeschnitten sind, die sich aber auch auf jedwedes andere musikalische Material anwenden lassen, bis hin zu Loops und Beats. Performance Instrumente nennt sich so was, was im Grunde auch den Kern von The Mouth recht gute umschreibt. Denn man hat doch den meisten Spaß damit, wenn man einfach loslegt und The Mouth mit Audio-Material füttert, und sich anhört, wie das Plug-in Audio im Reaktor beschleunigt. Somit wird The Mouth sowohl zum (Voice)-Synthesizer, wie auch zur guten Wahl für alle abgedrehten Effekte.
Getestet habe ich The Mouth mit dem Reaktor Player unter Mac OS X 10.5.8, Hosts waren Logic 9 und Ableton Live 8.

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Installation und Autorisation
The Mouth braucht entweder Reaktor 5 in der Vollversion oder eben den neuen Reaktor Player, den man kostenlos bei Native Instruments bekommt. Hat man sich eines dieser beiden Programme installiert, kann man mit der Installation von The Mouth loslegen. Das Programm gibt es auf der Website zum Download, das Mac-Image ist mit 4,3 MB herrlich schmal und schnell runter geladen. Ein Installer führt uns durch die notwendigen Schritte der Installation. Die Autorisation passiert wie immer über das Service Center von Native Instruments. 

Interface
Recht poppig gestaltet sich dieses mal die GUI von The Mouth. Bei Reaktorsounds denke ich ja meist eher an analytisch/chaotische Klangwelten, deren Bedienung eher wissenschaftlich vonstatten geht, aber The Mouth geht da in eine andere Richtung.

Schrauben und schieben ist bei The Mouth angesagt, denn die GUI wird dominiert von den acht Performance Controls, die  von den fünf Mixer-Slidern ergänzt werden.
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Die Performance Regler teilen sich in Brightness, Resonance, Thickness, Harmony, Attack, Sustain, Release, und den Nonsens-Regler. Brightness regelt dabei den Frequenzdurchlass des Filters. Mit Resonance lässt sich einstellen, wie stark der Filter angeregt wird, während Thickness die Stereobreite des Effektsignals beeinflusst. Ganz links sind wir Mono, während auf Rechtsanschlag der Korrelationsgradmesser schon mal in rote Gefilde abtauchen kann. Harmony vergrößert oder verkleinert den tonalen Abstand zwischen den Intervallen. Attack, Sustain und Release regeln genau diese typischen Parameter, genauso wie man sie von jedem guten Synthie oder Sampler kennt.
Nonsens hingegen ist der Schmutz-Parameter, der den Klängen unvorhergesehene Bestandteile hinzufügt und das Ergebnis auch bis zu einem gewissen Grad wenig vorhersehbar macht. Neben den Performance Reglern findet man den Mixer der die Signale Input, Synth, Voc, Bass und FX verwaltet.
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Um die Möglichkeiten der Soundgestaltung zu erweitern, finden wir unter jedem Fader jeweils noch einen Button, der uns weitere Möglichkeiten der klanglichen Gestaltung in einem für jeden Parameter eigenen Kontextmenü zeigt, welches unterschiedliche Presets anbietet. Input, Synth und Voc können jeweils 16 Presets verwalten, während Bass sich mit vier Varianten begnügt. Zu jeder Kategorie werden jeweils passende Controls bereit gestellt, welche den Sound weitergehend beeinflussen.
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The Mouth arbeitet in zwei unterschiedlichen Modi, Pitch und Beats. Beim Pitch Mode läuft das Processing über das Eingangssignal, während im Beats Mode die Transienten unterschiedliche Klänge triggern. Mit dem Treshold-Slider lässt sich das Regelverhalten von The Mouth einjustieren, wie eben das Plug-in auf unterschiedliche Eingangspegel reagiert.
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Ausserdem finden wir ein kleines Notensymbol in dieser Leiste, den Harmony Button, welcher zwischen der Harmony Page und den Performance Buttons hin und her schaltet. Die Harmony Page bietet Einstellmöglichkeiten wie Detune, Hold, Retrig und Repeat. Im Beat Mode werden die letzten drei Parameter durch den Range Slider ersetzt.
Der Harmony Synth lässt sich mit unterschiedlichen Werten füttern, angefangen beim Unison-Modus, über 2 Voice (Interval, Free, Interval Up oder Interval Down), 4 Voice (Interval 1, Interval 1 Free, Interval 1 Down, Interval 2, Interval 2 Up, Interval 2 Down, Interval 2 Free) oder Poly (Interval 2, Interval 2 Up, Interval 2 Down, Free).
Der Vocoder lässt sich in Interval, Octave, Interval Up, Interval Down oder Free einstellen. Über die Keyboard-Sektion erhält man Zugang zu dem Bereich, in dem man die Skala für die Pitchverschiebung/Correction festlegt.
The Mouth lässt sich auch über MIDI-Daten ansprechen, die genaue Vorgehensweise unterscheidet sich aber von DAW zu DAW.
Unter Logic wählt man The Mouth als AU MIDI-Controlled Effect aus und führt das Audiomaterial über den Sidechain-Eingang zu. In Ableton legt man sich einen neuen Midi-Track an und wählt von dort Reaktorkanal, in dem The Mouth läuft, als Ziel.

Fazit
In Logic konnte ich noch einige kleine Hänger feststellen. So funktionierte die Umschaltung zwischen den Preset-Pages nicht immer einwandfrei. Leider lässt sich das Problem auch nicht immer reproduzieren, insofern möchte ich dem Problem eine nicht all zu große Bedeutung zumessen.

The Mouth finde ich einen sehr ungewöhnlichen Effekt, den man so genau gar nicht einordnen kann. VST-i? Multi-Effekt? Voice-Syntthesizer? Egal, The Mouth macht ziemlich Laune und ist für Musiker, die sich für ungewöhnliche Sounds begeistern können. Einschränkungen in der Anwendbarkeit gibt es eigentlich keine, neben Vocals und Drums funktionieren alle möglichen Audio-Inputs, auch Bässe oder Gitarren funktionieren sehr gut. The Mouth ist kein supercleaner Effekt, um Gesang Popstarsmäßig aufzupolieren, sondern klingt sehr rotzig und dreckig, ist also keine Alternative zu Melodyne oder ähnlichen Plug-ins. Für den Preis von 69 Euro kriegt man mit The Mouth auf jeden Fall eine Menge Spass geliefert.
Heiko Wallauer
Systemanforderungen

  • The Mouth verlangt entweder nach einem Mac- oder Windows-Rechner auf dem Reaktor 5.5 oder der Reaktor-Player läuft.

Preis

  • 69 Euro

Hersteller

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