Test: Native Instruments Funk Guitarist

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Mit dem Scarbee Funk Guitarist veröffentlicht Native Instruments ein neues Plug-in aus der Reihe der Komplete Instruments, das sich der typischen, knackigen Funk Gitarre widmet. Eigentlich kann ich mit Plug-ins, die so tun, als wären sie Gitarren nicht wirklich gut. Schließlich spiele ich selbst Gitarre, und was ich nicht spielen kann, dass kann bestimmt jemand aus meinem Bekanntenkreis. Internet, Dropbox und Soundcloud sei dank ist der Austausch von Files nicht mehr wirklich problematisch. Trotzdem, der Name Thomas Skarbye ließ mich aufhorchen, gehen auf sein Konto doch schon Plug-ins wie die Vintage Pianos oder die Scarbee Bässe Pre-Bass, Jay-Bass und MM-Bass. Der Mann hat mit Sicherheit den Funk in den Fingern, und so verspricht dann auch der Funk Guitarist ein Highlight zu werden.

Installation und Autorisation
Den Download bekommt man von Native Instruments. Für die Mac-Version werden 8 GB an komprimierten Daten fällig. Nach der Installation startet man entweder Kontakt oder einen der passenden Player: Um das Instrument zu aktiveren betätigt man den Activate-Button und schon kommt das NI Service Center hoch. Hier lässt sich mit gültiger Seriennummer das Komplete Instrument autorisieren. Einfach wie immer.
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Interface
Native Instruments verwöhnt das Auge des Musikers mit einer stilsicheren GUI, welchem eine Abbildung der Funk-Gitarre schlechthin, der Fender Stratocaster, zu Grunde liegt. Auf dem Startscreen sehen wir das typische, asymmetrische Design mit den zwei Cutaways und den drei Singlecoils in einem schönen Sunburst.
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In der Mitte sehen wir, welches Preset gerade geladen ist, links eine schematische Darstellung des gerade geladenen Akkords und rechts in das Groovepattern. Lassen wir spielerische Raffinessen mal außen vor bestehen die Gitarrenfiguren vereinfacht jeweils aus einem Akkord, welcher ein Gitarrist, der Rechtshänder ist, mit der linken Hand greifen würde, und einem Grooveschema, welches die rechte Hand spielt. Funk Guitarist bricht dieses Prinzip noch weiter runter, denn zum spielen über ein MIDI-Keyboard reichen uns eigentlich zwei Finger, den mit links triggert man komplette Akkorde, welche sich an typischen Voicings orientieren, während man mit dem Finger der rechten Hand Grooves, Variationen und Fills abfeuert.
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Bei der Visualisierung der Akkorde orientiert man sich an typischen Darstellung der Gitarrentabulatur: die sechs Linien stehen für jeweils eine Saite, die Punkte zeigen an, an welchen Positionen diese gegriffen werden.
Sowohl Akkorde wie auch Grooves lassen sich editieren, man ist also nicht auf eingespielte Patterns festgelegt, die man mehr oder weniger nur zusammen schubst. Hier liegt auch dass Geheimnis von Scarbees Funk Guitarist. Auch wenn die Presets schon eine stilsichere Auswahl an Akkorden enthalten, klickt man auf die entsprechenden Buttons lassen sich eigene Kreationen zusammenstellen und auf das Keyboard legen. Neben Grundton und Akkordgeschlecht, hier gibt es nicht nur Dur und Moll, kommt der Funk Guitarist mit einer reichhaltigen Auswahl an Erweiterungen. Beim Mapping der Akkorde ist man nicht darauf festgelegt, die Akkorde chromatisch zu legen, es ist durchaus machbar, z. B. E7 neben E67#11 zu legen. Daneben gibt es noch einige andere Wege, Akkordschemata zu generieren, wie z. B Mapping durch Midi-Aufnahme, bei dem eingehende Midi-Noten im Funk Guitarist interpretiert werden und per Automap auf der Tastatur verteilt werden. Darüber hinaus versteht sich Funk Guitarist auch sehr gut darauf, alternative Voicings in Form von Akkordumkehrungen zu finden.
Akkorde sind eine Seite des Funk, Grooves die andere. Beim Funk Guitarist sind die Grooves auf den oberen Bereich der Tastatur gemappt. Auch hier hat Thomas Skarbye ganze Arbeit geleistet und stilsichere Grooves in den Funk Guitarist gepackt. Das Übertool ist aber mit Sicherheit der Groove Editor, mit dem sich bestehende Grooves editieren, oder sich ganz neue Kreationen erstellen lassen.
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Im Prinzip ist der Groove Editor angelegt wie ein Piano Roll-Editor im Sequenzer, so dass sich im festgelegten Gridmuster unterschiedliche Elemente eines Funk-Grooves zusammenstellen lassen. Hier findet typisches wie Slides, Mutes, Hammer Ons oder Pull Offs. Am besten kommt man natürlich mit dem Groove Editor klar, wenn man selbst Gitarre spielt und mit den typischen Spielweisen der rechten Hand vertraut ist.
Blue Notes sind ja normalerweise etwas, dass man zum ausdrucksvollen Spiel in sein musikalisches Vokabular integriert,
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Beim Funk Guitarist zeigen blaue Parts im Groove Editor an, sobald ein Groove nicht rund laufen wird.
Als Goody hat der Funk Guitarist praktisch eine Art Mini Guitar Rig mit an Bord, welches eine einfache Auswahl an Sounds bietet, um den direkten Sound der gesampelten Gitarre aufzupeppen.
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Neben einer kleinen Amp- und Lautsprechersimulation gibt es hier EQ, Compressor, Phaser, Chorus, Limiter und Reverb, also praktisch alles, was man so im Funkgeschehen gebrauchen könnte. Es spricht aber natürlich absolut nichts dagegen, die FX-Sektion auf bypass zu stellen und das volle Guitar Rig hinten anzuhängen.
Soundqualität
Der klassische Funksound von Nile Rodgers (Chic), Carmen Grillo (Tower of Power) oder auch John Frusciante basiert auf einer cleanen Fender Stratocaster, über einen cleanen Amp gespielt. Diesem Ideal hat sich auch Thomas Skarbye verschrieben, nutze er für die Aufnahmen der Samples doch eine hochmodifizierte Stratocaster. Um z. B. die Aufnahmen der verschiedenen Tonabnehmerpositionen auf das nötige Maß zu reduzieren, hat Skarbye der Strat drei parallele Outputs verpasst, für jeden Pickup einen. Darüber hinaus wurden die Potis so gewählt und verlötet, dass man hier identische Werte bekam. Noiseless Pickups sind natürlich für den Harcore-Stratisten absolutes No-Go, deshalb benutzte man für die Aufnahmen herkömmliche Vintage Singlecoils, ließ die Gitarre aber gesondert abschirmen.
Als Gitarrist ist man im Funk eher Dienstleister, das Spotlight gehört meist anderen. Absolut notwendig ist Timingfestigkeit und eine lockere rechte Hand, um die Grooves sicher durchzuspielen. Akkorde werden eher heruntergebrochen, die großen Pat Matheny-Voicings haben hier nix zu suchen. oft beschränkt man sich auf die Diskantsaiten, manchmal nimmt man noch die D-Saite hinzu. Man “umspielt” also eher das harmonische Geschehen, der Groove hat eindeutig Prio 1.

Fazit
Eigentlich müsste ich ja sagen, dass solche Dinger wie Funk Guitarist für Teufelszeuch halte, bin ich doch selbst Gitarrist und verstehe mich durchaus auf Funk. Aber der Funk Guitarist macht einfach Spaß! Punkt und aus!
Thomas Skarbye ist wirklich ein Meister seines Fachs und hat hier wieder gezaubert, dass es eine wahre Freude ist. Ich denke, hier hört man den Unterschied zwischen Musiker und Programmierer, oder vielmehr was passiert, wenn beide Pole eine Symbiose eingehen. Skarbye und sein Team haben es geschafft, sehr feine Nuancen des funkigen Gitarrenspiels einzufangen und spielbar zu machen.
Zuerst dachte ich mir, dass die Zweifingersuchtechnik etwas wenig anspruchsvoll für einen “richtigen” Musiker ist, aber ich habe mich schwer getäuscht. Weshalb kompliziert, wenn es auch mal einfach geht? Skarbye denkt wie ein Gitarrist und wird so mit seinem Funk Guitarist authentischer Spielweise sehr gerecht. Mit dem Funk Guitarist hat man eine Menge Spaß und erhält einen sehr praxistauglichen und reellen Gegenwert. Der Groove-Editor ist ein wahres Schmuckstück und lässt das Plug-in wahrlich zum Leben erwachen. In Verbindung mit dem Chord-Editor kann man so sogar ganz andere Sachen basteln wie das, wofür der Funk Guitarist eigentlich gedacht ist.
Alles in allem ist der Funk Guitarist eine mehr als runde Sache mit Redaktionstipp.
Heiko Wallauer
Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • Kontakt 4 Player, Komplete 7 Player, Komplete 7, Komplete 7 Elements oder Kontakt 4

Systemvoraussetzungen Windows

  • Kontakt 4 Player, Komplete 7 Player, Komplete 7, Komplete 7 Elements oder Kontakt 4

Preis

  • 99 Euro

Hersteller

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