Test: Native Instruments Drumlab

Native Instruments Drumlab

Drums aus Frankenstein Labor oder ist Dr. Moreau auf seiner Insel jetzt unter die Schlagzeuger gegangen? Native Instruments Drumlab liefert Chimären aus akustischen und elektronischen Drumsounds idie in Kombination mit virtueller Studiotechnik und integrierten Effekten für krachende Drum- und Percussionsounds sorgen.

Denn sind wir doch mal ehrlich: selten hört man auf aktuellen Produktionen, sieht man vielleicht mal von Jazz-Aufnahmen ab, Schlagzeugsounds wirklich so, wie sie auch “in echt” klingen. Da wird viel nachproduziert, Sounds werden gelayert und re-gesampelt. Das ist nicht erst seit gestern so, schon vorgestern war es Gang und gebe, z.B. eine Snare mit einem Noisegenerator zu unterlegen, mit einer Conga zu doppeln oder mit elektronsichen Sounds aufzupumpen. Drumlab liefert nun dies und mehr, z.B. einen ausgefuchsten Groove-Editor,  in einem handlichen Komplete Instrument, dass iim Kontakt 5-Sampler läuft.

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Installation und Autorisation
Der Drumlab-Download ist ca. 2,6 GB schwer, und ihn gibt es wie gewohnt vom Native Instruments-Server. Autorisiert wird via Sereinnummer über das Service Center von Native Instruments, so ist man dann auch in kürzester Zeit einsatzbereit.

Umfang der Library
Drumlab besteht aus neun Kick-Drums, 10 Snare Drums und den drei Toms in sechs Variationen. Darüber hinaus finden wir in Drumlab sieben Hi Hats, 2 Ride Becken und zwei Crashbecken in vier Soundvariationen.
Weiterhin enthält die Drumlab-Library eine Auswahl von verschiedenen Instrumenten-Instrumenten.
Dann haben wir noch die elektronischen Layer, die bereits auf die jeweiligen Natursounds vorgemappt sind.
In der Summe sind das dann 58 Naturinstrumente und 80 elektronsiche Layering Sounds, was erst mal recht übersichtlich erscheint, schaut man sich dazu im Verlgeich so manch andere Drum-Library an, die mit einem übergalaktischen Overflow an Klängen zu punkten versuchen.
Wer nicht immer alle Versuchsobjekte im Labor benötigt, der kann z.B. auch Single Instruments laden.
Das ist z.B. dann ganz hilfreich, wenn man etwa mit dem Session Drummer von NI arbeitet, man zusätzlich aber z.B. ein Percussion-Instrument benötigt, dass dieser nicht vorhält.

Drumlab unterm Mikroskop
Lass Kacheln! Im Gegensatz zu anderen Komplete Instrumenten, die ja teilweise mit fotorealistischen Darstellungen der Instrumente überraschen, sieht Drumlab geradezu stromlinienförmig und reduziert aus. Alles spielt sich in den Kacheln oder Tiles ab und fast fühlte ich mich zunächst etwas an Windows 8 erinnert, als ich Drumlab das erste Mal öffnete. Hinter den Kacheln verbirgt sich aber viel mehr als “nur” der Sound des dargestellten Instruments, denn bei Native Instruments ist man den Schritt gegangen und hat in die Tiles bereits Mischpultfunktionen wie Pegel und Panning mit integriert.

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Wenn man eine Kachel mit der Maus  anklickt, wird der entsprechende (gelayerte) Sound wiedergegeben. Das Instrument der gewählten Kachel kann gegen ein anderes der gleichen Rubrik getauscht werden, ebenso die Layersounds. In der gerade gewählten Kachel werden die Buttons für Solo und Mute sichtbar, sowie der Panorama-Poti und der Pegelsteller. Effektparametrierungen beziehen sich auch jeweils auf das Instrument, außer man hat rechts die Master-Tile ausgewählt.
Die Tiles sind nach einer bestimmten Logik angeordnet: In der oberen Hälfte der Kachel-Abteilung finden sich die Overhead- und Raummikrofone, darunter geht es dann mit den Kesseln, Percussion-Instrumenten und den Becken weiter, die sich jeweils unterschiedlichen Ausgangskanälen zuordnen lassen.
Betätigt man die Reverbkachel, erscheinen unten unterschiedliche Hallräume, wie man dies schon z.B. vom Reflektor kennt.
Im unteren Drittel befindet sich der Source/Effect-Reiter, mit dem man grundlegende Soundkriterien einstellen kann.
Source liefert dabei die Auswahl für die akustischen Grundsounds und die elektronischen Layersounds. Beide lassen sich jeweils mit unterschieldichen Paramtern feintunen und gegeneinander pegeln. Weiterhin lässt sich die Grundstimmung der Sounds bearbeiten sowie für den elektronischen Sound ein Offset, bzw. Delay einstellen. Da dies aber nur praktikable Werte bis 50 ms liefert ist der Begriff Offset aber vielleicht doch brauchbarer.
Bis auf die Ornamental Percussion Sounds und die Becken verfügt jeder Sound noch über einen eigenen Effect-Reiter, der ein ausgebautes Studio-FX-Rack darstellt.
Hier gibt jeweils einen separat zuschaltbaren Transienten-Designer, Compressor, einen Satchurator und einen Equalizer, sowie den Reverb-Send-Poti.
Unten, am dunklen Rand sind die drei Tabs für Kit Page , Options und Grooves zum Blättern angeordnet.
Die Optionspage dürfte eingefleischten Native Instruments Addicts so ähnlich auch schon mal begegnet sein, hier finden z.B. das Midi-Mapping und die Velocity-Einstellungen statt.
Möchte man Drumlab z.B. als Soundmodul live oder im Studio benutzen, so findet man schon vergegbene Mappings für gängige E-Drumsets.

Früher, ja früher waren  Drumsampler ja größtenteils doof, doch heute gehört eine umfangreiche Groovelibrary einfach zum guten Ton, und da macht auch Drumlab keine Ausnahme.
Neu für Native Instruments dürfte aber die Darstellung der Beats in der Pianoroll sein. Hier sehen wir Hits als Punkte, deren Farbe z.B. den Velocitywert darstellt.  Ändert man nun einen der Werte wird dies sofort in diesem Display wiedergegeben.

Über einen Browser kann man auf die ca. 900 vorgefertigten Grooves zugreifen. Auffällig: Genre-Beschreibungen wie Rock, Pop, Funk, Jazz oder Metal, nach denen andere Libraries ihre Grooves katalogisieren sucht man vergeblich, statt dessen sind die Grooves nach Smooth, Tight, Fat oder Dirty geordnet.

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Exzellent finde ich die Map To Note-Funktion, mit der sich Groovepattern einer Taste auf dem Keyboard zuweisen lassen. So kann man z.B. mit einem Midi-Eingabegerät und Drumlab auch spontan jammen…und ja, das funktioniert auch mit meiner midifizeirten E-Gitarre. Den kreativen Aspekten sind z.B. hier fast keine Grenzen gesetzt, hier lässt sich bestimmt eine Menge Spaß generieren.

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Fazit
Was man in den Forschungseinrichtungen von Native Instruments da wieder ersonnen hat ist eine durch und durch runde Sache. Das Native Instruments ein Händchen für Drums und Percussions hat, haben die Klangforscher aus Berlin schon in der Vergangenheit bewiesen: Battery, die Abbey Road Drums oder die Session Drums belegen dies eindeutig. Und Drumlab steht da ganz in der Tradition des Hauses und setzt das Vermächtnis der Drumelgenden aus Berlin fort. Die Sounds wissen zu überzeugen und die Bedienung ist intuitiv wie transparent.
Das Layern von Drumsounds gehört schon lange in den Studios dieser Welt zur angesagten Technik für aussagekräftige und individuelle Drumsounds, und Drumlab bringt diese Möglichkeiten nun in einem handlichen Plugin mit. Auch wenn Drumlab vielleicht auf den ersten Blick nicht den Mengenoverkill anderer Drum-Plugins liefert, mit den gebotenen Sounds und Grooves ist man für eine Vielzahl von Anwendungen und für so ziemlich jede Stilrichtung gewappnet. Bei einem Preis von 99 € im Webshop von Native Instruments bleiben eigentlich keine Fragen offen, denn Drumlab ist eine klare Empfehlung!

Systemvoraussetzungen:
Kostenloser KONTAKT 5 PLAYER oder KONTAKT 5
Windows
Windows 7 oder Windows 8 (aktuelles Service Pack, 32/64 Bit), Intel Core Duo oder AMD Athlon 64 X2, 2 GB RAM (4 GB empfohlen)
Mac
Mac OS X 10.7 oder 10.8 (letztes Update), Intel Core 2 Duo, 2 GB RAM (4 GB empfohlen)
Preis: € 99,-

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