Test: Native Instruments Cuba

Native Instruments Cuba

Pünktlich zum heißen Sommer mixt Native Instruments keine Cuba Libres oder Mojitos sondern ein neues Komplete Instrument aus der Discovery Serie – dieses mal geht es mit Native Instruments Cuba direkt ab in die Karibik.
Native Instruments Cuba hat die lebhafte musikalische Tradition des kleinen Inselstaats zur Grundlage, und beinhaltet melodische und rhythmische Elemente von Son, Rumba, Salsa und Merengue.

Meist erreichen uns Musiker und Produzenten Soundlibraries dieser Art ja vor dem Sommer, der dann in der Regel in Deutschland verregnet und kalt ist, was mir als Blogger dann ja immer eine Steilvorlage liefert. Doch nicht so dieses Jahr, bisher gibt es ja wenig Grund sich zu beschweren, jagt doch ein Hitzerekord den nächsten. Aber gerade dann macht natürlich eine Library wie Native Instrument Cuba richtig Sinn, schließlich musiziert man auch eher sommerlich beschwingt und lässt die musikalische Schwermut im Schrank, mindestens bis zum November.

Das Komplete Instrument verteilt seine 2,88 GB an Sounds und Klängen über 17 Instrumente.
Download und Installation laufen flüssig, über das Service Center ist die Autorisation der Software ein Kinderspiel.
Zur Nutzung braucht man entweder den Native Instruments Kontakt 5 Player oder den großen Kontakt 5 Sampler in der jeweils aktuellsten Version.

Die Sound Library lässt sich auf eine externe Festplatte auslagern, bestenfalls fügt man seine Sounds eh in einem Ordner zusammen, dass erspart in der Regel das Suchen und macht Backupen einfacher, statt diese über alle möglichen Festplatten zu verteilen.

Orientiert man sich zu Anfang in der Cuba-Sammlung stellt man fest, dass man bei Native Instruments die Sounds in vier Gruppen aufgeteilt hat.

Percussion Ensembles:
Dies ist einne Sammlungen von Percussion-Instrumenten, mit vorprogrammierten Patterns und besteht aus
◦ Cajon Ensemble: Ein Ensemble mit fünf Cajon und Clave, ideal für traditionelle kubanische und afrikanischen Rhythmen. Die dritte Cajon (Cajon Conga) lässt sich durch unterschiedliche Congas substituieren.
◦ Hand Percussion Ensemble: Verschiedene Hand-Percussion-Instrumente in einem Ensemble zusammengefasst.
◦ Rumba Ensemble: Ein typisches Ensemble für Rumba eben. Die dritte Conga bietet auch Bass Beats und kann durch die Cajon Conga ersetzt werden.
◦Salsa Ensemble: Ein typisches Ensemble für Salsa-Musik

Einzel-Percussion-Instrumente: dieser Teil besteht aus Einzel-Instrumenten, die man entweder separat oder in Kombination mit Patterns und Articulations einsetzen kann.
◦ Bongos: Ein Paar Bongos zusammen mit der Bongo-Glocke, die in der Regel in lauten Parts gespielt wird. Zurecht weißt man bei Native instruments darauf hin, dass ein Bongo-Spieler nur zwei Hände hat und somit rein anatomisch selten bis gar nicht beide Bongos und die Bongo-Glocke gleichzeitig erklingen.
◦ Cajon: Verschiedene einzelne Cajons, die mit Sicherheit nicht nur in der afrokubanischen Musik Verwendung finden werden. Gerade die Cajon hat in den letzen Jahren durchaus einen wahren Siegeszug auch in der westlichen Welt angetreten und sich vom reinen Percussion-Außenseiter bei Unplugged-Gigs zu einem eigenständigen Instrument emanzipiert.
◦ Conga Set: Ein Satz von drei verschiedenen Congas, mit virtuellem Conga-Spieler
◦ Conga Single: Eine einzelne Conga mit mehr Spielweisen als die im Conga-Set.
◦ Timbales: Ein komplettes Set mit tief- und hochgestimmten Timbales, zwei Kuhglocken, einem Clave Block und Becken.

Melodic Ensemble: sozusagen die komplette kubanische Backing Band, die auch gleich Ihre Pattern mitbringt.

Melodic Intruments: braucht man nicht gleich die ganze Combo, sondern möchte vielleicht nur die eigene Produktion etwas mit kubanischem Flair aufhübschen, wird man hier bestimmt fündig.

An Instrumenten enthält Native Instruments Cuba im einzelnen:
◦Clave
◦Bongo
◦Cajon
◦Conga
◦Timbales
◦Maracas
◦Guiro
◦Shekere
◦Bass: sowohl als E-Bass wie auch als Kontrabass
◦Piano
◦Trompete
◦Tres: hierbei handelt es sich um eine in Kuba typische Gitarre, deren Saiten in drei Chören gestimmt werden.

Cuba enthält überdies eine Reihe von zeitsparenden Arrangement-Funktionen. Die Bibliothek ist eine wahre Schatzkiste von sorgfältig komponierten und arrangierten Patterns, die sich natürlich im Nu dem Songtempo anpassen.
Darüber hinaus enthält Native Instruments Cuba einen einfachen, aber leistungsfähigen Mini-Sequenzer mit dem man sich schnell und unkompliziert selbst einfache Patterns und Grooves bauen kann, die sich dann mit Feel- und und Intensity-Reglern in Mikrotiming und Human Factor feintunen lassen. Darüber hinaus gibt es dann natürlich auch Sequenzer-typische Operationen wie Copy Pattern, Paste Pattern, Clear Pattern, Copy Page, Paste Page und Clear Page.

Pages braucht man immer dann, wenn ein Pattern mal zu lang wird und nicht mehr auf eine einzelne Saite passt.
Im Groove-Editor lässt sich definieren, wo der virtuelle Spieler einen Beat in Bezug auf das übergreifende Gridmuster setzt. Generell ist ja durchaus üblich, je nach musikalischer Intention etwas laid back oder eben vor dem Beat zu spielen, was sich hier im entsprechenden Editor wundervoll einfach abbilden lässt. Also kein rumruckeln mehr im Hauptsequenzer – Cuba ist hierfür bestens ausgestattet.

Der Pattern-Editor der Melodie-Instrumente hat eine ähnliches Layout wie der der Percussion-Instrumente, aber mit einigen funktionellen Unterschieden.
Wir haben hier keinen Page-Editor und können auch nicht direkt auf Noten zugreifen, statt dessen lassen sich lediglich einzelne Parts deaktivieren.
Wir können über Select Key die Tonart auswählen, zusätzlich über Select Progression eine Akkordfortschreitung.
Trotz dieser etwas eingeschränkten Möglichkeiten lässt sich so trotzdem schnell und effizient arbeiten, und darum geht es ja schließlich.

Bei der Gestaltung des graphischen Interfaces hat man sich bei Native Intruments, wie eigentlich immer in der Discovery Serie, sehr viel Mühe gegeben.

Jedes Instrument wird mit einer entsprechenden fotorealistischen Abbildung dargestellt, über die man ebenfalls Zugriff auf die Instrumentsettings erhält.
Über den Instrument-Reiter lassen sich Instrumente aus der gleichen Gruppe wählen, zum Beispiel Grand Piano und Upright Piano.
Tune regelt die Stimmung des Instruments, und steht logischweise bei Percussion-Instrumenten nicht zur Verfügung.
Tap Vol: Hand Percussion Spieler “tappen” mitunter mit den Fingern den Grundrhythmus mit zwischen einzelnen Schlägen. Die Intensität lässt sich so hier über Tap Vol regeln.

Etwas anders verhält es sich bei der Trompete, denn von dieser gibt es eben nur eine, diese aber mit unterschiedlichen Artikulationen, die sich via Keyswitch abrufen lassen:
◦C2: Staccato
◦Db2: Marcato
◦D2: Sustain
◦Eb2: Tenuto

Wo wir also schon bei den Key Mappings sind – unter der Instrumentendarstellung befindet sich ein Keyboard, welches entsprechend “beschriftet” ist.

Was braucht eine Band noch zu einer guten Performance? Richtig, ein Mischpult!

Das hat unsere kubanische Band auch gleich mit dabei, und eigentlich ist das Ding ziemlich selbsterkärend. Ich gehe mal davon aus, dass niemand, der Native Instruments Cuba in seine DAW lädt jetzt wirklich eine elegische Ausführung zum Thema virtuellem Mischpult braucht.
Interessanter sind da schon die Effekte, die Cuba so mit sich bringt.
Jeder Kanal verfügt über einen Vierband-EQ mit festen Bändern, über den Send-Poti lässt sich die Reverb-Engine des Faltungshalls ansprechen.
In der Master-Section verfügen wir über einen Compressor- und einen Tape Saturation-Effekt, was eine nette Zugabe ist.

Fazit:
Mit Native Instrumnts Cuba hat man in Berlin mal wieder einen Volltreffer gelandet – die Sounds klingen gut und authentisch und lassen sich vielfältig einsetzen. Natürlich wird nun der ein oder andere Bedenken äußern, dass in der Folge von Cuba Songs mit Instantflair aus dem Plugin den Markt überschwemmen. Dem muss man aber dagegenhalten, dass immer noch die Dosis das Gift macht. Kaum jemand wird den neuen Buena Vista Social Club direkt im Plugin produzieren, aber immer wenn es um typsiche Elemente aus dieser Musik geht, bietet sich der Einsatz dieses Komplete-Instruments an, denn auch “nicht-kubanische” Stilistiken profitieren von dem Klangmaterial.
Man denke nur mal an Sepulturas Roots-Album, das Trash-Metal mit brasilianischer Percussion verschmolz. Das soll nun kein Aufruf dazu sein, nebligen Gothicrock mit kubansichen Trompeten und Salsa aufhübschen zu wollen, wer aber gerne mal über den stilistischen Tellerrand schaut, wird bei Cuba bestimmt viel Inspiration finden. Alles was swingt, funkt und grooved lässt sich meiner Meinung nach mit dieser Library kombinieren. Und auch wenn Carlos Santana seit Jahrzehnten öffentlich das gleiche Gitarrensolo übt, so zeigt der Altmeister des Latinrock doch, wie man westliche Rockmusik und afro-kubanische Einflüsse in Beziehung setzen kann.
Der Preis von 99 € ist auch sehr fair, bekommt man doch sehr viel Gegenwert damit man lange mit diesem Komplete-Instruments Spass hat.
Für Native Instruments Cuba beide Daumen nach oben!
Heiko Wallauer

Produktwebseite

Systemvoraussetzungen:
Kostenloser KONTAKT 5 PLAYER oder KONTAKT 5
KONTAKT 5 PLAYER Systemvoraussetzungen
Mac: Nur Intel-Macs, PPC nicht unterstützt
PC: benötigt SSE2

Preis: 99 €

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