Test: Native Instruments Battery

Suchen wir einen Veteranen unter den virtuellen Drumsamplern, landen wir ziemlich genau bei Native Instruments. Batterie ist immer noch der Dauerbrenner in Sachen Drum- und Percussionsounds. Die Software ist mittlerweile in der dritten Auflage erhältlich und wir wollen wir uns mal anschauen, was Battery 3 zu bieten hat.

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Installation
Da die Battery 3-Library satte 12 GB groß ist, bekommt man die Software inklusive der Sounds als physikalisches Paket bestehend aus 3 DVDs. Die Installation braucht naturgemäß etwas Zeit, bis alle Files auf der entsprechenden Festplatte angekommen sind.
Autorisation
Die Autorisation erfolgt wie gewohnt über das Service Center von Native Instruments, und geht, Internetverbindung vorausgesetzt, recht fix. Die Seriennummer, sollte man bereit halten, denn die wird in der Folge abgefragt.
Battery 3 arbeitet entweder Standalone oder als Plug-in unter den gängigen Formaten VST, Audio Units und RTAS.
Interface
Kennt man andere Produkte von Native Instruments, empfindet man die GUI von Battery 3 im Grunde schon sehr vertraut. Zwar ist der olivgrün-geprägte Look des Urahnen mittlerweile einer etwas bunteren, weniger martialischen Optik gewichen, trotzdem hat man es sich bei Native Instruments wohl zum Grundsatz gemacht, an der sehr stromlinienförmige Optik von Battery festzuhalten.

Die GUI zeigt drei Hauptbereiche: Die Mastersektion, die Samplematrix und das Editfenster, das uns noch Tabs anbietet, unter denen unterschiedliche Parameter zusammengefasst sind.
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Die Master-Abteilung bietet Parameter die global auf Battery 3 wirken, wie Mastervolume, Tempo oder die Möglichkeit von hier aus unterschiedliche Drumkits zu laden und zu speichern.
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Die Samplematrix gestaltet sich da schon etwas komplexer, repräsentiert doch jede Zelle einen Sound. Neu in Battery 3 ist, dass sich die Oberfläche der Anzahl der Zellen dynamisch anpasst, je nach dem, wie viele Sounds man sich lädt.
Jeder Zelle lässt sich ein Sound zuweisen, dessen weitere Parameter sich vom User festlegen lassen. Liegt in einer Zelle ein Sample, ist es natürlich auch spielbar. Es genügt, dem Sample eine Midinote zuzuweisen. Battery macht sich hier das Prinzip der Keyranges zu eigen, bei der sich das Triggern von Samples über einen Bereich definieren lässt. Praktisch ist dies immer dann, wenn man zum Beispiel die Notwendigkeit sieht, mit einer Note auch mal zwei Sounds zu triggern, man Sounds aber auch einzelnen abrufen möchte. Hört sich im ersten Moment vielleicht sehr akademisch und frickelig an, geht in der Praxis aber gut von der Hand.
Beim Programmieren von Drums, vor allem, wenn diese möglichst natürlich klingen sollen, gibt es mitunter ja einige eherne Gesetze zu beachten: Nicht mehr Sounds triggern, als ein Drummer spielen könnte – und bestimmte Sounds schließen sich in der Regel aus. Für ersteres muss man sein Programming einfach kritisch unter die Lupe nehmen, zweites kriegt man mit den Voicegruppen geregelt, welche das Zusammenspiel verschiedener Zellen untereinander regeln. Der Klassiker ist hier bestimmt das Zusammenwirken von offener und geschlossener Hi Hat. Zwar haben sich in jüngster Vergangenheit auch immer wieder Drummer mit zwei Hi Hats ins Rennen gewagt, dies aber meist aus ergonomischen Gründen. Hören wir mal genau hin, erklingt bei einem Drumset entweder die offene oder die geschlossene Hi Hat. In Battery kann man nun beide Sounds, wenn diese in verschiedenen Zellen liegen so in einer Voicegroup arrangieren, dass der jeweils Andere den Vorhergehenden stumm schaltet. Auch allzu beherztes Beckengedengel kann man sich so schön eingrenzen, wenn man etwa die verfügbaren Crashbecken in Voicegroups zusammenfasst.
Die Voicegroups sind auch immer dann sinnvoll, wenn man etwa spezielle Spielweisen wie Flams und Rolls in eine eigene Zelle legt, denn so kann man sehr gut expressive Programmings realisieren. Man muss nur aufpassen, dass man es nicht übertreibt, denn wenn man schon mal kann, wechseln sich leicht auf jedem neuen Viertel Flams und Rolls ab wpid-icon_wink-2011-07-10-21-55.gif
Einen großen Vorteil von Battery sehe ich für mich dahingehend, dass man sehr tief in die Sounds der einzelnen Zellen eingreifen kann. Meist geht bei anderen Drummies ja nur Volume, Pan und Tune, was selbstredend auch Battery beherrscht. Für die Lautstärke finden wir einen kleinen Fader in dB skaliert, während sich Pan und Tune über Potis regeln lassen.
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Der Abspielbereich eines Samples lässt sich frei definieren, so dass nicht zwingend das ganze Sample erklingen muss. Seine Länge lässt sich über Start- und Endpunkte festlegen. Gerade mit Cymbals kann man so recht eindrucksvolle Effekte generieren. Battery wird so zum Phrasesampler: Man kann zum Bespiel Loops in Zellen legen, deren Abspielbereiche definieren und über Midi-Tastatur neu arrangieren. Battery 3 unterstützt unter anderem Wav- und Rex-Files ebenso wie das auf unter OS X beliebte Apple Loops-Format
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Natürlich versteht sich Battery 3 auch auf Hüllkurven, welche Samples dynamisch beeinflussen können und deren Parameter sich mit Attack, Hold und Decay regeln lassen.
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Als Effekte haben wir in Battery drei Kategorien zur Auswahl, Insert-, Send- und Mastereffekte. Erstere greifen auf Sounds in der Zelle und sind meist Regelverstärker, Equalizer oder Filter.
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Oder eben solche Nettigkeiten wie der LoFi-Effekt, mit dem sich dreckige Sounds realisieren lassen. Die Send-Effekte können von mehreren Zellen beschickt werden, hierbei handelt es sich in der Regel um zeitverzögernde Effekte wie Delay oder Reverbs. Die Mastereffekte liegen im Masterbus von Battery und wirken folglich auf alle Sounds, die aus der Zellmatrix und der FX-Engine kommen.
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Die Effektsektionen lassen sich natürlich bypassen, außerdem liefert uns Native Instruments schon mal eine schöne Sammlung von Presets mit.
Fazit
Battery macht Drumsamples einfach – einfach begreifbar und einfach spielbar. Nie war es einfacher Drumsounds anzulegen und zu arrangieren. Die Soundauswahl ist gelungen, auch wenn manche der „alten“ Battery-Kits mittlerweile etwas antiquiert klingen. Aus Kompatibiltätsgründen macht es natürlich Sinn, die Sounds mitzugeben.
Das man in die Klänge auch noch nach Herzenslust eingreifen und diese modifizieren kann, macht den besonderen Reiz von Battery 3 aus. Gut finde ich, dass Battery 3 einen Wave-Editor mitbringt, so dass sich Anpassungen in der Wellenform besonders gut visualisieren lassen. Praktisch sind die Voicegroups, die effektiv für Ordnung sorgen. So kann man genau arbeiten – gerade wenn man Loops verwendet und diese entsprechend anpassen möchte.
Bei der guten Effektsektion geht die Sonne auf, denn so lassen sich Samples nach Herzenslust verbiegen. Und auch als Loop- und Phrasesampler kann Battery 3 überzeugen, ist sein an Rhythmen orientierter Ansatz doch um einiges schlüssiger für diesen Zweck, als zum Beispiel ein voll aufgeblasener Sampler.
Native Instruments liefert mit Batterie 3 ein stimmiges Paket, das auch anspruchsvollen Geschmäckern gerecht wird. Auch nicht zu unterschätzen: Im Test lief Battery 3 absolut stabil, ohne Aussetzer oder Hänger.
Heiko Wallauer
Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • Mac OS® X 10.5 oder 10.6
  • Intel® Core™ Duo
  • 2 GB RAM
  • 200 MB Festplattenplatz für die minimale Installation. 14 GB für die vollständige Installation

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows® XP (letztes Service Pack, 32 Bit), Windows Vista®/Windows® 7 (letztes Service Pack, 32/64 Bit),
  • Intel® Pentium 4® 2.4 GHz. oder Intel® Core™ Duo oder AMD Athlon™64
  • 2 GB RAM
  • 200 MB Festplattenplatz für die minimale Installation. 14 GB für die vollständige Installation

Preis

  • 99 Euro

Hersteller

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