Test: Ibanez FR320

„Anything But Traditional“, diesen Slogan hat sich Ibanez schon lange auf die Fahne geschrieben, auch wenn die Ibanez FR320 sich mit einer deutlich traditionelleren Silhouette präsentiert als zum Beispiel die modernen RGs. Und so scheiden sich an den Gitarren aus dem Hause Ibanez gemeinhin auch gerne die Geister und geben Anlass zu hitzigen Diskussionen. Für die Vintage-Fraktion sind sie nichts als sterile Massenware ohne Charakter und Gesicht, viele Spieler schätzen aber die innovativen Designs, die ausgeklügelten Detaillösungen und den hohen Verarbeitungsstandard des Herstellers. Um es vorwegzunehmen, ich rechne mich der zweiten Gruppierung zu.

Neu in meiner Sammlung eingezogen ist die Ibanez FR320.

Die FR-Serie greift bei der Wahl der Komponenten auf vielfach bewährte Bauteile zurück. Mit ihrem ursprünglichen Design, den 24 Bünden und den splittbaren Pickups ist die FR auf Vielsaitigkeit ausgelegt. Die Tonabnehmer und ein Mahagonikorpus liefern starke Mitten. Die sehr flache, neu konzipierte Tightend-Bridge sorgt für umfangreichen Sustain und ein freies Feld beim Spiel.

Man sollte Ibanez-Gitarren generell nicht abgeneigt sein, was Halsmaße und ergonomische Shapings betrifft.
Verarbeitungstechnisch gibt es nichts zu motzen, Ibanez-typisch korrekt und auf hohem Niveau.
Soundtechnisch geht die Ibanez FR320 eher in die Mahagoni/2-Humbucker-Richtung, nicht so sehr in die Tele-Ecke.


Klanglich kann man mit den 2 Humbuckern und der Schaltung einiges aus der Gitarre rausholen, vom Brettsound am Steg, singende Leads am Hals und clean-perliges gestratel in den Zwischenpositionen.
Auch die zwei Humbucker zusammen liefern einen schönen Sound für cleane Arpeggios.
Der Steg ist außergewöhnlich bequem gestaltet und ein wahrer Handschmeichler.

Die Details der Ibanez FR320 im Überblick
Mahagoni Korpus
Hals/Griffbrett: 3-tlg Ahorn/Palisander
Mensur: 648mm
24 Bünde
Dot Inlays
Tightend Bridge
Chrom Hardware
1 x CCR1-V2 Hals-Humbucker
1 x CCR2 Bridge.Humbucker
1 x Volumen
1 x Tone Regler
5-Wege Schalter

Der 5-Weg-Schalter schaltet die Tonabnehmer wie folgt:
Position 1: Bridge-Humbucker
Position 2: Die beiden Humbucker zusammen gesplittt
Position 3: Die beiden Humbucker zusammen
Position 4: Die Spulen des Hals-Humbuckers parallel verschaltet
Position 5: Hals-Humbucker

Hier einige Soundbeispiele, die die unterschiedlichen Schaltungsvarianten demonstrieren:

Der Bridge-Humbucker verzerrt.

Der Bridge-Humbucker gesplittet.

Der Hals-Humbucker clean.

Beide PUs gesplittet clean.

Bridge- und Neck-PU zusammen clean.

Beide PUs parallel verschaltet clean.

Bridge-Pickup clean.

Hals-Humbucker verzerrt.

Beide PUs gesplittet.

Beide PUs zusammen verzerrt.

Trotz der Mahangony/Humbucker-Kombination klingt die Ibanez FR320 sehr drahtig, aber immer mit der typischen Mahagony-Mittennase.
Müsste ich einen Vergleich zu Klassikern ziehen, würde ich die Gibson SG als Referenz nehmen, denn die Ibanez FR320 hat genügend Rotz im Sound, um bei straightem Riffing genauso überzeugen zu können wie bei singenden Leads.

Was mir an der Ibanez FR320 besonders gefält:
Design
ergonomische Shappings
Schwingverhalten
Sustain
ausladendes Cutaway
Pickups/flexible Schaltung
ausdrucksstarke Sounds
Tightend Brdige
hochwertige Verarbeitung

Die Ibanez FR320 kann man jedem Gitarristen empfehlen, der das Handling moderner Gitarren bevorzugt, gerne aber auf freischwebende Vibratosysteme verzichten kann und auf feste Brücken Wert legt.

Heiko Wallauer

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für Deinen Test. Dieses Teil interessiert mich sehr. Ich frage mich, ob es sich soundtechnisch lohnt auf das Prestige Modell FR1620 zu sparen. Holz ist anderes (Esche), 5-teiliger Hals, Made in Japan (mehr Handarbeit anscheinend… ;-). Kostet ja etwas mehr als das doppelte. Ich würde die Gitarre als 2.Gitarre (1.Git. Ibanez SCA220) brauchen, auch für Live-Einsatz. Stilmässig so ziemlich alles. Da wäre die FR320 schon genügend, oder was meinst Du?

  2. Hallo Antonio,

    das kommt drauf an 🙂
    Durch den Esche-Korpus klingt die FR1620 „mehr“ nach Fender, während die FR320 eher Richtung Mahagoni tendiert.
    Als reines Backup-Instrument würde die FR320 allemal hervorragend sein, zumal meines Wissens nach die SCA220 auch einen Mahagoni-Body hat und man so im Falle eines Falles (zum Beispiel wenn man live schnell wechseln muss), auch mit den gleichen Sounds weiter arbeiten kann.

    Trotzdem solltest Du Dir die Prestige-Modelle mal anschauen.
    Die fassen sich sehr gut an, klingen ausgezeichnet und sind mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet (Bünde, usw.)

  3. Hallo Heiko
    Danke für Deine Antwort. Denke ich werde mal beide spielen und dann versuchen zu vergleichen. Tendiere schon eher zur 320er, da ja für mich 2.Gitarre. Dein Argument mit dem „Mahagoni-Klang“ hat zudem auch was. Und zur grundsätzlichen Pro/Contra Ibanez-Diskussion: Bin auch sehr von Ibanez überzeugt. Nichts gegen Fender und Gibson, denke aber die sind teilweise preislich überbewertet.
    Rockige Grüsse

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