Test: Garagecube Modul8

Wenn es an VJ-Software geht, führt auf MacOS X kaum ein Weg an Modul8 vorbei, denn die Software gilt schlechthin als eines der VJ-Tools auf dem Mac. Mit der Version 2.6 erhält die Software nun eine umfassende Erweiterung des Funktionsumfangs.
Visuals und Live-Musik, dass hängt irgendwie zusammen, nicht nur in der Kombination DJ/VJ. Man muss gar nicht bis zu Pink Floyd zurückgehen, auch heute überraschen Bands wie Tool, Porcupine Tree oder Nine Inch Nails auf jeder Tour mit neuen optischen Konzepten. Da ist es dann nicht mehr nur damit getan, Videos und Clips abzuspielen, je dynamischer man die Show fürs Auge gestalten kann, umso besser.
Und genau hier kommt Modul8 ins Spiel, denn Modul8 erlaubt Videomixing und Compositings in Echtzeit, so dass man nicht mehr länger nur auf das Abfeuern vorproduzierter Clips festgelegt ist.
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Systemvorraussetzungen Modul8 verlangt in der aktuellen Version mindestens MacOS X 10.4.8 aka Tiger, oder eben aktueller, wer noch auf 10.3.9 hängt, muss sich mit Version 2.0.3 von Modul8 behelfen. Außerdem hätte Modul8 gerne eine Quicktime-Version ab 7.1.3. Modul8 unterstützt immer noch PPC-Prozessoren, es muss also nicht der Intel sein, ein G4 mit 1 GHz Prozessor und einem GB RAM ist laut Herstellerangaben ausreichend. Kommen wir zur Grafikkarte: hier unterstützt Modul8 AGP- oder PCIe-Karten mit mindestens 64 MB VRAM. Da Modul8 performanceseitig sehr stark von der Leistung der Grafikkarte abhängig ist gilt hier natürlich „Je mehr, desto besser“.
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Möchte man mit Modul8 Multiprojektionen (also mit mehreren Projektoren, LCDs oder Plasmas) umsetzten kommt man eh nicht um den MacPro mit entsprechender Grafikkarte oder um eine Matrox-Lösung rum.
Installation Die Installation läuft einfach und schnell, man lädt lediglich ein Disk-Image bei Garagecube runter und zieht das Programm dann per drag & drop in den Programme-Ordner. Die Autorisierung erfolgt über eine Seriennummer, und recht schnell ist man startklar. Modul8 kann auf 2 Maschinen gleichzeitig installiert werden, legt man sich irgendwann mal einen neuen Rechner zu, sollte Modul8 erst auf dem alten Computer deautorisiert werden.
Konzept Modul8 folgt der Layer-Philosophie, wie sie aus Photoshop oder anderen Bildbearbeitungsprogrammen bekannt sein dürfte.
Ein Layer ist in Modul8 als ein unendlicher 3D-Raum definiert, in welchem Medien bewegt, skaliert und gedreht werden können.
Jeder Layer kann noch in einer Version A und Version B genutzt werden, die via Crossfader überblendbar sind.
Um mit Modul8 überhaupt was anstellen zu können, braucht man natürlich noch Medien, die be- und verarbeitet werden können. Erfreulicherweise gibt sich Modul8 hier sehr offen, unterstützt es neben Quicktime Movies auch Flash 5 Animationen, Images oder auch Video Live Streams.
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Bedienoberfläche Die Bedienoberfläche von Modul8 gestaltet sich sehr übersichtlich und gliedert sich in Media, Preview, Output und Main Panel.
Media Im Media Panel sieht man alle Bilder und Clips, die man in sein Projekt importiert hat. Typischerweise holt man sich seine Dateien via drag & drop in Modul8, hierfür stehen 8 Slots in 4×4-Matrizen zur Verfügung. Modul8 nimmt hier dem User in Abhängigkeit der Filegröße die Entscheidung ab, ob das File unkomprimiert in den Speicher geladen wird, ob es einer weiteren Compression bedarf oder ob das File in Modul8 gestreamt wird.
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Preview Im Preview-Panel kommt man die Vorschau seiner Compositings zu sehen, bzw. die Bearbeitungen visualisiert. Hierzu stehen verschiedene Möglichkeiten der Visualisierung bereit. Per default befindet sich das Preview-Fenster im Grid Mode.
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Der Grid Mode zeigt ein Gitternetz und den Mittelpunkt mittels eines Fadenkreuzes. Im Layer Mode sieht man jeweils nur das gerade ausgewählte Layer, dieser Modus bietet sich bei sehr komplexen Projekten an.
Der Group Inv. Mode ist dann hilfreich, wenn man die A/B-Option im Layer gezogen hat, denn dann kann man das A- oder B-Layer, welches man noch bearbeitet im Preview anzeigen, während am Output das anliegt, was man zeigen möchte. Im Output Mode bekommt man eine Kopie des Ausgangs gezeigt, was immer in räumlich nicht ganz optimalen Verhältnissen hilfreich sein kann, wenn man etwa bei einem Konzert gezwungen ist, von Sidestage oder Backstage zu arbeiten und die eigentliche Projektionsfläche gar nicht sieht. Zusätzlich kann man noch auf Out Mix Mode gehen, hier werden selektierte Layer mit angezeigt, auch wenn diese im eigentlichen Compositing verdeckt sind.
Output Modul8 arbeitet in ganz unterschiedlichen Umgebungen, und kann sowohl mit lediglich einem Monitor oder mehreren Outputs verwendet werden. Kann man nur mit einem Monitor oder Projektor im Full Screen Mode arbeiten, wird das User-Interface verdeckt und man sieht nur den Output. Hier sollte man sich dann mit einer Midi-Steuerung oder Keyboard-Shortcuts fit machen. Komfortabler wird es dann schon mit zwei Ausgängen, wenn man etwa mit einem MacBook Pro oder iMac arbeitet. Hier kann man sein UI mit der Vorschau auf einen Screen legen, während man am zweiten Ausgang den Modul8-Output zeigt. Im Multi Outputmode wird es dann richtig spannend, aber zum Glück läuft die Zuordnung in Modul8 sehr einfach und intuitiv, vorausgesetzt man hat die Grafikkarte unter OS X korrekt installiert.
Main Panel Den größten Teil des Bildschirms nimmt das Main Panel ein, in dem auch die Hauptarbeit mit Modul8 stattfindet. Ob es nun an das Arrangieren der Layer oder das Drehen von virtuellen Knöppen geht, hier ist man in jedem Fall richtig.
Wie schon angesprochen arbeitet Modul8 layerbasiert, d.h. bis zu 10 Ebenen mit der A/B-Option werden übereinander gestapelt und enthalten jeweils Content aus dem Bereich Media.
In den Layern lassen sich recht umfangreich Modifikationen am Media-Content vornehmen, neben einfachen Play-Optionen kann man Clips skalieren, Clips entlang der X-, Y-. und Z-Achse rotieren lassen, oder Einfluss auf die Farbkanäle nehmen.
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Wie vielleicht manchem aus Final Cut bekannt, ermöglicht es auch Modul8 dem User, Einstiegs- und Endpunkte innerhalb der Layer Clips zu definieren, welche den Clip nur zwischem selektierten Teil abspielen. Was im Audiobereich geht, dass Anpassen der Geschwindigkeit von Clips in Echtzeit, funktioniert auch in Modul8 für Video. Über den Reset-Button hat man schnell dann auch das Originaltempo wieder hergestellt, sollte dies nötig sein.
Für die gebräuchlichsten Anwendungen, also Modifikation von Kontrast und Sättigung bringt Modul8 die so genannten Pixel FX mit, eine Kette aus sechs Effekten.
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Saturation beeinflusst die Sättigung des Materials, mit Boost ist ein Übersteuerungseffekt machbar und Reverse dreht die Werte um. Mit Lightness lassen sich Körnungs- und Glüheffekte realisieren. Auch der Contrastregler lässt sich neben seiner „normalen“ Anwendung ebenfalls Übersteuern und invertieren. Luma Key kann dann ganz hilfreich sein, wenn man ein Layer transparent haben möchte. Hierzu stehen verschiedene Keys zur Anwendung, abhängig davon, welche Farbanteile man transparent und welche man deckend haben möchte. Noise legt das in das Compisitng, was man ja eigentlich vermeiden möchte, also Störungen, entweder farbig oder monochrom. So bekommt man im Handumdrehen einen „kaputten“ Look hin. Blur sorgt dann bei Bedarf für den Wischiwaschi-Effekt, zur Auswahl stehen hier zwei verschieden Variationen. Neben diesen festen Effekten lassen sich auch automatisierbare Effekte anwenden, bei denen es darum geht, Bewegung in den Media Content zu bringen. Im Einzelnen wären dies Auto Move, Auto Scale, Auto Color und Auto Rotate. Über die neue Sound Analysis-Funktion lassen sich dann auch Aktionen wie Auto Move, Auto Scale oder Auto Color mit musikalischen Inhalten abgleichen lassen.
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Kreative Anwendungsmöglichkeiten findet man unter den Transformern, hier gefallen mir vor allem die Patch-Funktion und Particle Emitters.
Ähnlich wie ein Mischpult besitzt Modul8 eine recht breite Mastersektion, deren Aktionen sich global auf alle Layer auswirken und das Gesamtbild beeinflussen.
Eine der großen Stärken von Modul8 ist, dass die Software Live Captures sowohl von Audio und Video unterstützt, wobei Sound Capture einfach einen Audio Eingang aufnimmt. Für Live Video Captures würde man dann typischerweise DV Cams oder Webcams benutzen, die an den Rechner angeschlossen werden. Video Captures werden im Media Bereich abgelegt und können von dort aus zu Layern werden und selbstverständlich mit allen Effekten belegt werden. Man sollte allerdings im Auge halten, dass Live Captures zu Lasten der CPU gehen, und die Programmperformance belasten können. Vor allem dann, wenn man in Modul8 2.6 bis zu vier separate Videofeeds nutzen möchte.
Modul8 lässt sich komfortabel entweder über die Tastatur bedienen, oder aber auch über ein angeschlossenes Midi-Input Device. Für beide Optionen stehen reichhaltige Mappingoptionen zur Verfügung, so dass man die Bedienung von Modul8 sehr einfach an die eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten angepasst hat. Ab der akutellen 2.6er Version ist es nun auch möglich, Key- und Midi-Maps zu importieren und zu exportieren, so dass man nicht jede Custom-Zuweisung immer wieder neu anlegen muss.
Was sehr in der 2.6er Version sehr elegant gelöst ist, ist die Möglichkeit, dass beim Import von Bildern in einem Slideshows generiert werden, sofern diese alle in einem Ordner liegen. Hierfür ist es lediglich notwendig, den betreffenden Ordner im Mediabereich abzulegen, die Frequenz, in der die Bilder durchlaufen lässt sich dann über den Speed-Slider regeln.
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Ebenfalls aus der Masse sticht das Modulkonzept heraus, das im Kern des Programms verankert ist. Module sind hier als Programmerweiterungen gemeint, die den Funktionsumfang der Applikation erweitern, dabei kann unterschieden werden, ob es sich um Layer-relevante Module handelt, oder ob diese im Master ihren Dienst tun oder gar in keine der beiden Schubladen passen und andere Funktionalitäten unterstützen. Aber wie kommt man an die Module? Nun, auf der Modul8-Webseite gibt es eine recht große Bibliothek, auf die man als User Zugriff hat. Darüber hinaus wird ein Modul Editor angeboten, der es ermöglicht, eigene Module zu bauen. Das geht recht einfach nach dem Lego-Prinzip, man fügt einfach vergebene Steine in einem neuen Zusammenhang zusammen und kann so neue Elemente schaffen.
Als wäre das alles noch nicht genug ist in Modul8 eine auf Python basierende Scripting Engine implementiert. Wer also ganz tief in die Materie der Module einsteigen möchte, und wem das Zusammenschubsen definierter Blöcke noch nicht reicht (obwohl das auch schon eine abendfüllende kreative Tätigkeit sein kann), der findet hier ein unendlich großes Betätigungsfeld.
Natürlich ist es in Modul8 auch möglich, die eigenen Werke aufzuzeichnen und auf Festplatte zu rendern. Die Holzhammermethode wäre, während der Performance, quasi in Echtzeit ein File auf die Festplatte zu donnern. Das wäre zwar nicht sehr elegant, geht in Modul8 aber auch mit Record to disk. Eigentlich sollte man diese Option aber besser außen vor lassen, außer man muss einen Live-Input, der nicht reproduzierbar ist, irgendwie auf Festplatte bannen. Smarter ist da schon Logical Record, denn Logical Record „merkt“ sich alle Aktionen, die man an seinem Projekt vornimmt, das eigentliche File wird dann aber erst später erzeugt. So bleiben Codecs und Rendereinstellungen bis zuletzt frei. Somit lassen sich auch hochauflösende und komplexe Files erstellen, ohne dass man mit jedem Klick Gefahr läuft, seine Maschine zu überlasten.
Neu in Modul8 2.6 ist ebenfalls, dass die Software jetzt DMX versteht. DMX ist ein aus der Veranstaltungstechnik entliehenes Steuerprotokoll, mit dem es möglich ist, etwa Dimmer oder Wackellampen, sogenannte Moving Heads, fernzusteuern. Klassisch ging das in der Vergangenheit über ein entsprechendes Bedienpult, welches DMX-Signale verschicken konnte. Am empfangenden Gerät wird dann eine Busadresse eingestellt, über die es adressiert werden kann. Somit lässt DMX den Betrieb vielfältiger Geräte und Kommandos zu. Um Modul8 DMX-fähig zu bekommen, bedarf es einer Enttec DMX USB Pro Box mit entsprechendem Treiber. Garagecube stellt bereits einige DMX-relevante Module zum Download bereit, so dass man als DMX-Interessierter hier auch gleich loslegen kann.
Das folgende Video demonstriert in komprimierter Form eine Auswahl an Effekten und Bearbeitungen aus Modul8:

Aufgenommen mit der Videofunktion meiner Sony-Taschenknipse nachts um eins.

Fazit: Es dürfte nicht verwundern, dass Modul8 auf dem Mac unter den VJs und Videokünstlern längst zum Standard avanciert ist. Die Bedienung der Software bleibt dabei einfach und kann intuitiv erarbeitet werden. Neben dem „reinen“ Live VJing-Aspekt und der Bearbeitung von Medien in Echtzeit bietet Modul8 aber auch sehr viele Optionen unter der Haube, die es in sich haben. Da wären zunächst die Untersützung von Multi-Projektionen mit bis zu acht Screens oder Projektoren, sowie die freie Konfigurierbarkeit der Outputs. Mein Gott, was war das früher für ein riesiger Aufwand, und wenn realisierbar dann meist nur mit richtig teuren Lösungen mit Splitrechnern und dem ganzen Gedöns. Heute reichen dafür ein MacPro und etwa eine entsprechende Matrox-Grafikkarte und Modul8. So rechnet sich Modul8 natürlich nicht nur, wenn man seine Visuals via Projektor an die Wand werfen möchte, sondern durchaus auch dann wenn man z.B. in den Installationsbereich schaut. Das Modul-Konzept hält die Szene der Anwender in Bewegung, kommen hier doch immer wieder neue Impulse, die das Programm wachsen lassen, Stillstand fast nicht möglich. Wer’s dann gar nicht lassen kann, fängt dann gleich an zu scripten. Modul8 könnte mal echt Motivation für mich sein, mich näher mit Python zu beschäftigen. So oder so ist Modul8 eine Frickelkiste vor dem Herrn, bei der es mit jedem Programmstart wieder was Neues zu entdecken gibt. Im Test lief Modul8 stabil und ohne Bugs, sowohl auf iMac, MacPro und MacBook Pro, wobei ich den größten Teil des Tests mobil mit meinem MacBook Pro an verschiedenen Live-Locations gemacht habe. Modul 8 ist zum Preis von 299 Euro erhältlich. Das Update auf Version 2.6 kostet 49 Euro.
Heiko Wallauer
Systemvorrausetzungen (Herstellerangaben):
G4 oder PPC-Prozessor mit 1 GHz oder schneller
MacOS X 10.4.8 oder aktueller
Quicktime 7.1.3.
1 GB RAM
Grafikkarte mit 64 MB VRAM
Preis: 299 Euro
Update von Modul8 2.5: 49 Euro

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