Test: Avid MBox 3

Wenn man in der Studio- und Recordingwelt nach Standards sucht, kommt man an Pro Tools nicht vorbei. Ähnlich wie die Bänder der guten alten Bandmaschine, kann man auch seine Pro Tools-Sessions einpacken und in nahezu jedem professionellen  Studio dieser Welt daran weiterarbeiten. Das ist mitunter ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn längst beschränkt sich das Angebot von Pro Tools-Landschaften nicht mehr nur auf die teuren DSP-basierten HD-Systeme – auch Projektstudios und ambitionierte Heimanwender kommen in den Genuss der amtlichen DAW. Grund genug also, die neue Pro Tools Mbox 3 genauer unter die Lupe zu nehmen.

Gab es vor einigen Jahren nur ein Pro Tools, so hat sich das Angebot nun deutlich aufgefächert. Da stellt sich natürlich die Frage, welches System für wen das richtige ist. Dass die Pro Tools HD-Systeme primär für den Profi interessant sein dürften, versteht sich fast von selbst, denn für die kleinste HD-Variante werden über 7.000 Euro fällig – ohne den Hostrechner und Interfaces.
Schwieriger wird es dann bei der Frage ob es eine Mbox mit LE, Eleven Rack, Digi 003 oder M-Powered sein soll. Jüngst wurde auch eine native Variante der HD-Systeme vorgestellt. Hier sollte man sich vorher überlegen, wie groß das Budget ist und welche und wie viele Ein-und Ausgänge man in der Praxis an seinem Interface braucht, damit man seine Investition für eine lange Zeit sichert. Wir haben uns zum  Test für die Pro Tools Mbox 3 entschieden, denn diese ist vor allem für Musiker und kleine Projektstudios interessant, die wenige Ein- und Ausgänge benötigen, diese dann aber eine gute Qualität bieten sollen.
Unboxing the Mbox
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Was zunächst auffällig ist: Digidesign war gestern, die Verpackung der Mbox ziert aktuell  das Avid-Label. Digidesign  gehörte schon länger zu Avid, und 2010  hat  man sich dort entschlossen,  die Pro Tools-Produkte unter Avid zusammenzufassen.
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Die Verpackung ist gut gewählt, es wird nur wenig Luft verschickt. Die Mbox, die Software-CDs, die Lizenznummern sowie eine Kurzanleitung zur Installation finden geschickt Platz.
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Bevor man die Mbox das erste Mal mit dem Rechner verbindet, wird im Manual dringend angeraten, erst die Pro Tools Software und die benötigten Treiber zu installieren.
Verarbeitung
Nimmt man die Mbox 3 aus der Verpackung fällt sofort das stattliche Gewicht der Hardware auf! Wo andere Hersteller sparen und versuchen, möglichst günstige Werkstoffe einzusetzen, hat sich Avid für ein robustes Metallgehäuse entschieden, das einen zuverlässigen Eindruck macht. Die Regler bieten ein griffiges Gefühl und laufen sauber, auch die Anschlussbuchsen sind qualitativ hochwertig.
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Auf der Vorderseite finden wir 2 Eingänge, die den 6,3-mm-Klinkenstecker verwenden und für den direkten Anschluss von Gitarren oder Bässen geeignet sind. Jeder Eingangskanal verfügt über einen Gainregler, der das Signal pegelt, sowie eine Signal/Clip-LED. Wenn notwendig, lässt sich per Button zwischen den vorderen Eingängen  und  denen auf der Rückseite hin- und herschalten. Hier finden sich die soliden Kombi-Buchsen für den Anschluss von Mic- und Linesignalen. Auf die XLR-Eingänge lässt sich von der Vorderseite +48V Phantomspeisung zum Betrieb von hochwertigen Kondensatormikrofonen geben. Weiterhin haben wir hier einen digitalen S/PDIF-Ein und Ausgang, der ebenfalls über die Rückseite zugänglich ist. Die analogen Ausgänge für Monitore oder für die Abhörmatrix sind als symmetrische Klinkenbuchsen ausgeführt. Auf der Rückseite finden wir dann auch noch eine MIDI-Schnittstelle mit Ein- und Ausgang.
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In der Mastersektion haben wir einen Kopfhörerausgang, der sich unabhängig in der Lautstärke regeln lässt, darüber hinaus haben wir hier noch den Regler für die Masterlautstärke, sowie einen Mono- und einen Dimtaster. Der Multitaster ist für Pro Tools frei programmierbar, ihm können Funktionen in der  Software zugewiesen werden.
Hardwareseitig bietet die Mbox Samplerates bis 96 KHz. bei einer Wortbreite von 24 Bit.  Der Anschluss an Mac oder PC erfolgt über die USB-Schnittstelle, die notwendige Stromversorgung stellt der USB-Bus des Rechners zur Verfügung, auf ein Netzteil wurde bei der Mbox 3 verzichtet.
Wie heute fast üblich, hat man bei der Mbox eine Soft-Limiter in die Eingangsstufe gebaut, um Übersteuerungen durch sehr dynamische Transienten abzufangen und Verzerrungen vorzubeugen. Dieser lässt sich ebenfalls von der Vorderseite für jeden Kanal separat zuschalten.
Die Mbox nimmt bis zu vier Spuren gleichzeitig auf, 2 analoge und 2 digitale, und kann auch bis zu vier Signale in der gleichen Konfiguration ausgeben. Aber nicht nur außen hat sich bei der MBox 3 etwas getan, auch im Inneren hat man bei Avid ein komplettes Re-Design in Angriff genommen. So wurde bei den Preamps nachgelegt und auch die Wandler sind von besserer Güte als bei den älteren Mbox-Modellen. So klingt die Mbox 3 nun transparenter und offener – und im gleichen Zuge hochwertiger.
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Was ich besonders schick finde: Die Box 3 hat einen integrierten DSP an Board, der in Verbindung mit einer eigenen Mix-Applikation latenzfreie Monitormischungen mit Effekten und allem drum und dran ermöglicht. Bei Aufnahmen lernt man dieses Feature schnell zu schätzen.
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Über eine kleine Mischerapplikation lassen sich die Hardware-Eingangssignale mit den Software-Returns aus der DAW mischen, so dass hier ein optimales Mischungsverhältnis geliefert wird. Die Zugabe von Effekten erfolgt über das kleine virtuelle Mini-Rack, welches insgesamt acht verschiedene Effekte anbietet. Besonders Gitarristen und Bassisten dürfte freuen, dass die Mbox-Software ebenfalls über ein integriertes Stimmgerät verfügt, so dass man schnell mal Instrumente nachstimmen kann.
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Selbstredend funktioniert die Mbox 3 nicht nur als Interface für die Pro Tools-Software, sondern auch mit anderen DAWs wie Logic oder Ableton Live. Der Hardwarecheck ergibt schon mal ein sehr positives Bild der neuen Pro Tools Hardware, schauen wir mal weiter, wie es sich mit der Software verhält.
Heiko Wallauer

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