Test: Native Instruments Skanner XT

Test: Native Instruments Skanner XT
Vom Design-Team, welches für die Entwickling von Reaktor verantwortlich war/ist kommt von Native Instruments Skanner XT, ein neu entwickeltes Reaktor-Instrument – unkonventionell, ausdrucksstark und hoch musikalisch.
Skanner XT verfolgt dabei mehrere Ziele: zum einen ist er ein eigenständiges Komplete Instrument, zum anderen Sound-Arsenal für REAKTOR 5 (Player)Benutzer. Teils Sampler und teils Synthesizer, macht Skanner XT sich eine neuartige Synthesizer-Architektur zu Nutze, die man bei Native Instrumetns Wave Scanning Synhtesis nennt. Durch die Wave Scanning Synthesis lassen sich eine Vielzahl von intensiven Sounds für zeitgenössische elektronische Musikproduktion und innovatives Sound-Design erstellen.

Dies basiert auf der Zuhilfenahme von zwei Oszillatoren und dem scannen eines Samples – daher wohl auch der Name des Plugins. Bei niedrigen Frequenzen liefert das Plugin eine Art Scratch-Sound, welcher durch Lesen des Samples in der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung entsteht. Bei höheren Frequenzen greifen Oszillatoren, deren Hüllkurvenverlauf von der Sample-Wellenform beeinflusst wird. Auf diese Weise liefert Native Instruments Skanner XT eine breite Palette an individuellen Sounds, angefangen bei knochigen, fetten und raunzigen Bässen bis zu Morphing-Soundscapes und organischen Modulationen.

Installation
Mit 216 MB ist der Download von Skanner XT ziemlich kompakt und schnell erledigt. Skanner XT benötigt Reaktor 5 oder den kostenlosen Reaktor 5 Player, beide ab Version 5.6.2. Reaktor 5 läuft plattformübergreifend unter OS X und Windows als Audio Unit, VST, RTAS oder als Standalone Player.
Die Unterschiede von Skanner XT in Reaktor Player und Reaktor 5 sind wie folgt:
In Reaktor 5 lassen sich SKANNER XT-Snapshots abspeichern, was mit dem Player nur als Plug-in in einem Projekt funktioniert.
Viel tiefgreifendetr dürfte aber sein, das man in Reaktor 5 auch eigene Samples in SKANNER XT importieren kann, was für Hardcore-User natürlich für den großen Reaktor spräche.
Getestet habe ich SKANNER XT unter Mac OS X 10.7.3 mit Studio One 2 als DAW und dem kostenlosen Reaktor Player.

Autorisation
Auch dieses Komplete Instrument wird wieder über das NI Service Center autorisiert. Man startet dafür einfach den Reaktor 5 (Player) und klickt dann den Activate Button im entsprechenden Instrument. Automatisch öffnet sich (Internetzugang vorausgesetzt) das NI Service Center und nach Eingabe der Seriennummer ist man schon fürs große Skannen bereit.

Interface
Die SkKANNER XT-GUI verfügt über zwei Grundansichten die auf verschiedenen Ebenen miteinander interagieren. Neben einer vereinfachten Seite „A“ mit dem Preset Morpher und vier Macro-Controls bietet eine zweite Ansicht „B“ Zugriff auf detailliertere Parameter, um tiefer in die Klangbearbeitung des Geräts einzutauchen.

In der „A“-Ansicht zeigt das Sampledisplay das gerade geladene Sample und die aktuelle Position des virtuellen Abspielkopfes.

Nit dem Global LFO beeinflusst man den LFO-Charakter und dessen Interaktion mit den Macro Controls sowie dem Preset Morpher. Dieser erzeugt einen linearen Übergang von Parametereinstellungen von einem Snapshot
zum Aaderen. Morphing bedeutet, dass jeder beeinflussbare Parameter kontinuierlich geändert wird, was einen linearen Crossfade von der Einstellung im ersten Snapshot zum neu gewählten erzeugt. Ein
Morph kann an jeder beliebigen Stelle gestoppt, umgekehrt oder durch andere Aktionen moduliert werden.
Natürlich lässt sich das Morphing auch innerhalb der DAW automatisieren oder einem Controller zuweisen, einen Joystickcontroller könnte ich mir hier gut vorstellen.

Mit den vier Macro Controls lassen sich übergreifende Parameter wie wie Source, Variation, Filter, Space und die zugehörigen Global LFO Controls beeinflussen.

Etwas komplexer geht es in der Ansicht „B“ zu. Hier haben wir eine aussagekräftige Synth Engine, mit reichhaltiger Parameterauswahl.

In der Polyphonic Processing Section wird das Signal in eine Kette von drei Signalverarbeitungseinheiten geführt, deren Ausgänge können mit dem Direktsignal gemischt werden, und deren Amplitude von einer zugeordneten Hüllkurve geformt werden.
Die Effektsektion ist eigentlich selbsterklärend: hier haben wir es mit einer Filtersektion zu tun, die sich zum Cabinetsimulator umfunktionieren lässt, weiterhin finden wir hier Echo/Flanger und Reverb.


Komplexer

SKANNER XT arbeitet mit Sample Lookup, einem Sample Playback Modul dessen Wurzeln in den
frühen Reaktortagen liegen. 24 grundlegende Wave-Samples umfasst die Library von SKANNER XT.
Das Signal am Eingang steuert die Abspielposition des geladenen Samples, dessen Wert ausgelesen wird und an die Ausgangsstufe übergeben wird. Das, was also hinten am Ausgang rauskommt hängt stark von den Werten ab, die am Eingang anliegen und die vom Sample zurückgegeben und durch die Oszis moduliert werden.
Hier verhält sich der SKANNER XT ganz ähnlich einem Wavetable-Synthesizer (wenn auch nicht genau so), kombiniert mit einem Waveshaper.
Läuft der Oszillator auf einer niedrigen Frequenz klingt das Ergebnis nach einer Art Scratching, nicht unähnlich eienr Vinylscheibe, die über die Nadel gezogen wird. Erhöht sich die Frequenz, klingt das Ergebnis eher nach Pitchshifter und Harmonizer.
In dem Teil des Samples, welches ausgelesen wird, kann der Mittelpunkt durch einen
einstellbaren Offset verschoben werden, was zu einer Modulation der Waveform in der Ausgangssektion führt.

Weiterhin lässt sich das Signal noch weiter modulieren, etwa über Amplituden-Modulation, Hüllkurven oder Filter.

Klingt zunächst natürlich erst mal sehr akademisch und technisch, macht aber Spass und ist intuitiv, egal ob man nun mit dem Presetmorpher arbeitet, oder ob man sich mit den erweiterten Möglichekiten des Skanner XTs auseinandersetzen möchte!

Soundbeispiele:
Der SKANNER XT klingt sehr gut, grundsätzlich eher nach digital als nach virtuell analog. Die Bässe knorzig, die Pads und Leads strahlend bis beissend.

Deshalb fangen wir auch gleich mal mit einem Pad-Sound an, der sich hohem Rechteckwellenanteil zum Ohr bringt.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/1_SkannerXT_RetroPad.mp3|titles=1_SkannerXT_RetroPad]

Auch mit Drone-Sounds versteht sich der SKANNER XT gut, das Sample könnte auch von einem Saiteninstrument stammen, dessen Decke zur Eigenschwingung angeregt wird.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/2_SkannerXT_Arctic-Drone.mp3|titles=2_SkannerXT_Arctic Drone]

Schön gespenstig tönt dieser Pad-Sound.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/3_SkannerXT_Erie-RetroPAd.mp3|titles=3_SkannerXT_Erie RetroPAd]

Hier rödeln sich die LFOs zu einem organsichen Soundscape.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/4_SkannerXT_Organic-Ambience.mp3|titles=4_SkannerXT_Organic Ambience]

Mit dem der Kombination aus Delay und 8 Pole-Filter lassen sich starke Sounds mit Artefakten und hohem Jitteranteil generieren.

[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/5_SkannerXT_Jittering-Ambience.mp3|titles=5_SkannerXT_Jittering Ambience]

Hier hab ich ein nettes Preset mit dem Titel Tectonic Wasteland gefunden – nice.

[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/6_SkannerXT_Tectonic-Wasteland.mp3|titles=6_SkannerXT_Tectonic Wasteland]

Hier haben wir einen Sound, den ich Richtung FM-Synthese getrimmt habe, um einen EBM/Electromäßigen Sound zu genenrieren.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/7_SkannerXT_Electronic-Frontier.mp3|titles=7_SkannerXT_Electronic Frontier]

Hier höre ich etwas Frühneunziger Synthie amerikansicher Prägung.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/8_SkannerXT_Alpha-Buzz.mp3|titles=8_SkannerXT_Alpha Buzz]

Hier bemühe ich den Flanger des SKANNER XTs, der sehr rund klingt.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/10_SkannerXT_Phased-Frontier.mp3|titles=10_SkannerXT_Phased Frontier]

Eher was aus der Special FX-Abteilung.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/11_SkannerXT_LaserGlider.mp3|titles=11_SkannerXT_LaserGlider]

Auch dieser Sound würde sich gut in einem Effekt-Setup machen.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/12_SkannerXT_ColliderGlider.mp3|titles=12_SkannerXT_ColliderGlider]

Was aus den tiefen des Weltraums, mit fiesem Klingeln.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/13_SkannerXT_Deoprtspace.mp3|titles=13_SkannerXT_Deoprtspace]

Ein Knochig digitaler Bass, mit trockenem Mittenspektrum der sich im Mix aber bestimmt gut durchsetzt.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/14_SkannerXT_BongLowbass.mp3|titles=14_SkannerXT_BongLowbass]

Hier haben wir den beschriebenen Scratch-Effekt auf den tiefen Frequenzanteilen, welche für den SKANNER XT charakteristisch sind.
[audio:http://frequenzwerk.de/wp-content/uploads/2012/06/15_SkannerXT_WarpWobble.mp3|titles=15_SkannerXT_WarpWobble]

Fazit:
SKANNER XT liefert endlich mal frische, unverbrauchte Sounds und ein außergewöhnliches Synthese-Konzept. Zwar mit den Ursprüngen in der digitalen Domäne, kopiert SKANNER XT aber nicht eine bekannte Hardware, sondern macht das, wofür der softwarebasierte Synthies eigentlich prädesstiniert sind, nämlich neuartige Klänge zu erzeugen.
Die Sounds klingen rauh, durchdringend und charakteristisch, sie setzen sich im Mix richtig gut durch. SKANNER XT empfiehlt sich zunächst mal für alle Spielarten der elektronsichen Musik, kann aber bestimmt auch Erfolge in Sci-Fi-Soundtrakcks feiern.
Da SKANNER XT auch noch zu einem äußerst fairen Preis angeboten wird, ist das Teil eigentlich ein No-Brainer, wenn man Sounds in dieser Richtung sucht.
Hier hat man bei Native Instruments einfach alles richtig gemacht.

Heiko Wallauer

Weitere Infos zu Skanner XT und die Systemvorraussetzungen findet Ihr hier.

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