Reisebericht: Saaremaa (Estland)

Unsere Estland-Reise im Sommer 2014 führte mich zum ersten Mal auf Saaremaa, die größte Insel Estlands und eine der größten in der Ostsee (hier gehen die Angaben auseinander – von zweit- bis viertgrößte ist alles dabei).

Saaremaa

Will man sich in Estland außerhalb von der Haupstadt Tallinn bewegen, empfiehlt es sich, wenn man mit Flugzeug oder Schiff anreist, auf jeden Fall einen Mietwagen zu nehmen, damit lässt sich die Reise flexibel gestalten.

Saaremaa erreicht man die meiste Zeit des Jahres über den Wasserweg mit der Autofähre über die vorgelagerte Insel Muhu.

Saarema2_Muhu

Die Überfahrt vom Festland nach Muhu dauert etwa 45 Minuten oder die Länge eines gemütlichen Cappucinos im Bordcafe. Die Fähren von und nach Muhu verkehren mehrmals am Tag und befördern neben Urlaubern Pendler und Güterverkehr. Von Muhu führt ein befahrbarer Damm über die Ostsee nach Saaremaa. Die Streckenführung animiert dazu, das Gaspedal durchzudrücken, aber Vorsicht, der estnischen Polizei ist diese „Rennstrecke“ bestens bekannt, weshalb es sich empfiehlt, denn Tacho im Auge zu behalten (außerorts auf Schnellstrassen liegt das Tempolimit bei 90 km/h!!!).

Hotelketten und Bettenburgen sind zum Glück Fehlanzeige auf Saaremaa 🙂 Meistens jedenfalls. Am ehesten findet man diese wohl in Kuressaare, der größten Stadt der Insel.

Für unseren Aufenthalt wählten wir das Örtchen Nasva. Dieses findet man im südlichen Teil der Insel, an der Mündung des Flusses Nasva.

Saaremaa Ferienhaus

Unsere Unterkunft war ein großzügiges Haus direkt am Ufer des Flusses, einige hundert Meter von der Flussmündung und dem Ostseestrand entfernt. Ferienhäuser in Estland habe ich bisher immer sehr komplett ausgestattet erlebt. Oft gehört auch die eigene Sauna zu einem Ferienhaus.

Saaremaa Fischerhütte

Saaremaa blickt auf eine lange maritime Tradition zurück, was sich im Stil der Häuser wiederfindet.

Saaremaa Nasva

Der Fluß Nasva ist im Sommer sehr ruhig, ab und zu läuft ein Boot in den Jachthafen ein.

Saaremaa Bank

Ein großartiger Platz also, um in der Sommersonne zu relaxen.

Nasva Wegweiser

Saaremaa liegt in einer kühl-gemäßigten Klimazone in milder Seewetterlage. Das heißt im Sommer mitunter Sonne satt mit Temperaturen um Durchschnittlich 20 Grad Celsius, mit Spitzen um die Mittagszeit bei 25 Grad, begleitet von einer herben Brise vom Meer her. Achtung: Sonnenbrandgefahr! Wenn man es merkt, ist es meist schon zu spät. Das Wetter kann aber auch schnell umschlagen – einem sonnigen Tag folgt eine stürmische Nacht und am nächsten Morgen haben sich wieder alle Wolken verzogen.

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Zwei Dinge lassen sich nicht nur auf Saaremaa, sondern in ganz Estland zelebrieren: Grillen…

Saaremaa Sauna Feuer

… und Sauna. Wie bereits erwähnt, die meisten estnischen Häuser auf dem Land und somit auch die meisten Ferienhäuser verfügen über eine eigene Sauna. Diese werden aber meist nicht wie in Deutschland mit Elektrizität beheizt, sondern mit Holz befeuert. Dies bringt einen ganz charakteristischen Charme mit sich, man sollte aber eine Sache nicht außer acht lassen: das Holzfeuer lässt sich weitaus weniger genau regeln. Wenn das Holz brennt, dann brennt es und die Temparatur steigt locker über 90 Grad Celsius.

Saaremaa Strand Gras

Saaremaa verfügt über wunderschöne Strände, die sich am besten im Rahmen einer Radtour „erfahren“ lassen. Auch wenn der Tourismus einer der ökonomischen Hauptfaktoren der Insel darstellt und mancher Este der Meinung ist, Saaremaa sei schon total überlaufen, aus Deutschland kommend empfinde ich die Strände als herrlich einsam. Man darf dabei aber bestimmt auch nicht außer acht lassen, dass die Bevölkerung Estlands ca. 1.4 Millionen Menschen zählt (zum Vergleich: Hamburg hat etwas um 1.7 Millionen Einwohner), auf den Quadratkilomter kommen hier 28 Einwohner, in Deutschland um 228.

Saaremaa Strand

Saaremaa empfinde ich als ideal um Erholung und Ruhe zu finden – ausschlafen satt. In Deutschland bin ich spätestens um acht Uhr früh wach, egal wie spät es war. Auf Saaremaa schaffte ich es locker bis 10, zum Frühstück musste man mich regelrecht mit Gewalt wecken. Umso erstaunlicher, weil es im Sommer nachts eigentlich nicht richtig dunkel wird. Auch um
Mitternacht ist es fast noch taghell, maximal wird es etwas dämmrig.

Am Tag bieten sich allerlei sportliche Aktivitäten an, egal ob Touren mit dem Fahrrad, schwimmen, joggen, Kanu-Touren, Bootsausfahrten oder wandern, Saaremaa bietet vielfältige Möglichkeiten.

Wer im Winter die Insel besuchen möchte, kann je nach Wetterlage in den Genuss kommen, über die sogenannte Eisstrase auf die Inseln zu fahren. Dazu muss es aber kalt genug und die Ostsee ausreichend dick zugefroren sein. Außerdem muss auch der Rest des Wetters mitspielen. Wir mussten 2012 die Fahrt abbrechen, weil auf Grund von Orkanböen die Überfahrt mit dem Auto nicht möglich war.

Estland Eisstrasse

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