Musiktipp: Ty Tabor – Nobody Wins When Nobody Plays

King’s X-Gitarrist Ty Tabor bittet mit seinem Solo-Album an den Pokertisch und gibt mit „Nobody Wins When Nobody Plays“ die Karten aus. Dabei kommt ein vielschichtiges Progressive Rock-Album mit allen typischen Tabor-Trademarks heraus, getragen von knackigen Gitarrenriffs und mehrstimmigen Gesangsharmonien.

Jeder einzelne der zwölf Songs erzählt eine eigene Geschichte und legt jeweils einen eigenen Fokus auf Ty Tabors Markenzeichen. Das unterscheidet Tys Soloalben und Nebenprojekte von King’s X, denn obwohl ich die Band wirklich schätze, bei übermäßigem Genuss stellt sich manchmal doch ein Gefühl der Übersättigung ein.
Nicht so aber auf „Nobody Wins When Nobody Plays“.

Das Album startet mit dem psychedelisch-trippigen „Tripped Inside Again“. Mit groovigen Gitarrenriffs in „Time To See“ und „Senseless Paranoia“ nimmt das Album Fahrt auf, während das melodische „So Much Time“ das Tempo etwas zurücknimmt.
Weitere Highlights sind das Beatleeske „Call In A Mystery“ und das Kraftpaket „Go Missing“ sowie der abschließende Titeltrack.

Ty Tabor hat auf dem Album ziemlich viel selbst erledigt, vom Gesang über die Gitarrenarbeit bis zur Produktion. Die ist Tabor richtig gut gelungen, denn „Nobody Wins When Nobody Plays“ klingt richtig schön vintage und nach analog, auch wenn das bestimmt nicht der Fall bei der Aufnahme war. Die Drums klingen offen und wenig komprimiert, ganz im Stil von den 70ern, nach Kansas oder den Dixie Dregs. Rod Morgenstein fällt mir hier immer wieder beim Hören ein. Die Gitarren klingen auch eher nach gepflegtem Crunch statt nach High Gain-Verzerung, was ich im Kontext der Produktion als sehr angenehm empfinde. Also weniger „Dogman“ und mehr „Gretchen Goes To Nebraska“, um das mal in eine King’s X-Terminologie zu bringen. Auf aktuellen Fotos sieht man Tabor meist mit einer Les Paul, was erst mal eine ungewöhnliche Wahl zu sein scheint.

Seine Karriere begann Tabor mit einer Fender Elite Strat, eine eher unbeliebten 80er Variante der Stratocaster. Zu „Dogman“-Zeiten bewunderte ich Ty wegen seiner Zion-Signature-Gitarre und auch die Yamaha RGX-TT würde ich gerne mal besitzen.

Wer sich für Tys Equipment bis zur Dogman-Ära interessiert, findet hier recht detaillierte Informationen.

Nach einigen kleineren Herstellern wie Guilford Guitars präferiert Ty Tabor nun wohl das Gibson-Lager, zumindest sieht man ihn auf seiner Facebook-Seite und im Internet immer öfter mit Les Pauls. Und Orange Amps. Auch das passt zum Sound von „Nobody Wins When Nobody Plays“.

Somit gerät „Nobody Wins When Nobody Plays“ dann auch zum Royal Flush, dass nicht nur King’s X-Fans begeistern kann, sondern jeden Anhänger intelligent gemachter Rockmusik und von interessanten Gitarrenarrangements.
Ty Tabor hat hier echt ganze Arbeit geleistet!

Heiko Wallauer

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Heiko, danke für den Tipp. Auf die CD wäre ich sonst wohl nicht aufmerksam geworden. Ich mag viele King’s X-CDs und werde die Scheibe von Ty Tabor mal die nächsten Tage in Ruhe probehören. Für heute ist es zu spät dafür …
    Viele Grüße, Ulf
    P. S.: Hast du dir mal Twelve Foot Ninjas „Silent Machine“ angehört? Das finde ich eine der spannnendsten CDs, die ich dieses Jahr entdeckt habe, sofern man nichts gegen krachende Gitarren (aber da ist mehr) hat …

    • Hallo Ulf,

      Es scheint (zum Glück) mal wieder an der Zeit für anspruchsvollere Rockmusik zu sein, auch wenn das meiste abseits der großen Labels stattfindet. Was ja aber nicht. Schlecht sein muss, Internet, Youtube und Social Media sei Dank. Twelve Foot Ninja habe ich mir heute mal angehört, ich glaube die CD werde ich mir auch besorgen müssen, wirklich eine sehr interessante Mischung an ganz unterschiedlichen Stilelementen.

      Viele Grüße,

      Heiko

  2. Ich habe mir in iTunes das Album jetzt mehrmals angehört (klar, nur die 90-Sekunden-Ausschnitte), aber so richtig warm geworden bin ich damit nicht. Gekauft habe ich mir jetzt aber einen Song, der mir gut gefällt: „Nobody Wins When Nobody Plays“. Den findei ch wirklich sehr stimmungsvoll. Aber den Rest schenke ich mir.
    Viele Grüße, Ulf

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