Musiktipp: The Tea Party – The Ocean At The End

In den 90ern und anfänglichen 2000ern waren The Tea Party eine meiner erklärten Lieblingsbands, Alben wie Triptych, Transmission und vor allem das Meisterwerk The Interzone Mantras waren in meinem CD-Player über Jahre auf Dauerrotation. Bis die Band sich dann 2005 überraschend auflöste. Jetzt fast 10 Jahre später, legen The Tea Party mit The Ocean At The End überraschend ein neues Album vor.

Dabei knüpfen Jeff Martin (Gesang, Gitarre, Sitar, Sarod, Oud, Banjo, Mandoline), Stuart Chatwood (Bass, Gitarre, Keyboard, Harmonium, Percussion) und Drummer und Percussionist Jeff Burrows ziemlich genau da an, wo sie 2004 mit Seven Circles aufgehört haben.

The Tea Party The Ocean At The end

Schaut man sich die Instrumentierung an, kommt man nicht umhin festzustellen, das bei The Tea Party neben der klassischen Rock’n Roll Instrumentierung auch exotischeres Instrumentarium im Line-Up befindet. Denn schon immer haben es The Tea Party verstanden, schwere Led Zeppelin-Riffs und Grooves mit elektronischen Loops und Samples und Indian- und Middle-Eastern-Einflüssen in Einklang zu bringen. Oft genug ist dies ja ein schwieriges Unterfangen, dass bei vielen Bands nicht selten damit endet, dass man eben mal einen Tabla-Loop über die Knarzgitarre schiebt und das dann versucht als World Music-Einflüsse der Hörerschaft nahe zu bringen.
Dabei trifft vor allem Jeff Martins Gesang meinen Hörnerv, denn mit seinem ausdrucksstarken Bariton, der gerne auch mit Doors-Frontmann Jim Morrison verglichen wird, drückt er The Tea Party immer wieder seinen Stempel auf und fügt die ganz unterschiedlichen Stilelemente zusammen.
Der Opener The LoC geht da forsch nach vorne los, ganz in bester Led Zeppelin-Tradition, unterstützt von Jeff Martins Gesangsharmonien, aufregende Gitarren-Licks und energischen Drumming. The Black Sea ist tückisch, pendelt die Nummer doch nahtlos zwischen dem weichen, leichten Vers und dem dunklen, heftigen Chorus.

The Maker kommt mir irgendwie bekannt vor, da die Nummer aber zu 100% nach The Tea Party klingt, bin ich zunächst der Meinung, dass es sich um die Neuinterpretation einer alten Nummer handelt. Doch weit gefehlt, ist eine Coverversionen von einem Daniel Lanois-Song, denn ich auch in meiner Sammlung habe. Black Roses lullt uns dann mit kleinen Gitarrenlicks und einschmeichelnden Harmonien ein, während mit Brazil dann der WM-Song der anderen Art aus, auch wenn diese schon vorbei ist. Trotzdem transportieren die energetischen Rhythmen das Lebensgefühl der Brasilianer gepaart mit einer schwer groovenden Rocknummer.
Mit The 11th Hour versprühen The Tea Party dann reichlich Doors-Pathos, während Submission zu einem ausgereiften Electro-Rock-Track und zu einem meiner persönlichen Highlights des Albums gerät.
The Cass Corridor ist krachiger, knarzender Blues auf Tea Party Art, den auch Jack White nicht eindringlicher hätte spielen können.
Water’s on Fire bereitet uns dann auf den achtminütigen, epischen Titeltrack vor.

Dieser beginnt harmlos mit Meeresrauschen und einschmeichelnden Flötenklängen von Jethro Tulls Ian Anderson. Das Lied wandelt sich dann aber zu einem wahren Inferno aus schweren Riffs und Noise, ein wunderbares immersives Klangerlebnis, mit elektrisierender Gitarrenarbeit und lebendig programmierten Synthesizern. Into The Unknown schließt dann das Album als Instrumentalstück mit einer beklemmenden Ambientnummer ab, die auch gut als Soundtrack zu einem Horrorstreifen taugen würde.
Aufgenommen wurde das Album in Kanada, produziert und arrangiert von Jeff Martin selbst. Am Pult saß David Bottrill als Engineer, der in der Vergangenheit schon für Rush, Muse,Peter Gabriel oder Tool die Fader geschoben hat. Und gerade Muse oder Tool kann man gerne als Referenz für die Mischung dieses Albums heranziehen.
The Ocean At The End ist ein würdiges Comeback einer großartigen Band, dass geradlinig konzipiert ist und auch neuen Hörern den Einstieg in die Welt von The Tea Party leicht macht.

The AU Review bedient The Party Fans auch noch mit einem zweiteiligen Interview mit Jeff Martin auf Youtube, der hier über die Hintergründe zum neuen Album spricht.

Ebenfalls bei Youtube gibt es eine tolle Live-Aufnahme vom The Edges Of Twilight-Klassiker The Bazaar.

Heiko Wallauer

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