Musiktipp: Steve Lukather All's Well That Ends

Auch wenn einem der Name Steve Lukather im ersten Moment nicht geläufig ist: von dem Mann hat bestimmt schon mal jeder was gehört (im wahrsten Sinne des Wortes), war Luke neben seiner Funktion als Gitarrist der Ami-Mainstreamrocker Toto in den 80ern doch einer der angesagten und meistgebuchten Studiomucker in Los Angeles. Ich weiß nicht mal, ob Lukather überhaupt noch eine Vorstellung hat, auf wie vielen Produktionen er in die Saiten gelangt hat, einige tausend sind es aber mit Sicherheit. Mit All’s Well That Ends legt der Gitarrist nun sein neues Solowerk vor…..

….und das ist eine richtiges Monster. Aber der Reihe nach: seinen eigenen Angaben zufolge hatte Lukather im letzten Jahr mit einigen persönlichen Rückschlägen zu kämpfen, die er in Musik kanalisierte.

Textlich ist All’s Well That Ends auch wahrlich keine leichte Kost, und ich hätte dem ewigen Spaßguerilla Lukather keine so finsteren Themen zugetraut, wie er sie auf dem Album auch als Sänger zu Gehöhr bringt.
Darkness In My World, Can’t Look Back oder Don’t Say It’s Over klingen so gar nicht nach kalifornischer Sonne und lockerem Radiorock und das oberflächlich beschwingte On My Way Home bringt eine gehörige Portion Zynismus mit, und hat so gar nichts mit Toto-Nonsenstiteln wie Georgie Porgy gemein.

Auf der anderen Seite wäre Luke nicht Luke, wenn er trotz aller schweren Themen nicht ein amtliches Rockbrett zimmern könnte.

Und das schafft er auf All’s Well That Ende wieder auf’s Neue. Musikalisch eh über jeden Zweifel erhaben, kümmert sich Lukather herzlich wenig um Radioformate und Chartsvorgaben, dass hat er mit 52 jetzt auch nicht mehr nötig. Statt dessen gibt es weitläufige Songs mit vertrackten Grooves und modalen Wechseln. Auch so manch epischer Akkord schleicht sich mit ein, eine Qualität die man eigentlich eher mit Alex Lifeson in Verbindung bringt. Manchmal erinnern die Songstrukturen an progressiven Rock im positiven Sinne. Als Gitarrist ist Lukather eh eine Bank, sein Spiel ist geprägt von deftigen Powerchords, die von geschmackvollen Legatolinien kontrastiert werden, groovigen Singlenote-Lines und auch das ein oder andere Gitarrenhelden-Solo hat sich auf diese Produktion verirrt, am prominentesten vielleicht in Can’t Look Back.

Verändert hat sich aber Lukes Gitarrensound: war er in den 80ern der Protagonist in Sachen Racks und Processing und somit der beste Kunde von Bob Bradshaw, so reicht ihm heute seine Music Man Luke – Gitarre und ein gut zerrender Amp. Seine Ideen in Sachen Soundprocessing und Design bringt er heute viel besser in Sachen Earcandy zum Ausdruck, so strotzt dieses Werk von kleinen Soundspielereien und ungewöhnlichen Klängen, deren Ursprung vielleicht mal eine Gitarre war, welche aber zur Unkenntlichkeit bearbeitet wurde, zum Beispiel in Watching The World.
Vieles davon ist beim ersten Hören noch gar nicht offensichtlich und erschließt sich erst nach mehreren Durchlaufen. Musikalisch gibt Luke sich abwechslungsreich, angefangen beim verstrickten Darkness in My World, über rockige Nummern wie Can’t Look Back oder Flash In The Pan, welches mit fulminantem Picking und Twangsound aufwartet, bis zum abschließenden Instrumental Tumescent.

Die Arrangements halten das auch locker durch, die Kompositionen sind packend und mit sehr viel Überzeugung vorgetragen, und das ist auch 2010 noch immer ein Volltreffer! Ich habe das Album blind gekauft, ohne mir vorher einzelne Songs anzuhören und dann ob des hohen Suchtfaktors vier Mal in Folge durchhören müssen.
Heiko Wallauer

 

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