Musiktipp: Imelda May – Tribal

Als Gitarrist fühle ich mich zeitweise hin- und hergerissen, ganz wie Jeff Beck (ohne natürlich an dessen spielerische Klasse heranzureichen), denn auf der einen Seite experimentiere ich gerne mit modernen Sounds, Loops und Produktionsmethoden, auf der anderen Seite führt mich mein Weg immer wieder zu traditionellem Rockabilly und Rock’n’Roll zurück. Und so kriege ich dann auch die Kurve zu Imelda May, denn sie hat mit Jeff Beck zusammen auf Rock ’n‘ Roll Party (Honoring Les Paul) eine eben solche zelebriert. Mit Tribal liegt nun das neue Solo-Werk der talentierten irischen Sängerin vor.

Tribal ist das vierte Album von Imelda May, und der Titel ist Programm. Denn von Beginn an schreiten Imelda May und ihre Band zupackend und begeisternd mit ihrer Mischung aus Rockabilly und Rock’n’Roll -garniert mit Jazz-und Blues-Elementen- voran. Auch wenn Tribal viel mehr nach Garage klingt als der Vorgänger Mayhem. Denn Gitarrist und Imeldas Ehemann Darrel Higham zündet gleich den Overdrive und lässt im Opener gleich einige scharfe Licks vom Stapel. Wild Woman drückt weiter aufs Gaspedal, während It’s Good To Be Alive locker vor sich hingrooved.

Imelda May Tribal
Cover Front

The Gipsy In Me und Little Pixie nehmen das Tempo dann etwas zurück, während Hellfire Club gekonnt Tarantino-Vibes versprüht. Mit Five Good Men wird dann weiter gerockt, was sich dann auch bis zum letzten Song Right Amount Of Wrong so durchzieht. Die zwölf Songs auf Tribal bleiben aber immer abwechslungsreich und überraschend, nicht zuletzt gestützt von der variablen Stimme der Sängerin und der Gitarrenarbeit. Diese beiden Elemente wickeln
den geneigten Zuhörer nämlich um den Finger, ohne eine Chance auf Entkommen.
Die Produktion klingt für Rockabilly überraschend modern und powervoll und dürfte so manchem Puristen vielleicht schon too much sein, objektiv betrachtet klingt die Abmischung aber druckvoll, transparent und auf der Höhe der Zeit. Für mich passt das gut zusammen: Musiker, die Ihr Handwerk verstehen, den Geist der goldenen Rock’n Roll-Ära herauf beschwören und trotzdem zeitgemäß klingen. Tribal versprüht den Charme von schwarzen Lederjacken, Hollowbodygitarren und Hot Rods mit massig PS und Hubraum. Im Moment gibt es fast nichts besseres! Imelda May ist im November auf Deutschland-Tournee und spielt am 27.10.2014 in der Markthalle in Hamburg. Ich habe meine Tickets schon!

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