Musiktipp: Coheed & Cambria

Je weiter sich der Vertrieb von Musik auf den Online-Sektor verlagert, um so öfter beobachte ich, wie sich mein Konsum- und Kaufverhalten ändert, aber vielleicht nicht wie vermutet – wie im von Falle Coheed and Cambria.

Zugegeben: Ich fand schon immer Bands faszinierend, die es schafften, einen Spannungsbogen über ein oder mehr Alben auszudehnen und fortzuführen. Kein Wunder also, dass ich bei Pink Floyd, Rush, Yes, Psychotic Wlatz oder den Fields Of The Nephilim landen musste. Und auch wenn es die Vertriebsstruktur über iTunes und Co. immer weiter ermöglicht, sich mit einzelnen Songs ausgesuchter Künstler zu versorgen, um so mehr stelle ich fest, dass ich Bands bevorzuge, die mehr als nur den berühmten 3:30-Geistesblitz hatten. Seien es nun Tool, Porcupine Tree, Steven Wilson oder eben Coheed and Cambria.
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Diese Band komponiert keine Konzeptalben, Coheed and Cambria sind vielmehr ein multimediales Gesamtkonzept, welches eine zusammenhängende Science-Fiction-Geschichte erzählt. Alle Facetten hier auseinander zu pflücken ist schlichtweg unmöglich, so verwoben ist die Geschichte mittlerweile, aber für Interessierte bietet das Internet viele Quellen.
Die Band erzählt die Geschichte von dem Ehepaar Coheed and Cambria Killgannon, zwei Wächtern des Keyworks, welches 78 Sternensysteme des Universums umfasst. Auf einer Mission wird der Mann Coheed von einer Libelle mit dem Virus Monstar infiziert, welches nach seiner Aktivierung die Apokalypse heraufbeschwören soll. Coheed gibt eine Mutation des Virus an seine vier Kinder weiter, welches am 23. Geburtstag der Träger das Universum ebenfalls aus den Angeln hebt. Coheed tötet daraufhin drei seiner Kinder, lediglich sein Sohn Claudio kann entkommen. Cambria findet als letzte Wächterin des Keyworks ebenfalls den Tod. Somit stehen sich nun Coheed und Claudio gegenüber, das Schicksal des Universums zu besiegeln.
Im Grunde fühle ich mich hier irgendwie an Perry Rhodan erinnert, dem Jörn ja aktuell wieder sehr zugetan ist.
So behandeln auch die Alben von Coheed and Cambria unterschiedliche Aspekte des Handlungsrahmens.
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Musikalisch bewegt sich die Band in dem Genre, welches man gerne als New-Prog bezeichnet, ich spüre hier eine deutliche Verwandschaft zu Bands wie Tool oder Porcupine Tree.
Das heißt, Riffs werden verschachtelt, rhythmisch ist das ganze sehr komplex angelegt, meist herrscht eher eine düstere Grundstimmung in den Songs. Neben dem Gesang domieren ganz klar die Gitarren.
Was Coheed and Cambria auszeichnet, ist die Tatsache, dass die Band ein Händchen für schlüssige Songs und eingängige Hooklines hat. Sänger und Gitarrist Claudio Sanchez gelingt es ein ums andere Mal, schöne, interessante Melodien zu zaubern, die den komplexen Songs den notwendigen Wiedererkennungswert geben und im Kontrast zu den Teils Stakkato-lastigen Gitarrenriffs stehen.
Bei dem Gesang von Claudio Sanchez meinte ich im ersten Moment, er wäre ein Neffe von Geddy Lee, gleicht die Stimmlage doch frapierend der des Rush-Sängers und Bassisten. Da ist es schon fast etwas kokketierend, dass der Ex-Drummer der Band behauptet, von Rush erst nach den Aufnahmen des zweiten Albums gehört zu haben. Für Rockmusiker aus den USA fast nicht zu glauben.
Travis Stever bildet mit seinen komplexen Gitarrentexturen den Gegenpart zu Sanchez, das Gitarrenspiel der beiden Musiker ergänzt sich hervorragend.
Das nötige Rhythmusfundament liefernin der aktuellen Besetzung Michael Todd am Bass und Drummer Chris Pennie, die akzentuiert zu Werke gehen.

Möchte man richtig in die Geschichte einsteigen, sollte man natürlich mit The Second Stage Turbine Blade loslegen, und sich über In Keeping Secrets of Silent Earth: 3, Good Apollo, I’m Burning Star IV Volume One und Two zu Year of the Black Rainbow vorarbeiten. Persönlich würde ich vom musikalischen Standpunkt für den Anfang die beiden Alben Good Apollo, I’m Burning Star IV Volume One und Two empfehlen, enthalten diese doch die Kracher Welcome Home, Ten Speed (Of God’s Blood and Burial), The Suffering ( Good Apollo, I’m Burning Star IV Volume One), No World for Tomorrow, The Hound (of Blood and Rank) und The Running Free (Good Apollo, I’m Burning Star IV, Volume Two: No World for Tomorrow).
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Year of the Black Rainbow fand ich bei den ersten Durchläufen ungemein sperriger und spröder, denn krachige Industrialpercussions und Noisesamples nehmen dieses Mal mehr Raum ein und lassen die typischen Coheed and Cambria-Hooks etwas verwischen. Diese findet man trotzdem in Here we are Juggernaut oder When Skeletons Live, trotzdem hätte ich mir produktionstechnisch manchmal etwas Zurückhaltung gewünscht. Konzeptionell bildet Year of the Black Rainbow die Prequel zu den anderen Alben und führt in die Geschichte ein. Hat uns ja schon George Lucas vorgemacht.
Geht man mal in die Tiefe, wird man als Freund härterer Gitarrenklänge schnell feststellen, dass Coheed and Cambria heute zu den interessantesten und vielschichtigsten Acts dieses Genres gehören.
Heiko Wallauer

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