Musik-Tipp: Steven Wilson – The Raven That Refused to Sing

Steven Wilson, der am härtesten arbeitende Mann im Prog-Rock hat mit „The Raven That Refused to Sing“ einen neuen Meilenstein in seiner Karriere veröffentlicht, welchen er mit seiner Live-Besetzung von der Get All You Deserve-DVD in Los Angeles aufgenommen hat. Mit einem Unterschied, denn den Platz an der Leadgitarre begleitet nun „Professor Shred“ Guthrie Govan.


Hinterm Mischpult saß niemand geringeres als Alan Parsons, seines Zeichens bei Meisterwerken wie Pink FLoyds „Dark Side of the Moon“ produktionstechnisch federführend.

Waren die Vorgänger „Insurgentes“ und vor allem „Grace for Drowning“ eher introvertierte Zustandsbeschreibungen, so wird „The Raven That Refused to Sing“ von einem eklektischen Ansatz dominiert, der weit über das von den beiden ersten Alben bekannte hinaus geht.

Alles, was bisher auf Steven Wilson Solo-Alben Blüten trieb, findet man aber natürlich auch hier. Ein Hauch der frühen King Crimson, Remineszenzen an die alten Gensis wie auch Einflüsse aus der eletronischen Musik.

Der Opener „Luminol“ beginnt erstaunlich flott, mit einem treibenden Basslauf von Nick Beggs, der an Chris Squire erinnert. Im Zusammenspiel mit Marco Minnemann am Schlagzeug ergibt sich so ein dichtes rhythmisches Fundament, das neben der Gitarrenarbeit von Wilson und Govan die Songs nach vorne trägt.

Der zweite Track ist ruhiger daher, gespickt mit großartigen Melodien und dichter Atmosphäre. Der Höhepunlt des Songs ist das laut SW komplett improvisierte Gitarrensolo, welches Alan PArsons quasi als First Take eingefangen hat.

„The Holy Drinker“ ist dann nicht SWs Bekenntnis zum Alkohol, sondern ein stimmiger Song, der sich der besten Progressive Rock-Tradition verpflichet sieht. Großartig, majestätisch, düster.

„The Pin Drop“ ist mit knapp fünf Minuten der kürzeste Song auf „The Raven That Refused to Sing“, mit einer ungewöhnlichen Herangehnsweise von Steven Wilson an seine Gesangsarbeit.

„The Watchmaker“ beginnt überraschend gedämpft, mit gedrosseltem Tempo und steigert sich dann zu einem düsteren, harten Rock-Track, bei dem Bass und Schlagzeug wieder den Ton angeben. Vor allem das „YYZ“-Zitat von Nick Beggs und Marco Minnemann gefällt mir als Rush-Fan natürlich besoners, ist es doch eine ganz besondere Veneigung vor meiner Lieblingsband.

„The Raven That Refused to Sing“ bildet dann den Höhepunkt und das Finale des Albums, in der Steven Wilson in acht Minuten den Song mit sehr viel Bedacht aufbaut, um dem Album einen würdigen Abschluß zu bescheren.

Steven Wilsons Neuorientierung hat seiner Solo-Karriere merklich gut getan. Waren seine verherigen Alben eher die Werke eines introvertierten Genies, der sich immer nur an dezidierten Stellen der Mithilfe von Mitmusikern wie Gavin Harrison oder Tony Levin versicherte, so bringt das neu-entdeckte Bandgefühl „The Raven That Refused to Sing“ deutlich nach vorne.

Ein geniales Album von einem genialen Musiker und seiner großartigen Band.

Heiko

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