Musik-Tipp: Sound of Contact – Dimensionaut

Progressive Rock, oder besser bekannt als „Prog-Rock bekannt, ist ein Genre, das seinen Höhepunkt in den 1960er und 1970er Jahren hatte, mit Bands wie Pink Floyd, Yes und Genesis, welche die Bühnen der Welt dominierten. Aber der Prog-Rock fraß sich selbst auf, denn immer abgehobener und weniger nachvollziehbar wurden die Produktionen, bis schließlich der Punkrock dem Prog-Rock massiv in den Arsch trat. Yes retteten sich mit „90125“ ins kommerziell erfolgreiche Hardrock-Genre, Pink Floyd schufen sich nach Roger Waters Weggang ihre eigne Liga und Genesis verfielen spätestens mit „We Can’t Dance“ in Pop-Dünnbrettbohrerei und wurden zum kommerziell verlängerten Arm von Phil Collins. Das war es dann also mit dem Prob-Rock? Nein, nicht so ganz, den im Untergrund brodelte es weiter und irgendwann schafften Tool es mit epischen Werken und nonkonformistischem Auftreten bis an die Spitze der internationalen Charts und ausverkauften Konzerthäuser. Spock’s Beard folgten und spätestens Porcupine Tree und Steven Wilson nahmen den goldenen Faden der 60er und 70er auf und rückten den Prog-Rock wieder in den Mittelpunkt für den anspruchsvollen Musikliebhaber. Sound of Contact reihen sich da nahtlos in die Reihe der neuen, unverbrauchten Progressive Rock Bands ein.

Wobei ich selbst der Band zunächst mal sehr kritisch gegenüber stand: den der Sänger und Drummer von Sound of Contact hat mit einem durchaus schweren Erbe zu kämpfen, ist Simon Collins doch der Sohn von Phil Collins, und er singt eben nicht nur, sondern spielt auch gleichzeitig noch Schlagzeug, ganz wie sein alter Herr. Schwere Vorraussetzungen also für das Debütwerk „Dimensionaut“. Oder doch nicht?


Simons Vocals klingen auf Dimensionaut nicht immer unbedingt vodergründig nach dem alten Phil, Simon gibt eher einen guten jungen Peter Gabriel ab. Schlagzeugtechnisch hält er es allerdings mit seinem Vater und kann mit dessen Skills an den Stöcekn locker mit, denn spielerisch ist er über jeden Zweifel erhaben und der Drumsound auf „Dimonsionaut“ zeigt sich sehr stark von Phil Collins und den alten Genesis beeinflusst. Aber auch der Rest der Band kann technisch locker mit den Fähigkeiten des Bandleaders mithalten – Matt Dorsey demonstriert seine beeindruckenden Fähigkeiten an Gitarre und Bass , Dave Kerzner gibt den Magier an den Keyboardtasten. Live hat sich die Band auf der aktuellen Tour an der Gitarre mit Porcupine Tree-Gitarrist John Welsey verstärkt und ich würde mir wünschen, den Mann aus Florida auf dem nächsten Album zu hören.

„Dimensionaut“ ist ein Konzeptalbum, ihm liegt ein Science Fiction-Konzept zu Grunde: es geht es um den Raum- und Zeitreisenden Dimo, der die Grenzen menschlicher Erfahrungen erweitern will.
Respekt hierfür, denn akutell gibt es kaum Bands, die sich so umfassend konzeptmäßig mit einem Thema auf Albumlänge auseinandersetzen.

Die Marschroute des Album ist klar, spricht es doch ohne Kompromisse den Prog-Rock/Metal Aficionado an. Mit Songs wie dem instrumentalen „Cosmic Distant Ladder“ und dem 19 Minuten Epos“ Möbius Slip‘ bringen Sound Of Contact wieder die Atmosphäre von Bands wie Yes oder King Crimson zurück, spendieren diesen Einflüssen aber eine moderne Frischzellenkur. Da gibt es angenehme Überraschungen in Form von „Closer to You“ und „Beyond Illumination“, letzteres mit derbezaubernden Gastsängerin Hannah Stobart.
Weitere Highlights sind „Only Breathing Out“, dominiert von Perl-Piano und Simon Collins fantastischen wie eindrucksvollen Vocals.

„Dimensionaut ist ein starkes Debut von Sound of Contact. Es ist technisch brillant und ist ein Muss für jeden Prog-Rock-Fan. Wer Porcupine Tree oder die Solo-Alben von Steven Wilson mag, fühlt sich auch von Sound OF Contact verstanden und wird hier sicher nicht enttäuscht.

Heiko Wallauer

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