Musik-Tipp: Chris Stapleton „From A Room: Volume 1“

Handgemachte Musik aus der Music City Nashville, dafür steht Chris Stapleton derzeit wie kein anderer Country-Sänger. Mit seinem neuen Album „From A Room: Volume 1“ legt er nun den lange erwarteten Nachfolger zu seinem Solo-Debüt „Traveller“ aus 2015 vor, und schon im Vorfeld stellte man sich als Fan die Frage, wie man dieses Ausnahmealbum überhaupt noch übertreffen könnte.

Allerdings muss man sich bewusst machen, dass Chris Stapleton kein musikalisches Greenhorn ist, vor seiner Solo-Karriere spielte er bei der Bluegrass-Band The Steeldrivers und der Southern Rock Band The Jompson Brothers, ebenso schrieb er Songs für unter anderem Joss Stone, Adele, Kenny Chesney und Sheryl Crow.

Chris Stapleton From A Room: Volume 1

Wie auch schon „Traveller“ zeichnet „From A Room: Volume 1“ (benannt nach dem legendären RCA-Studio in Nashville) durch ein Höchstmaß an Authentizität und Bodenständigekit aus, hier wirkt nichts gekünstelt oder am Computer konstruiert und zusammeneditiert.
Songs wie „Broken Halo“, „Last Thing I Needed, First Thing This Morning“, „Them Stems“ oder „Death Row“ werden getragen von Stapletons rostig-kerniger Stimme und dem knochig-twangigen Gitarrensound der hier aber, im Gegensatz zum staubtrockenen „Traveller“ mitunter mit einem guten Schuss Reverb angereichert wurde. Die Band nimmt sich zurück und spielt reduziert auf den Punkt, dass Icing bilden die Harmony Vocals von Chris Frau Morgane Stapleton und die Pedal Steel von Robby Turner.

Auch wenn „From A Room: Volume 1“ mit neun Songs recht kompakt geraten ist – hier sitzt jeder Ton da wo er hingehört. Unnötige Längen kennt das Album nicht und so schafft es „From A Room: Volume 1“ auch innerhalb eines Tages in meine persönliche Heavy Rotation.
Musikalisch sehe ich Chris Stapleton in der Tradition von Country-Größen wie Waylon Jennings, Willie Nelson, Johnny Cash oder Kris Kristofferson (die man zusammen auch als The Highwaymen kannte), mit seiner Outlaw-Attitüde setzt sich Stapleton von weichgespülten Reißbrettkünstler meilenweit ab. Wer sich also fragt, ob es neben Formatradio und 0815-Castingshows noch ehrlich-gemeinte und handgemachte Musik gibt – Chris Stapleton heißt der Erlöser.
Produziert wurde das Album von Dave Cobb, der das Studio A in letzter Minute vor dem drohenden Abriss rettete, und sich durch seine Arbeit mit Chris Stapleton, Jason Isbell und Sturgill Simpson in die Riege von Nashvilles Top-Produzenten katapultierte.

Da kommt es also nicht von ungefähr, das die Alben von Stapleton, Sturgill Simpson und Jason Isbell im Moment für mich die Referenz in Sachen Tonkunst und Ästhetik sind. Nach Jahren des Loudness Wars endlich mal wieder ein Sound der dynamisch atmet und mit Tiefenstaffelung eine Räumlichkeit erzeugt, die man mit psycho-akustischen Tricksereieen einfach nicht hinbekommt.
In Interviews kommt Chris Stapleton aufgeräumt und geerdet rüber und überlässt auch gerne Morgane das Wort, am Mikrofon mit Gitarre ist er ein Titan, dessen Größe aus seiner Ehrlichkeit und Authentizität kommt und deshalb klingt seine Musik auch so leicht und schlüssig.

Zugegeben, Nashville ist „meine“ Stadt, die durch ihre Musikszene eine Faszination auf mich hat, wie ich das noch in keiner anderen Stadt erlebt habe (Memphis und New Orleans vielleicht noch annähernd), aber auch ohne diese Affinität zur Musik des amerikanischen Südens kann man Chris Stapleton nur jedem Musikliebhaber ans Herz legen.

Heiko Wallauer

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