Erfahrungsbericht: MOTU ZBox

Die MOTU ZBox verspricht das Problem von Impedanzfehlanpassungen im digitalen System zwischen elektrischer Gitarre und Audiointerface zu lösen. Aber wieso ist dies überhaupt notwendig?
In der guten alten analogen Welt war alles viel einfacher. Gitarre in den Amp, Mikrofon davor und vom Mischpult auf die Bandmaschine. In der Regel musste man sich schon auf Grund eindeutiger Stecker keine Gedanken darüber machen, etwas falsch zu verkabeln.
In der modernen DAW-Welt dominieren aber Kombibuchsen und Zusammenstellungen von Equipment, die nicht so recht füreinander gemacht worden sind.

Denn in modernen Produktionen, vor allem dann, wenn man zu Hause oder leise arbeiten muss, ist es z.B. durchaus üblich, elektrische Gitarren „pur“ in die digitale Workstation wie Cubase oder Pro Tools aufzunehmen, um sie dann im Nachgang mit Plug-ins wie Guitar Rig 5 oder Amplitube 3 weiter zu bearbeiten und den Sound von Verstärkern, Lautsprechern und Mikrofonen zu emulieren. Und sei es nur dazu, um zu einem YouTube Video mit Jeff Beck, David Gilmour oder Joe Satriani zu jammen.

Doch was zunächst so schlüssig klingt wird oft zum tontechnischen Super-Gau. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass die ein und selbe Gitarre vor einem Marshall Amp vor Obertönen sprüht, ächzt und schreit, an Ampsimualtor aber einfach nur lahm klingt.

Der Grund liegt oft in einer Fehlanpassung zwischen Gitarre und Interface.
Zwar verfügen mittlerweile etliche Interfaces über schaltbare oder dezidierte Instrumenteneingänge, aber was tun, wenn es trotzdem nicht passen will. Der Instrumenteneingang meines Interfaces z.B. verträgt recht wenig Input und lässt sich mit leistungsstarken Humbuckern, wie z.B. aus meiner Jackson, nicht vernünftig einpegeln. Schaltet man nun einfach auf den pegelresistenteren Line- oder Mikrofoneingang um, wird man vielfach enttäuscht sein, denn mit passiven Pickups klingt es nun flach und eindimensional.

Und genau hier kam mir die MOTU ZBox zur Rettung, die es erlaubt, Gitarren oder Bässe mit den Line-Eingängen eines digitalen Aufnahmesystems zu verbinden.

Motu ZBox

Denn die MOTU ZBox gaukelt der elektrischen Gitarre vor, sie würde am Eingang eines „richtigen“ Amps hängen. Dies geschieht durch die Bereitstellung der notwendigen hochohmigen Impedanz, die eine E-Gitarre normalerweise vom Instrumenteneingangs eines Verstärkers bekommt. Durch eine analoge Schaltung passt die MOTU ZBox nun das Signal soweit an, dass diese an einen Lineeingang mit geringerer Impedanz übergeben werden kann, ohne klangliche Einbußen in Kauf nehmen zu müssen.

Die MOTU ZBox verfügt über zwei Eingänge, ähnlich einem Fender Twin. Hier kann sehe nach Instrumentengattung (Gitarre/Bass) und Art der Pickups sinnvoll sein zu experimentieren.

Motu ZBOX Front

Das Innenleben der ZBox sitzt in einem stabilen Metallgehäuse, lediglich das fest angewachsene Anschlusskabel trübt etwas den positiven Gesamteindruck.
Das Gehäuse liese sich aber per Schrauben öffnen, so dass man auch im Falle eine Kabelbruchs mit Sicherheit Abhilfe schaffen könnte.

In der Praxis schlägt sich die MOTU ZBox überraschend gut.
Endlich kann ich meine Gitarre vernünftig einpegeln, ohne schon die DAW zu überfahren.

Vom Spielgefühl her bemerke ich auch eine subtile Verbesserung, die aber schwer meßbar ist.
Amplitube und Guitar Rig fühlen sich mit der MOTU ZBox direkter an, einfach mehr nach Amp. Generell empfinde ich das System aus Gitarre, MOTU ZBox, Interface und Plug-in als frischer und responsiver.
Und: ich kann nun ohne Probleme mein komplettes Effektboard vor meinem Rechner mit einer cleanen Ampsimualtion benutzen und bekomme in etwa das Feeling wie im Proberaum vor einem richtigen Amp.
Für mich bringt das den Vorteil, dass ich gleich mit meinen „richtigen“ Live-Sounds rehearsen kann.

Ich habe für mich etwas entwickelt, dass ich den Rebel Yell-Test nenne.
Der geht folgedermaßen: ich spiele eine Gitarre, einen Amp oder mit einem Plug-in zu dem Playback von Billy Idols Rebel Yell. Wenn es sich gut anfühlt und ich das Steve Stevens-Feeling bekomme, dann passt es für mich 🙂

Die MOTU ZBox kostet am Markt zwischen 35 und 40 Euro und Probleme mit den Instrumenteneingängen an Audiointerfaces sind gar nicht mal so unüblich, wenn man mal die üblichen Gitarristenforen quer liest.

Bevor man sich also grün und blau ärgert, kann man mit der MOTU ZBOX effektiv Abhilfe schaffen und bekommt als Goodie ein gutes Spielgefühl oben drauf.

Heiko Wallauer

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