Test: Jam Origin MIDI Guitar

Synthesizer mit meiner Gitarre spielen – diesen Traum habe ich schon, seitdem ich mich an die sechs Saiten ran gewagt habe. Mit Jam Origin Midi Guitar wird dieser Wunsch um einiges einfacher, haben wir es doch hier mit einem zeitgemäßen Stück Software zu tun, das sich handlich im Rechner und der DAW nutzen lässt.

Zugegeben, Gitarren und Bässe sind meine erste Wahl. Nichtsdestotrotz üben Synthesizer und Sampler auch schon seit jeher eine Faszination auf mich aus. Dabei kann ich mich noch gut an die Zeiten erinnern, als gestandene Gitarristen den Raum verließen, sobald auch nur der Begriff MIDI fiel.Bei mir war das aber anders, denn schon seit Teenagerzeiten fühlte ich mich neben reinen Gitarrenbands auch immer schon zu den Klängen von Bands wie Depeche Mode, Talk Talk, New Order, Pink Floyd, Peter Gabriel oder Kraftwerk hingezogen. Das der Sampler das Ende der E-Gitarre sein sollte, wollte sich mir nicht so recht erschließen und spätestens Trent Reznor und die Nine Inch Nails dürften der Beweis dafür sein, dass Gitarren, Synthies und Sampler gut zusammen gehen.

Das gesetzte Eingebamedium für Synthesizer und Sampler ist nun mal das Keyboard mit seinen schwarzen und weißen Tasten, und auch wenn ich mir in der Vergangenheit einige spielerische Grundlagen erarbeitet habe, grundsätzlich liegt mir die Gitarre als Instrument doch näher, weil sie mir ein unmittelbares Spielgefühl bietet.
In der Vergangenheit gab es deshalb auch immer schon Ansätze, die Gitarre zu midifizieren, was in der Regel aber immer mit einer Modifikation am Instrument verbunden ist. Hierzu muss ein spezieller Tonabnehmer angebracht werden, hinzu kommt eine mehr oder weniger große Box für die Elektronik, die man sich auf die Decke schrauben oder kleben muss. Ganz ehrlich, meine Les Paul möchte ich so nicht verunstaltet sehen 🙂
Dezentere Herangehensweisen wie fertige Gitarren konnten sich am Markt bisher aber in der Breite auch nicht durchsetzen.

„Das muss doch auch einfacher gehen“, denke ich mir immer.

Prinzipiell braucht es ja „nur“ einen Algorithmus, der eine gespielte Tonhöhe erkennt und analysiert und diese in eine MIDI-Note übersetzt.
Und genau dieser Problematik haben sich Jam Origin angebommen und liefern mit Midi Guitar ein Plug-in, welches eben genau dies leistet. Und das nicht nur monophon, sondern auch polyphon.

MIDI Guitar ist eine neuartige Software , die das analoge Gitarrensignal in MIDI-Informationen umwandelt , und es somit ermöglicht, eine Standard-Gitarre als MIDI-Controller / MIDI-Keyboard zu verwenden, Software Synthesizer / Sampler mit der Gitarre zu spielen. MIDI Guitar zeichnet neben der gernigen Latency aus, das es sich um eine polyphone Softwarelösung handelt, so dass die eben nicht nur Single Note-Linien verarbeiten kann, sondern eben auch ganze Akkorde.

MIDI Guitar kommt in zwei Varianten auf den Rechner, ein Mal als eine eigenständige Anwendung , die das Hosting von VST / Audio Instrumente und Effekten ermöglicht, und als ein VST / Audio Unit- Plugin, welches man in der DAW seiner Wahl verwenden kann.
Die erstere Variante empfiehlt sich deshalb auch für den Live-Einsatz, während man die zweite wohl eher im Studio nutzen wird.

Der Download und die Installation gehen rasend schnell, das Programm ist ziemlich schlank gehalten.
Die Autorisation läuft über eine Seriennummer und ein License File, welches man sich nach Eingabe der Seriennummer herunterlädt und in die Software importiert.

Die GUI von MIDI Guitar ist dreigeteilt und übersichtlich: wir haben zunächst das Fenster Essential, gefolgt von Advanced und Plugins.

Im Essential-Window lassen sich zunächst die grundlegenden Einstellungen wie Audio-Treiber und Feinabstimmungen für die am Eingang hängende Gitarre vornehmen.
Das ausgegebene Signal lässt sich entweder über Wellenformen oder über einen Polytuner visualisieren. Um die MIDI-Verarbeitung zu testen, verfügt MIDI Guitar intern über einen kleinen Klangerzeuger.

Komplexer wird es im Advanced Setting, hier lassen sich z.B. noch Einstellungen für MIDI Pitch Bend und weitere MIDI Settings vornehmen.

Je nach verwendeter Gitarren muss man hier am Anfang etwas Zeit investieren, um die optimale Einstellung, je nach Instrument und getriggertem Sound zu finden. So sind schwebende Flächensounds mit wenig Attack selbstredend etwas gutmütiger als akzentuierte Piano-Licks. Auch Bläser, wenn es nicht die ganze Horn-Section ist, kriegt man recht gut getriggert.

Diese grundsätzlichen Einstellungen sind geradezu am Anfang etwas fummelig und zeitintensiv und sehr abhängig vom verwendeten Instrument. Bei mir funktioniert’s am besten mit meiner Jackson PS-7 und dem Single Coil in der Halsposition, trotz schwebend gelagertem Vibratosystem.

Den Output von MIDI Guitar kann man sich als User in dieser Ansicht ebenfalls wieder visualisieren lassen.

Sollte mal wirklich was aus dem Ruder laufen, hilft der Panic Button, mit dem sich alle MIDI-Noten stumm schalten lassen.

Wie kriegt man nun MIDI Guitar in seiner DAW zum Laufen?
Das habe ich mir ehrlich gesagt ziemlich kompliziert vorgestellt, ging aber sowohl in Cubase 7 wie auch in Studio One 2.6 ziemlich einfach.

Zunächst verkabelt man natürlich die Gitarre aufs Audio-Interface, dann legt man in der DAW eine Audiospur mit entpstechendem Input an. In einen Insert-Slot der Spur legt man dann das MIDI Guitar Plug-in. Praktischerweise mutet man die Audio-Ausgabe der Audiospur.

Nun legt man sich einen neuen Instrumenten-Track an in den man sich als als Klangquelle sein bevorzugtes virtuelles Instrument wählt, bei mir ist das z.B. oft Kontakt 5 als Sampler oder FabFilters Twin 2. Als Midi-Eingabegrät wählt man dann wiederum MIDI Guitar und schon spielt man mit der elektrischne Gitarre einen Synthesizer.

Dabei sollte man nach Möglichkeit auf eine saubere Spieltechnik achten. Je exakter man Töne intoniert, umso besser kommt MIDI Guitar damit klar.
Und wie schon erwähnt, das Ergebnis ist auch immer abhängig von der „Soundkategorie“. Flächen und schwebende Pads funktionieren sehr gut, bei Pianos braucht es in der Regel etwas Übung, um authentischen Sound zu transportieren.


Die Latenzen sind durchweg gering, man kann mit MIDI Guitar in der Praxis sehr gut arbeiten.
Bei einem Preis von $99.95 ist MIDI Gutiar jedem empfohlen, der sich ernsthaft mit den Themen Guitar-to-MIDI und virtuelle Instrumente auseinandersetzen möchte. Von MIDI-Guitar gibt es auf der Jam Origin-Seite eine kostenlose Demoversion mit vollem Funktionsumfang, die aber von Zeit zu Zeit stumm schaltet.
Neben der Version für OS X ist MIDI Guitar ebenfalls für Windows erhältlich, darüber hinaus stellt Jam Origin auch eine Version für das iOS-Betriebssystem bereit.
Neben MIDI Gutiar gibt es von Jam Origin ebenfalls noch MIDI Bass und MIDI Violin.

Systemvoraussetzungen:
OS: Mac OS X 10.6 oder neuer (10.5.8 läuft in 32bit).

Windows XP SP3 oder neuer.

RAM: 512 MB oder mehr
CPU: Dual core 1.6 GHz oder besser
Audio-Interface mit Gitarreneingang.

iOS: iPad 2, iPhone 4s, iPod 5 oder neuer.

Preis: $99.95
Für iOS-Version: $19.95

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