Installation eines Shadow SH-141 Schallloch-Tonabnehmers in eine Akustikgitarre

Akustikgitarren liegen derzeit voll im Trend, und nicht ganz unschuldig daran dürften Gitarristen wie Andy McKee, Ian Ethan Case, Spencer Eliot und das Label Candyrat Records sein. Unlängst veröffentliche die Washington Post einen Artikel der dies auch mit Zahlen belegt, denn seit 2010 verkaufen sich Akusitkgitarren anscheinend besser als ihre elektrischen Schwestern. Auch an mir ging dieser Trend nicht ganz spurlos vorbei, denn mittlerweile nenne ich auch (wieder) mehrere Akustikgitarren mein Eigen. Alle mit Tonabnehmersystemen, bis auf eine. Und diese habe ich gerade die Tage mit einem aktiven Shadow SH-141 Schalllochtonabnehmer (oder Soundhole Pickup) ausgestattet. Welche Schritte beim Einbau zu beachten sind und welche Modifikationen am Instrument vorzunehmen sind, möchte ich Euch im folgenden Artikel zeigen.

Zugegeben, wer vorhat, mit einer Akustikgitarre auf die Bühne zu gehen oder wer mit einem Looper arbeiten möchte, der kauft besser gleich ein Modell mit Tonabnehmersystem.
Ich habe gerade in letzter Zeit meinen Spass am spielen mit Loopern und an Open Tunings entdeckt, und gerade wenn man mit offenen Stimmungen anfängt hat man grundsätzlich immer eine Gitarre zu wenig.
Was lag da also näher, als meiner einzigen „Voll“-Akustik ebenfalls ein Pickupsystem zu spendieren.

Der Einbau ist zwar nicht ganz ohne, lässt sich aber mit Geduld und den richtigen Tools durchaus bewerkstelligen.
Trotzdem hier der notwendige Disclaimer: wer die hier beschriebenen Modifikationen am eigenen Instrument vornimmt, tut dies auf eigene Gefahr.
Wer sich nicht sicher ist, kann die entsprechende Modifikation auch von einem Gitarrenservicetechniker durchführen lassen, einfache Piezosysteme gibt es meist um 100 €, was ehrlich gesagt auch nicht teurer ist als Pickup und Werkzeuge in der Summe.
Für mich war eher der zeitliche Aspekt entscheidend: zum einen haben die Servicewerkstätten in meiner Nähe Öffnungszeiten, die mi meinem Arbeitszeiten nicht so ganz kompatibel sind, zum anderen ist dann eben das Instrument meist für einige Tage außer Haus.

Auswahl Pickupsystem
Am Anfang steht natürlich die Auswahl des Picksystems. Neben den Soundhole Pickups, die man ins Schallloch montiert gibt es natürlich noch die Bekannten Piezo-Tonabnehmer, die unter der Stegeinlage angebracht werden, Piezos zum Aufkleben auf die Decke oder kleine Mikrofone, die im Inneren des Korpus angebracht werden. Darüber hinaus lassen sich diese Varianten natürlich auch in jeglicher Form kombinieren.

Ich habe mich deshalb für die Schalllochvariante entschieden, da man bei einem Stegpiezo die Stegeinlage runterschleifen muss, und dies nach Möglichkeit plan und ohne Grate, was ein filigranes Geduldsspiel ist: zum einen muss man die Stegeinlage soweit runter schleifen, dass eine komfortable Saitenlage möglich ist, darf aber auch nicht zuviel wegnehmen, denn ranschleifen lässt sich leider nichts mehr.

Der Einbau der Endpinbuchse
Der erste Schritt ist auch gleich der kritischste, nämlich der Einbau der Endpinbuchse.
In der Regel haben Endpinbuchsen einen Durchmesser von 12mm, d.h. es ist notwendig, das Loch des (hoffentlich) vorhandenen Endpins zu vergrößern.

Hierzu muss der Endpin mit einer Zange entfernt werden, meist geht dies relativ einfach, kritisch kann es sein, wenn der Endpin fest eingeleimt ist. Hier kann es dann notwendig werden, den Endpin regelrecht auszubohren.

Im nächsten Schritt ist es notwendig, die Öffnung so zu vergrößern, dass die Klinkenbuchse durchpasst.

Wie man das korrekt anstellt, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen.
Am schnellsten geht es mit einem Bohrer. Hier sollte man aber über ausreichend Erfahrung verfügen, um ein gerades Loch durch die Zarge zu bohren und das Instrument am besten fest fixieren.
Den es besteht die Gefahr, dass bei zu hoher Drehzahl der Lack und das Holz rund um das Bohrloch splittern oder das Loch gar schief wird.

Die sicherere Variante ist ein sogenannter Tapered Reamer, oder in unsexy konische Reibahle.

Der Vorteil der Reibahle ist, dass sie sich quasi selbst zentriert, und so schiefen Bohrlöchern vorgebeugt wird.

Das ganze von Hand dauert dann zwar ca. 15-20 Minuten, die Zeit sollte man sich aber ruhig nehmen und möglichst sauber arbeiten.

Am Ende musste ich aber doch noch kurz den Bohrer ansetzen, da die Zarge einer Gitarre genau an der betreffenden Stelle verstärkt ist und ich mit der Reibahle nicht genug Hub hatte, um auf der ganzen Länge die erforderlichen 12mm zu bekommen.

Der Einbau der Klinkenbuchse ist dann etwas fummelig, am besten nimmt man das dünne Kabel eines Kopfhöhrers als Zugdraht, in dem man den Klinkenstecker in die Buchse steckt und die Buchse dann an dem Kabel vom Schallloch aus durch das Loch zieht.

Dann die Klinkenbuchse mit den beigelegten Unterlegscheiben und Muttern festziehen, so dass sie möglichst kein Spiel mehr hat.

Der Einbau des eigentlichen Pickups ist dann relative einfach, an den Seiten hat er kleine Klammern, die den Pickup im Schallloch halten.

Jetzt noch das Verbindungskabel in den Pickup stecken, neue Saiten aufziehen (in meinem Fall Elixir nanoweb) und fertig ist die Laube 😃

Insgesamt brauchte ich für den Einbau etwas unter einer Stunde, inkl. Saitenaufziehen und Stimmen.

Der Pickup kostet um die 80 Euro, die Reibahle kam über ebay aus England und schlug auch noch mal mit 10 Euro inkl. Versand zu Buche. Für den Gebrauch ab und zu tut sie es auch. Stewmac bietet für knapp 80 Dollar ein Profiteil an, welches aber dann dann aber aus USA kommt. Hier fallen dann noch Versand, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer an. Diese teure Ausführung braucht man allerdings eher, wenn der Einbau eines Pickups zum täglichen Brot gehört.
A propos: wie oben erwähnt, der Einbau eines einfachen Tonabnehmer-Systems kostet bei einem Gitarrentechniker ca. um die 100 Euro. Geld spart man also mit der meiner Variante nur bedingt.
Trotzdem für mich sprach folgendes fürs selbermachen:
– zum einen konnte ich so mein Pickupsystem selbst auswählen
– zum anderen wog für mich der zeitliche Aspekt schwerer, als die Angst, die Gitarre zu beschädigen. Hätte ich einen Servicetechniker aufgesucht, hätte ich die Gitarre dorthin bringen müssen, abholen müssen, ebenso hätte ich auf unbestimmte Zeit auf meine Gitarre verzichten müssen.

Demnächst werde ich dann auch mal Soundbeispiele aufnehmen und hier einstellen.

Wer sich übrigens für den Artikel über den Aufstieg der akustischen Gitarre (oder den Niedergang der elektrischen) interessiert, klickt hier.

https://www.washingtonpost.com/graphics/2017/lifestyle/the-slow-secret-death-of-the-electric-guitar/?utm_term=.0c0831467862

Heiko Wallauer

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