Film-Tipp: Star Wars 8 – Die letzten Jedi

ACHTUNG SPOILER Es ist wieder die Zeit des Jahres, in der Männer jenseits der 40 ohne ihre Herzensdamen ins Kino müssen, sind diese doch der Meinung, dass es nicht noch ein weiterer Star Wars Film sein muss. Denn mit Star Wars 8 – Die letzen Jedi läuft mit mehrmonatiger Verspätung die neueste Auflage des Kampfes der Rebellion gegen die Bösen in der Galaxis nun endlich im Kino an.

Natürlich stellt sich sofort wie Frage, wie der Film im Star Wars Universum einzuordnen ist und ob er den wie immer hochgesteckten Erwartungen gerecht werden kann.

Ich möchte jetzt gar nicht so viel über die Handlung verraten, sondern eher mal meine Gedanken zu Star Wars 8 zu Papier bringen.

Ich für meinen Teil fand Star Wars 8 gut. Nicht überragend, aber durchaus solide gemacht, mit einigen Lichtblicken, aber auch mit Schatten.

Denn Star Wars 8 hat das Problem aller „mittleren“ Trilogie-Filme: Die Handlung muss durcheinander gerührt werden, einige Handlungsstränge scheinen zu versanden und am Ende bleibt alles offen und der Zuschauer mit vielen Fragezeichen zurück.

Gut fand ich die Verbindung zwischen Rey und Kylo, dass lässt Potential für den nächsten Film.
Finn scheint jetzt am Ende zwischen zwei Frauen zu stehen, auch das kann in Star Wars 9 für eine gute Storyline sorgen.

Mark Hamill gibt einen gealterten, desillusionierten Luke Skywalker, der durchaus schonungslos mit den Jedi und ihren Idealen abrechnet.
Teilweise wirkt er recht kauzig. Da passt es dann auch, dass ihm Meister Yoda erscheint.

Yodas Auftritt ist eine schöne Reminiszenz an The Empire Strikes Back und holt den etwas entrückt wirkenden Skywalker wieder auf den Boden zurück.

Dass Luke versucht hat, Kylo/Ben im Schlaf zu meucheln, fand ich eine interessante Wendung und passt zu dem gealterten Luke Skywalker, der irgendwie fertig mit der Welt zu sein scheint.

Da passt es dann auch, das Rey nicht Lukes verschollene Tochter ist und nicht aus dem Stammbaum der Skywalkers und Solos entstammt. Nein, Rey ist nur einfach so machtsensitiv. Zum Glück erspart man uns diese Midi-Chlorianer-Kacke aus Episode 1 und orientiert sich eher an Obi Wans Definition aus Episode 4.

Weshalb Teile von Star Wars 8 in Dubrovnik gedreht wurden will sich mir auch nicht so recht erschließen. Denn von der charakteristischen Kulisse der Stadt sieht man so gut wie gar nichts.
Da hätte es auch ein Studioset getan.
Der Game Of Thrones-Effekt bleibt gänzlich aus.
Es ist nicht so, dass die Location die Aussagekraft der Handlung verstärkt, eigentlich hatte ich das Gefühl, dass man Dubrovnik als Drehort wählte, entweder weil es gerade hip ist, oder um auf dem Game Of Thrones-Hype mit zu reiten.

Die letzten Jedi ist 152 Minuten lang, meiner Meinung nach hätten es 20 Minuten weniger auch getan, mitunter hätte ich mir eine etwas straffere Handlung gewünscht.
Oder eben in der Länge, aber mit besser entwickelten Charakteren.

Das ist auch meine größte Kritik an Die letzten Jedi: viele Charatere bleiben oberflächlich und werden gar inflationär verschwendet.
Poe Dameron kam mir etwas zu kurz, seine Figur gibt mehr her als die Beschränkung auf einen schiesswütigen X-Wing Piloten der zu Scherzanrufen neigt.

Der Oberste Anfüherer Snoke ist da auch so ein Fall.
Im Vorfeld gab es ja mitunter die hahnebüschesten Theorien, wer denn nun Snoke sei, von „Darth Vader hat doch überlebt“ bis „Jar Jar Binks ist Snoke“.
Aber als Oberster Anführer der Ersten Ordnung und Meister von Kylo Ren muss es sich zumindest um einen mächtigen Sith-Lord handeln, Darth Plagueis wurde auch hoch gehandelt.
Aber nun stellt sich heraus, dass Snoke lediglich Macht-sensitiv ist und sich die dunkle Seite der Macht antrainiert hat (wahrscheinlich mittels YouTube-Tutorials) aber überhaupt keine Verbindung zu den mächtig-bösen Sith Lords besteht. Am Ende wird Snoke dann auch von Kylo Ren mehr oder weniger mit einem Jedi-Taschenspielertrick erledigt.

Kylo Ren kann auch nicht wirklich den finsteren Bösewicht geben. Einige seiner Ausbrüche erinnern eher an einen trotzigen Teenager als an einen praktizierenden Anhänger der dunklen Seite. Okay, Darth Vader ist nun auch mal der ultimative Bösewicht, eine Cyborg-Killermaschine, der auf ein Lebenserhaltungssystem angewiesen ist, der aber trotzdem nur mit Lichtschwert und der Macht eine ganze Galaxis unterjocht.
Im Gegensatz zu Vader ist Kylo Ren aber eher so wie ein Twilight-Vampir verglichen mit Max Schrecks Nosferatu.

Captain Phasma ist ebenfalls so ein Fall von Charakter-Verschwendung.
Da hat man schon einen 1,90m großen weiblichen Stormtrooper in einer chromfarbenen Rüstung, die ganz im Gegensatz zu anderen Sturmtrupplern nicht nur eine Nummer sondern einen Namen trägt und dann gibt man Captain Phasma lediglich 2 Minuten auf der Leinwand und beschert Ihr dann einen unspektakulären Abgang.

Überhaupt das Sterben in der neuen Trilogie….
Bei der entscheidenden Schlacht projetziert sich Luke Skywalker aus seinem fernen Unterschlupf mittels Meditation auf den Planeten Crait um dort auf dem Schlachtfeld die entscheidende Wendung herbeizuführen, den Rebellen Zeit zur Flucht zu verschaffen und um sich seinem ehemaligen Schüler Kylo Ren zu „stellen“. Das Skywalker aber nach seiner Meditation am Ende einfach stirbt und sich in der Macht auflöst….das war gar nix. Genauso wenig wie das „sich ins Schwert stürzen“ von Han Solo. Den beiden Helden hätte man doch einen Abgang im großen Stil gewünscht.
Wieso lässt man Luke nicht den alten Landspeeder aus der Garage holen und Lichtschwertschwingend gegen die Übermacht der ersten Ordnung anreiten? Dieses Ende wäre ihm würdig gewesen, schließlich durfte sich auch Obi Wan Kenobi für die Sache der Rebellion opfern.

In meiner persönliche Hitliste steht Star Wars 8 im Mittlefeld noch vor Episode 1-3, aber Rouge One etwa fand ich besser.

Meine persönlichen Star Wars Charts sehen wie folgt aus:
Episode 5 – Das Imperium schlägt zurück
Episode 6 – Die Rückkehr der Jedi Ritter
Episode 4 – Eine neue Hoffnung
Rouge One
Episode 7 – Das Erwachen der Macht
Episode 8 – Die letzten Jedi
Episode 3 – Die Rache der Sith
Episode 2 – Angriff der Klonkrieger
Episode 1 – Die dunkle Bedrohung

Heiko Wallauer

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Heiko,

    danke! Ich lese Spoiler ja sehr gern. Diesen hier auch. Den Film werde ich mir anschauen. Allerdings nicht im Kino.

    Jörn

    • Hallo Jörn,
      Bei Star Wars 8 kann man, im Gegensatz zu Blade Runner 2049, die Kauf-/Miet-/Streamversion auf iTunes oder Amazon durchaus abwarten, wenn man kein die hard Stars Wars-Anhänger ist.
      Der Film hat einige gute Aspekte, aber auch einiges, was nicht so ganz schlüssig ist.
      Viele Grüße,
      Heiko

Schreibe einen Kommentar