Test: Fender Squier Jazz Bass VM 70s

Der Fender Squier Jazz Bass VM 70s stellt eine Hommage an Fenders 70er Jahre-Ära dar, bringt allerdings auch eine Menge Detailverbesserungem und moderne Features mit.

Lange Zeit galten Fenders Instrumente aus den 70ern als unbeliebt unter den Sammlern und Vintageverrückten: zu schwer, zu grob verarbeitet und einfach nicht der Flair der Instrumente aus den 60ern und der Pre-CBS-Phase. Dazu dann eben noch solche Details wie die gefürchtete 3-Punkt-Halsbefestgung und keiner wollte die Instrumente auch nur mit der Kneifzange anfassen. Nachdem dann aber so langsam alle Instrumente aus den 60ern in Tresoren und privaten Sammlungen verschwinden, richtet sich der Blick der Vintagegemeinde zunehmend auch wieder gen 70er Jahre. Und sind es nicht zuletzt auch Bassisten wie Geddy Lee oder Marcus Miller, die schon lange auf (Jazz)-Bässe aus den 70ern schwören? All denen, die nun kein Vermögen im Vintagemarkt investieren wollen bietet Fender mit dem Squier Jazz Bass VM 70s eine gute Alternative.

Fender Squier Jazz Bass VM 70s

Fender Squier Jazz Bass VM 70s

VM steht in diesem Fälle für Vintage Modified und soll uns signalisieren, dass es Fender zum einen mit der eigenen Historie nicht so genau nimmt, auf der anderen Seite aber auch schon beim Fender Squier Jazz Bass VM 70s einige After-Market-Modifikationen gleich mit in die Serienproduktion mit aufgenommen hat.

Fender Squier Jazz Bass VM 70s

Fender Squier Jazz Bass VM 70s

Die Features des Fender Squier Jazz Bass VM 70s lesen sich wie folgt:
Ahorn Korpus
Ahorn C-Shape Hals
Ahorn Griffbrett
20 Bünde
2 Duncan-Designed Single-Coil Jazz Bass Pickups
schwarzes 3-schichtiges Schlagbrett
Mensur: 864mm (34″)
Sattelbreite: 38mm
Farbe: Natur

Fender Squier Jazz Bass VM 70s

Fender Squier Jazz Bass VM 70s

Eine Menge Ahorn also beim Fender Squier Jazz Bass VM 70s, und da wundert es fast schon, das Fender nicht noch gleich eine Flasche Ahornsirup mit beipackt, oder den Bass wenigstens in der Farbe Vermont Indian Summer anbietet.

Herausstechendes optisches Merkmal, neben dem schönen Naturholzton, sind beim Fender Squier Jazz Bass VM 70s natürlich die schwarzen Blockeinlagen und das mit schwarzem Binding eingefasste Griffbrett. Die Inlays erregen auch immer wieder die Gemüter der Internetgemeinde, stellt sich doch periodisch immer wieder die Frage, ob es sich hier um „echte“ Inlays handelt oder ob diese nur aufflackert sind.

Fender Squier Jazz Bass VM 70s

Fender Squier Jazz Bass VM 70s

Da werden Vergrößerungsgläser benutzt um die NAht zu begutachten und der Rand ertastet oder ganz gewiefte rufen bei Fender an. Hier Im Fender-Forum gibt es aber jemanden, der in einer Mail von Fenders Jeff Krause zur Antwort bekam, dass es sich bei den schwarzen Blocks des Fender Squier Jazz Bass VM 70s um echte Inlays handelt.

Verarbeitungstechnisch muss sich der Fender Squier Jazz Bass VM 70s nichts vorwerfen lassen, und ich bin immer wieder erstaunt, welche Fertigungsqualität Fender mittlerweile auch in seinen günstigen Modellinien etablieren konnte. Die Elektrik spielt, die Bünde sind sauber eingesetzt und abgerichtet, der Hals sitzt fest und passgenau in der Halstasche und das Instrument ist absolut stimmstabil. Lediglich beim finalen Setup musste ich selbst ran und Halskrümmung, Saitenlage und Oktavreinheit nachstellen. Dann kann man aber beim Fender Squier Jazz Bass VM 70s eine sehr tiefe, schnarrfreie, bequem zu spielende Saitenlage hinbekommen.

Fender Squier Jazz Bass VM 70s

Fender Squier Jazz Bass VM 70s

Lediglich die Brücke erachte ich als verbesserungswürdig, hier kann eine Bridge zum Beispiel mit massiven Messingreitern nachrüsten.

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Der Fender Squier Jazz Bass VM 70s bringt gut 4,5 kg auf die Waage, was nicht gerade leicht, aber noch im vertretbaren Rahmen ist. Ich habe auch schon 70er Fender-Bässe gespielt, die 5 kg und mehr auf die Waage brachten. Breiter, gepolsterter Ledergurt und gut ist.

Bei den Pickups handelt es sich um zwei Duncan Designed-Single Coils, die klassischen Einspuler, die im Zusammenspiel Störgeräusche unterdrücken.
Die Pickups haben ordentlich Dampf und unterstützen den quriligen Grundcharakter des Basses.
Lasst uns mal schauen: wir haben Ahorn, Ahorn und Ahorn.
Ahorn ist vom Grund her ein Holz, dass einen strahlenden Grundcharakter hat und sehr mit reichlich Präsenzen daherkommt. Und so ist es auch beim Fender Squier Jazz Bass VM 70s. Tiefen Grummeln liegt ihm nicht so, dafür hat er reichlich obertonreichen Draht mit definierten, straffen Bäsen. Im Grunde eignet sich der Fender Squier Jazz Bass VM 70s für alle Rockspielarten und fühlt sich mit Plektrum gespeilt auch im Metal heimisch, kann aber auch gut funken, wenn er entweder geslappt oder im Rocco Prestia-Fingerstyle bearbeitet wird. Eine Art natürliche Kompression wird von der Holzauswahl transportiert. Trotz seines ordentlichen Gewichts hängt er gut am Gurt und lässt sich Jazz Bass-mäßig bequem bespielen.

Soundbeispiele:

Beide Pickups

Im Grunde habe ich beim Jazz Bass immer beide Pickups auf hundert Prozent, tortzdem hier nun für Euch auch Bridge- und Neckpickup einzeln.

Bridge Pickup

NEck Pickup

Fazit:
Der Fender Squier Jazz Bass VM 70s ist ein Volltreffer! Fender hat es hier innerhalb der Squier-Linie geschafft, einen Bass ins Line-up zu nehmen, bei dem der Name Programm ist, der aber trotzdem nicht in der Vergangenheit feststeckt und mit etlichen modernen Features punkten kann.
Der Einstiegspreis lag seinerzeit bei ca 400 Euro, mittlerweile hat sich der Strassenpreis bei den üblichen Verdächtigen um die 300 Euro eingependelt, wobei die aktuelle Ausgabe auf die Duncan Design-Pickups verzichtet und stattdessen OEM-Pickups verbaut sind.
Nichts wackelt, nichts knarzt, die Verabeitung ist auf den Punkt. Natürlich sollte man bei dem Preis ein amtliches Setup vornehmen, dass kommt nicht werksseitig. Mit entsprechend eingestellter Halskrümmung und Saitenlage ist der Fender Squier Jazz Bass VM 70s absolut bequem und amtlich zu bespielen.
Alle diejenigen, die einen Bass-Sound entweder Richtung Geddy Lee oder auch Marcus Miller suchen, denen aber die Ausgaben für die Fender Signaturemodelle scheuen, könnten hier eine interessante Alternative finden.

Heiko Wallauer

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